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Olympia 20/21 in Toko: Dormagener Säbelfechter sind schwer enttäuscht

Olympia 2020/21 in Tokio : Fehlschlag – aber noch ist nicht alles verloren

Nach der Olympia-Enttäuschung in der Einzelkonkurrenz hoffen die Säbelfechter nun auf mehr Glück im Mannschaftswettbewerb am Mittwoch.

Nein, Trübsal blasen war bei den Säbelfechtern des TSV Bayer Dormagen nicht angesagt. „Na klar, das Ergebnis des ersten Tages ist enttäuschend. Wir hatten deutlich mehr erwartet, zumal allen dreien eine Platzierung ganz vorn zuzutrauen gewesen wäre“, haderte DFB-Sportdirektor Sven Ressel nach dem frühen Aus von Max Hartung, Benedikt Wagner und Matyas Szabo bei den Olympischen Spielen in Tokio. Doch Hartung kündigte umgehend an, „wir werden uns schnell das Krönchen richten, und dann geht es wieder los.“ Schließlich steht am Mittwoch noch der Mannschaftswettkampf an. Und da fände es der 31-Jährige „total geil, wenn wir zeigen können, was wir draufhaben.“

Und das ist eine ganze Menge. Hartung hatte in seinem ersten Gefecht den Ungarn Tamas Decsi (38) problemlos mit 15:8 besiegt. Im Achtelfinale gegen den in der Weltrangliste als 24. satte 19 Plätze hinter ihm geführten Iraner Ali Pakdaman kam der Dormagener beim 9:15 aber nie richtig in den Flow, immer wieder kam es zu Simultantreffern, die keinem Athleten eindeutig zugesprochen werden konnten. Die ständigen Videobeweise zur Klärung strittiger Treffer sorgten ebenfalls nicht dafür, dass Hartung in seinen gewohnten Rhythmus fand.

 Volltreffer: In der ersten Runde beherrschte Max Hartung den erfahrenen Ungarn Tamas Decsi fast nach Belieben und gewann letztlich ungefährdet mit 15:9.
Volltreffer: In der ersten Runde beherrschte Max Hartung den erfahrenen Ungarn Tamas Decsi fast nach Belieben und gewann letztlich ungefährdet mit 15:9. Foto: dpa/Hassan Ammar
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Szabo ließ zum Auftakt gegen den besser gesetzten Koreaner Gu Bon-gil ebenfalls nichts anbrennen, gewann mit 15:8. „Matyas hat ein super erstes Gefecht gemacht gegen Gu, das war unerwartet gut, denn er ist ein sehr schwerer Gegner“, sagte Bundestrainer Vilmos Szabo. Im Achtelfinale gegen den Russen Kamil Ibragimov arbeitete sich der 29-Jährige zwar von 11:14 noch mal auf 13:14 heran, unterlag am Ende aber mit 13:15.

 Matyas Szabo zieht im Achtelfinale gegen den unbequemen Russen Kamil Ibragimov den Kürzeren.
Matyas Szabo zieht im Achtelfinale gegen den unbequemen Russen Kamil Ibragimov den Kürzeren. Foto: Augusto Bizzi/BIZZI TEAM

Auch Wagner war eine Runde zuvor als Außenseiter eben auf den in Tokio an Position sieben gesetzten Ibragimov getroffen. In einem engen Duell mit einigen Kontroversen – der Dormagener wurde nach einem „Frühstart“ per Roter Karte sogar mit einem Punktabzug bestraft – geriet Wagner mit 7:12 ins Hintertreffen, schien aber wenig später nach aufregender Rallye beim 13:12 auf der Siegerstraße. Zumal er sich hundertprozentig sicher war, mit dem nächsten Angriff den vorentscheidenden Punkt zum 14:12 gemacht zu haben. „Das war mein Treffer“, stelle er energisch fest. Doch der Kampfrichter sah das anders. Und hinterher vermochte Wagner die strittige Szene auch auf dem Video nicht mehr zu finden. Trotz seiner so unglücklichen Niederlage (13:15) mochte der 31-Jährige seinen Auftritt nicht als kompletten Fehlschlag verbucht wissen. „Auch wenn es nicht wie erhofft geklappt hat, bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Ich hatte keinen Blackout, habe das durchgezogen, was ich mir vorgenommen hatte. Vielleicht fehlte mir in den entscheidenden Situationen das Glück oder die Abgezocktheit.“

Weil Teamgeist bei den Fechtern großgeschrieben wird, ging es für ihn kurz darauf direkt wieder an die Planche zu Matyas Szabo, um dort gemeinsam mit dem im Einzel nicht eingesetzten Richard Hübers den Bundestrainer, der beim im Achtelfinale gleichzeitig fechtenden Hartung gefordert war (Szabo: „Da wäre es super gewesen, einen zweiten Trainer dabeizuhaben.“) zu vertreten. Stress pur.

Bei der Vorstellung der Fechter einige Stunden zuvor hatte Wagner indes „einen kurzen Moment“ erlebt, „wo ich echt emotional geworden bin und sogar ein paar Tränchen geflossen sind.“ Weil für ihn wie für Hartung und Hübers nach Olympia Schluss mit dem Leistungssport ist, habe er den Wettbewerb eben sehr bewusst wahrgenommen, sagte der ehemalige Welt- und Europameister. Ganz anders sah es nach dem letzten Treffer Ibragimov im Auftaktgefecht in ihm aus. „Frust, Ärger – das war schon da, dazu sind wir zu sehr Leistungssportler.“

Trost und Ruhe fanden die vier Dormagener dann am Abend im gemeinsam bewohnten Appartement im Olympischen Dorf. Wagner: „Wir haben noch ein bisschen gequatscht und am Fernseher das Halbfinale und das Finale geguckt. Großen Respekt vor der Leistung von Aron Szilagyi, den wir seit Jahren kennen. Der ist mein Jahngang und hat bei den Olympischen Spielen jetzt dreimal hintereinander Gold geholt.“

Nach einer überraschend traumlosen Nacht richten die Säbelfechter nun den Fokus auf den Mannschaftswettbewerb am Mittwoch. Im ersten Gefecht wartet um 3 Uhr deutscher Zeit das Team des Russischen Olympische Komitses. „Da kann was gehen“, hofft Wagner. Das Ziel ist natürlich eine Medaille.