NGZ-Sportler des Monats April: Tobias van Aggelen Olympia 2028 in Los Angeles ist definitiv ein Thema

Büttgen · Der Top-Schwimmer des Neusser SV macht aber auch beim Schützenfest in Büttgen als Grenadier mit schwarzem Zylinder eine gute Figur.

Hat schon Los Angeles im Visier: Tobias van Aggelen aus Büttgen.

Hat schon Los Angeles im Visier: Tobias van Aggelen aus Büttgen.

Foto: dpa/Andreas Gora

Einen Termin hat sich Tobias van Aggelen ganz dick in seinem Kalender angestrichen. Am 29. Juni beginnt in Büttgen das Schützenfest. Dann vertauscht der 20-Jährige seine Schwimmshorts mit der weißen Paradehose der Grenadiere und nimmt mit Zylinder und Frack an der „Großen Königsparade“ auf der Driescher Straße teil. Das muss einfach sein, schließlich gehört er wie sein Vater, Onkel und Bruder dem bereits 1903 gegründeten Grenadier- und Fahnenzug Cäcilia an. „Soweit ich weiß, der ältesten Zug des Regiments“, sagt er nicht ohne Stolz. Adel verpflichtet als ehemaliger Schülerprinz.

Die sportliche Krönung hatte der Top-Athlet des Neusser Schwimmvereins freilich verpasst. Nach bärenstarken Leistungen im Frühjahr, mit der in Stockholm erbrachten Zeit von 1:49,90 Minuten über 200 Meter Freistil als Highlight, war der „NGZ-Sportler des Monats“ Ende April bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin sogar mit Chancen aufs Olympia-Ticket für die Freistilstaffel über 4x200-Meter angetreten. Aber in 1:51,54 Minuten reichte es dann nur für das B-Finale, das er in 1:52,72 Minuten auf Rang sieben beendete. Zu wenig für Paris. „Na klar, ein bisschen genickt war ich schon“, räumt der Nachwuchsmann ein. „Vielleicht war die Nervosität doch zu groß.“ Aber eine Welt sei für ihn deshalb nicht zusammengebrochen, stellt er nüchtern fest. Er und Alexander Kreisel, sein renommierter Trainer am Bundesstützpunkt in Heidelberg, hatten die Chancen im Vorfeld eh einer realistischen Prüfung unterzogen. „Es hätte für mich schon alles optimal laufen müssen. Dass es klappt, damit konnte man keineswegs rechnen.“

Weil sich damit auch der Start bei den Europameisterschaften vom 10. bis 13. Juni im serbischen Belgrad erledigt hatte, drückte der Büttgener entschlossen auf den Reset-Button und machte eine Woche Pause. Denn für diese Saison ist der Drops, was hochklassige Wettkämpfe auf internationaler Ebene anbelangt, gelutscht. Im Rahmen der Sommer-Schweizermeisterschaften (50 Meter) vom 11. bis 14. Juli in Uster springt er vor den Ferien noch mal ins Wasser – eine Art Trostpreis für alle an der Qualifikationsnorm gescheiterten Athleten.

Weil er über seinen Vater neben der deutschen auch die niederländische Staatsbürgerschaft besitzt, hätte er auch die Möglichkeit, im Nachbarland seine Chancen auf internationale Einsätze zu verbessern, doch das kommt für ihn erst mal genauso wenig infrage wie dem Neusser SV den Rücken zu kehren. Dazu fühlt er sich dem Verein, dessen Trainer Thomas Presch, Gisela Hug und Francisco Frederico ihn bis zu seinem Wechsel an den Bundesstützpunkt in Heidelberg („Ich brauchte einen Tapetenwechsel.“) erstklassig ausgebildet hatten, viel zu sehr verbunden. Darum verspricht er: „Ich werde weiter für Neuss starten.“

In der Universitätsstadt am Neckar ging er bislang dem Studium der Sportwissenschaften nach, doch könnte an dessen Stelle zukünftig die Wirtschaftsinformatik rücken. Im Schwimmbecken bildete er dort unter Trainer Alexander Kreisel, der Marco Koch zum Weltmeister über 200m-Brust gemacht hatte, unter anderem mit dem für Paris qualifizierten Luca Nik Armbruster (Unna) eine fünfköpfige Trainingsgruppe. „Und dafür bin ich dankbar“, sagt der 20-Jährige, der die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles schon jetzt fest ins Visier genommen hat. Seine Hauptstrecken bleiben die 100- und 200m-Kraul, doch will er das anstehende „Puffer-Jahr“ dazu nutzen, seine Möglichkeiten auch über 200- und 400m-Lagen auszuloten. Die 2025 anstehende WM in Singapur peilt er vor allem über die Staffel an. „Im Einzel bin ich noch zu weit weg.“ Aber er arbeitet dran.

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