Judo : "O-Goshi" mit Judoka Andreas Tölzer

Als Vizeweltmeister beendete der Olympiadritte von 2012 kürzlich seine Sportkarriere, die Liebe verschlägt ihn nun nach Grevenbroich. Seinem Sport bleibt er allerdings treu: Gestern trainierte der "Bulle" mit dem Judo-Nachwuchs der SG Gierath.

Gierath Lilly tobt über die Matte, der weiße Judoanzug – Judoqi in der Fachsprache – ist noch etwas zu groß, muss an den Beinen hochgekrempelt werden. So sieht die Vierjährige aus wie Hui Bui, mit neuer Wirkungsstätte: das kleine "Turnhallengespenst".

Kam gut an: Judo-Ass Andreas Tölzer erklärt Celine (8) und Ruphus (9) die Technik – und machte damit das Training zu einem besonderen Erlebnis für die zwei. Foto: Berns, Lothar (lber)

Davon gab es gestern Abend gleich so einige in der Dreifachhalle an der Gierather Straße. Denn dort wartete der Nachwuchs der Judoabteilung der SG Rot-Weiß Gierath gespannt auf eines seiner großen Idole: den Olympiadritten und Vizeweltmeister Andreas Tölzer. Der "Bulle" – Tölzer gehört mit seinen über 100 Kilogramm zum Schwergewicht – nahm sich über zwei Stunden Zeit, um mit mehr als 30 Judoka, die Jüngsten gerade mal vier Jahre alt, Tricks und Kniffe auf den Judomatten im Detail zu trainieren. "Mein Trainingsprogramm habe ich an das Alter der Teilnehmer angepasst", erzählt Andreas Tölzer. "Während es für die Kleineren noch nicht so ins Detail geht, steht für die Fortgeschrittenen schon die genaue Technik an." Vor diesem Hintergrund hat sich Andreas Tölzer für den Nachwuchs der SG Gierath gleich zwei Herausforderungen ausgesucht: den "O-Goshi", einen großen Hüftwurf mit beidbeiniger Technik, und den nach ihm benannten "Tölzer Dreher", eine besondere Wurftechnik im Bodenkampf.

Nach lustigen Aufwärmspielchen wie "Möhrenziehen" wurde es auf den Matten in der Dreifachhalle also ernst. Andreas Tölzer, der seine aktive Sportkarriere kürzlich beendete, verdeutlichte in Einzelschritten die Technik beim "O-Goshi". Dabei stand der Neu-Grevenbroicher – seit September wohnt er der Liebe wegen in der Schlossstadt – natürlich auch selbst auf der Matte. Und warf gleich mal Michael Seipold, sonst seit rund zwei Jahren Trainer der Gierather Judoka, zu Boden. Angesichts der Wucht, mit der Seipold, der das besondere Training initiiert hatte, auf die Matte knallte, staunte der Nachwuchs nicht schlecht. Und weiß nun, warum seine Konkurrenten Andreas Tölzer den Spitznamen "Bulle" verpassten. Seipold nahm die kraftvolle Demonstration gelassen, kennt er den Olympiadritten doch schon mehr als ein Jahrzehnt. Denn die beiden waren einst Trainingspartner im Bundesleistungszentrum in Köln, wohnten sogar zeitweise beide in ein und der gleichen Wohngemeinschaft. "Ich bin ja ein bisschen älter, war damals Mitglied der Nationalmannschaft der Herren", erinnert sich der 38-jährige Seipold, der mit seiner Familie in Bedburdyck wohnt. "Andreas kämpfte zunächst noch bei den Junioren."

Das änderte sich schnell: Als Seipold 2000 Deutscher Vizemeister wurde, begann die Ära Tölzer. Viele Jahre gehörte er zur Weltspitze, nahm an drei Olympischen Spielen (2004: 7. Platz, 2008: 9. Platz, 2012: Bronze) teil. Nach der Weltmeisterschaft im September, wo er zum zweiten Mal in seiner Karriere nach 2010 WM-Silber gewann, beendete er seine aktive Zeit. "Jetzt bin ich stellvertretender Leiter der Sportfördergruppe in Köln", sagt Tölzer, "und bleibe meinem Sport erhalten". Auf den Wettkampfmatten wird er auch weiter vertreten sein, durch den nach ihm benannten "Tölzer Dreher". Den trainierte er gleich auch mit den SG-Judoka.

"Gar nicht so einfach", bestätigen Celin und Ruphus, die sich natürlich Fotos und Autogrammkarten von ihrem Idol holten.

(NGZ)
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