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35. Liedberger Seifenkistenrennen: Ohne Startrampe war's zunächst beschaulich

35. Liedberger Seifenkistenrennen : Ohne Startrampe war's zunächst beschaulich

Neuer Rekord beim 35. Liedberger Seifenkistenrennen: 55 Piloten gingen an den Start. Schnellster Fahrer war Lukas Humpesch (16).

Dirk Armbrust vom Heimatverein Liedberg moderierte das Spektakel. Der Blick zum Himmel konnte ihn nicht ängstigen: "Wir haben in den letzten beiden Jahren bereits Regenerfahrung gemacht. Das kriegen wir hin." Aber die Organisatoren hatten gestern das Rennen ein wenig langsamer gemacht. Gestartet wurde wie immer am Mühlenturm. Aber der Heimatverein Liedberg hatte darauf verzichtet, eine Startrampe aufzubauen.

So wirkten die ersten 100 Meter denn auch recht beschaulich. Manche Fahrerinnen und Fahrer wirkten so relaxed, als würden sie eine Dorfbesichtigung machen. Aber es gab auch die verwegenen Typen. Die größte Portion Mut war kurz vor dem Ziel erforderlich: Die Kurve vor dem Hagelkreuz von der Schlossstraße in die Straße "En de Hüll", die mit einer massiven Wand aus Strohballen gesichert war, wurde mit teilweise atemberaubendem Tempo genommen. Das war den Zuschauern immer wieder einen begeisterten Applaus wert.

Die Kids in ihren Seifenkisten, zwischen acht und 16 Jahre alt, gingen in vier Altersgruppen an den Start. Ralf Frommen, Geschäftsführer des Heimatvereins, bediente die elektronische Zeitmessung — im nostalgischen Liedberg hat die gute alte Stoppuhr ausgedient. Während in der Formel 1 die Fahrer oft nur wenige Hundertstel Sekunden voneinander trennen, zeichnete sich in Liedberg beim Probelauf deutliche Unterschiede ab: Die Schnellsten brauchten weniger als 30 Sekunden, es wurden aber vereinzelt auch Zeiten um eine Minute gemessen.

Thomas Pöpl aus Steinhausen hatte seine Seifenkiste für Sohn Maurice Riem gebaut, aber auch sein Freund Jonas Neuhaus durfte damit fahren. Der war aus der ersten Kurve geflogen — ein Lenkfehler. Sein Vater redete ihm vor dem zweiten Start gut zu und massierte noch einmal seine Nackenmuskeln.

Eine schnittige Seifenkiste im Stile eines alten Porsche RS 60 Rennwagens hatte Andreas Scharner aus Glasfaserverbundstoff gebaut. Mit ihr gingen Sohn Jonas (10) und Ann-Sophie Schmitt, die morgen 14 Jahre alt wird, an den Start. Dass das Duo keine Bestzeiten erzielte, erklärte Andreas Scharner so: "Das liegt an der mangelnden Fahrpraxis. Wir hatten keine Zeit zu üben." Immerhin wurde der Renner zur schönsten Seifenkiste des Rennens erklärt.

Pilotin Ann-Sophie Schmitt versuchte, die Gefühle zu erklären, die die Fahrer während des Rennens beherrschen: "Das ist eine Mischung aus Angst und Aufregung. Es macht auf jeden Fall Spaß." Thea Benkel startete in der "Möhre", einer Seifenkiste in klassischer Form in Orange mit NEWS 89.4-Aufklebern. Mit ihren 15 Jahren gehörte sie zu den ältesten Starterinnen. Viele Freundinnen schwirrten um sie herum: Seifenkistenrennen begeistert eben nicht nur Jungs.

(NGZ)