1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Olympia 20/21 in Tokio: High Noon am Sonntag für Sarah Voss & Co.

Olympia 2020/21 : High Noon für Sarah Voss & Co. am Sonntag in Tokio

Die Turnerin aus Rheinfeld muss sich bei den Olympischen Spielen mit dem deutschen Team erst noch für das Mannschaftsfinale qualifizieren.

Anfang des Monats hatte sich Sarah Voss mit diesen Worten von den Liebsten daheim in Rheinfeld verabschiedet: „Ich hoffe, ich sehe Euch erst in drei Wochen wieder.“ Das hieße nämlich, dass die 21-Jährige bei den Olympischen Spielen in Tokio gemeinsam mit Elisabeth Seitz, Kim Bui (beide Stuttgart) und Pauline Schäfer (Chemnitz) das Finale der besten acht Turnteams am Dienstag, 27. Juli, erreicht hat. Alles, wirklich alles, hängt dabei von einem Wettkampf ab: Nur die am Sonntag ab 13.20 Uhr (MESZ) mit der Subdivision 5 (mit deutscher Beteiligung) abgeschlossene Qualifikation entscheidet, wer an welchem Gerät, im Mehrkampf und im Team tatsächlich um Medaillen kämpfen darf. Doch nicht durch das: Gelingt es Sarah Voss & Co. dabei nicht, sich überhaupt für die Mehrkampf-Entscheidung am 29. Juli, oder eines der Gerätefinals am Sprung, Stufenbarren (beide 1. August), Boden (2. August) oder Schwebebalken (3. August) zu qualifizieren, heißt es Kofferpacken. Dann wären die Mädels spätestens am Mittwoch wieder zu Hause. Da kennt Olympia kein Pardon. Im Gegensatz zur WM 2019 in Stuttgart mit insgesamt 600 Athleten und Athletinnen ist die Konkurrenz in Tokio handverlesen – und entsprechend edel: Von den 98 Turnerinnen erreichen 24 das Mehrkampffinale, gar jeweils nur acht die Medaillenrunde an den einzelnen Geräten. Wenn es für Sarah Voss am Sonntag optimal läuft, könnte sie wie in Stuttgart das Ticket auf dem Balken lösen.

  • Tokio ist Gasteger der Olympischen Sommerspiele
    Zeitplan, Termine, TV-Übertragung : Das müssen Sie über die Olympischen Spiele in Tokio wissen
  • Ende Juli beginnen die Olympischen Spiele
    Tokio 2020 : Der Medaillenspiegel der Olympischen Spiele
  • Isabell Werth
    Sorge vor Corona : Deutsche Reit-Equipe verzichtet auf Olympia-Eröffnungsfeier

Am größten sind die Chancen jedoch mit der Mannschaft. Dazu müsste Deutschland am Sonntag im zwölf Riegen starken Feld mindestens Achter werden. Das Podiumstraining am Donnerstag gewährte allen Turnerinnen erstmals die Chance, Geräte und die etwas triste Atmosphäre im zuschauerlosen Ariake Gymnastics Centre aufzusaugen, sich den Kampfrichtern zu präsentieren und Zuversicht zu schöpfen. Der Auftritt ihrer Schützlinge sei „absolut überzeugend“ gewesen, urteilte Bundestrainerin Ulla Koch, die nun bis Sonntag vor allem noch am Feinschliff arbeiten will.

Auch Sarah Voss war mit ihrer Vorstellung zufrieden: „Wir konnten uns ein Gefühl an den Wettkampfgeräten holen und uns den Kampfrichtern vorstellen. Wir sind alle ganz gut durchgekommen und werden die nächsten Tage noch an Kleinigkeiten weiterarbeiten.“ Als klares Zeichen gegen sexualisierte Gewalt hatten sich die Athletinnen des Deutschen Turner-Bundes (DTB) beim Training allesamt in weinroten langen Anzügen präsentierten. Und so ist auch noch nicht entschieden, in welchem Dress Elisabeth Seitz, Kim Bui, Sarah Voss und Pauline Schäfer am Sonntag turnen werden.

Realistische Hoffnungen auf Edelmetall darf sich Elisabeth Seitz am Stufenbarren machen. „Einer Wettkampfsau wie Eli traue ich fast alles zu“, sagt die Bundestrainerin über die deutsche Rekordmeisterin. Wenn Abonnement-Weltmeisterin Simone Biles verletzungsfrei durchkommt, ist die dreimalige Weltsportlerin des Jahres aus den USA im Mehrkampf nahezu unschlagbar. 2016 bei den Sommerspielen in Rio hatte Fabian Hambüchen seine beispiellose Karriere mit dem Olympiasieg am Reck gekrönt. Zum „Hero de Janeiro“ avancierte vor mittlerweile fünf Jahren Andreas Toba, der auch mit gerissenem Kreuzband noch eine Übung am Pauschenpferd absolvierte. Am Stufenbarren gewann Sophie Scheder die Bronzemedaille.

Die Stimmung in der deutschen Delegation ist gut. Alle sind erleichtert, denn eine geordnete nationale Qualifikation stand lange infrage, nachdem sowohl die Deutschen Meisterschaften 2020 in Düsseldorf als auch das Deutsche Turnfest im Mai 2021 in Leipzig wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt werden mussten. Entsprechend motiviert geht Sarah Voss in ihre ersten Olympischen Spiele: „Der Bauch grummelt – und so muss es auch sein. Das ist Olympia! Das ist der Höhepunkt meiner Karriere im Leistungssport!“

Info Turnen (aber auch Fechten) wird bei Eurosport 1 im Free-TV gezeigt. Die Sendung heißt „Medal Zone“ und widmet sich allen Wettkämpfen, die zur selben Zeit stattfinden. In etwa so wie die große Konferenz beim Fußballl, die von Event zu Event springt und immer da ist, wo es spannend wird.