Hockey : Oldies spielen in Neuss um EM-Titel

Fünfhundert Hockeyspieler aus sieben Nationen werden von Montag bis Freitag in Neuss ihre Europameister der Altersgruppen Ü 60, Ü 65 und Ü 70 ermitteln. Im deutschen Aufgebot der Ü 60 stehen nicht nur die Neusser Butz Paul und Egbert Wilms, sondern in Uli Vos auch ein Olympiasieger

Sollte Dieter-Alfred "Butz" Paul über Kirmes zu spät zu den Zugfrühstücken erscheinen, werden seine Schützenlust-Kollegen dem Oberleutnant der "Novesen" sicher Verständnis entgegenbringen. Denn dann liegt eine stressige Woche hinter dem Neusser Patentanwalt.

Schließlich ist Butz Paul nicht nur Chef des Organisationskomitees für die Hockey-Europameisterschaften der Senioren, die von Montag bis Freitag auf der Anlage des HTC Schwarz-Weiß Neuss im Jahnstadion ausgetragen werden. Paul gehört auch, ebenso wie sein Klubkollege Egbert Wilms, zum Aufgebot der deutschen Ü60-Nationalmannschaft.

Und die hat sich für die Titelkämpfe auf heimischem Kunstrasen ein hohes Ziel gesteckt: Die Schützlinge von Trainer Carsten Fischbach wollen Europameister werden. Wie Paul und Wilms – im deutschen B-Team steht in Person von Rainer Stumpf noch ein dritter Neusser – kennt sich auch Fischbach an der Jahnstraße bestens aus, coachte er doch jahrelang das schwarz-weiße Herrenteam in der Bundesliga.

Einen Teil seiner ehemaligen Schützlinge wird Fischbach während der EM treffen. Denn die Spieler des Bundesliga-Aufsteigers gehören zu den rund sechzig Helfern aus Reihen des HTC, die die Ausrichtung einer solchen Großveranstaltung - insgesamt werden 500 Aktive nebst Betreuern in Neuss erwartet – überhaupt erst möglich machen. "Sie helfen zum beispiel heute beim Zeltaufbau", weiß Butz Paul, selbst "Chairman" des Organisationskomitees: "Auf Deutsch heißt das: der die Drecksarbeit macht", sagt er lachend.

"Drecksarbeit" gab es genügend bereits im Vorfeld. Übernachtungsmöglichkeiten im Holiday Inn und Novotel wurden reserviert, von wo aus die Spieler mit Shuttle-Bussen zur Jahnstraße gebracht werden. "Die meisten sind auch der Empfehlung gefolgt", sagt Butz Paul. Nur die Italiener nicht, die nun in Düsseldorf in Bahnhofsnähe logieren und ihren Transfer selbst organisieren müssen. Bustransfers gibt es auch zu den "richtigen" Europameisterschaften im Mönchengladbacher Hockeypark.

Für Donnerstagabend wurde die "MS Riverdream" für einen "Dinner Cruise" auf dem Rhein gechartert, morgen steht ein Begrüßungsabend auf der HTC-Anlage auf dem Programm. Die meiste Arbeit macht jedoch die Bewirtung: "Denn die übernehmen wir selbst, mit den Einnahmen können wir nämlich die nicht unbeträchtlichen Kosten einigermaßen decken", sagt Paul. Denn die werden nur zur Hälfte von den teilnehmenden Mannschaften übernommen, den Rest trägt der Veranstalter. Die Oberhoheit über den gastronomischen Bereich hat seine Gattin Astrid, ansonsten Vorsitzende des HTC Schwarz-Weiß Neuss.

"Über all dem vergesse ich manchmal, dass ich ja auch noch Hockey spielen muss", sagt Butz Paul. Am Montag trifft er ab 17.55 Uhr auf Wales, tags darauf ab 16 Uhr auf die Niederlande. Die ersten Beiden dieser Dreiergruppe ziehen ins Halbfinale am Donnerstag ein, das Endspiel wird am Freitag um 15.40 Uhr angepfiffen. Um dabei zu sein, haben die Deutschen ein starkes Team aufgeboten, das sich in etlichen Trainingslagern auf die EM vorbereitet hat. Zum Kader gehört nicht nur der 108-fache Nationalspieler Hans-Gerd Bachmann (Uhlenhorst Mülheim), sondern auch Uli Vos: Der Mönchengladbacher, inzwischen 64 Jahre alt, wurde 1972 in München Olympiasieger.

(NGZ)