Jüchen : NVV stellt den Gastarif um

Jüchen Die Freie Wählergemeinschaft warnt "vor unseriöser Vertragsverlängerung", der Gasversorger Niederrheinische Versorgung und Verkehr (NVV) in Mönchengladbach spricht von mehr Transparenz und finanziellen Vorteilen für die Gaskunden: Ganz unterschiedlich bewertet wird das neue, an den Heizölpreis gekoppelte Gaspreissystem NEWgas.

Jüchen Die Freie Wählergemeinschaft warnt "vor unseriöser Vertragsverlängerung", der Gasversorger Niederrheinische Versorgung und Verkehr (NVV) in Mönchengladbach spricht von mehr Transparenz und finanziellen Vorteilen für die Gaskunden: Ganz unterschiedlich bewertet wird das neue, an den Heizölpreis gekoppelte Gaspreissystem NEWgas.

Rund 3500 Gaskunden in Jüchen haben Post vom Versorgungsunternehmen bekommen - und die sollten sie gründlich lesen: Wenn sie den neuen Tarif nicht wünschen, müssen sie nämlich bis zum 25. Mai schriftlich widersprechen.

Wer als NVV-Gaskunde nicht schriftlich reagiert, dessen Versorgung wird auf den neuen Tarif umgestellt. Und genau daran reibt sich die Freie Wählergemeinschaft Jüchen: Nach der Rechtslage könne "ein Vertrag nicht durch Stillschweigen auf ein vorgelegtes Angebot zustande kommen", meint Berthold Kurzawiak von der FWG.

"Wir wollten es dem Kunden möglichst einfach machen. Unsere Juristen sind der Meinung, dass dieser Weg rechtens ist", erklärt Kai-Oliver Dubben, stellvertretender Geschäftsführer der NEW-Energie GmbH, der Vertriebsgesellschaft der Niederrheinischen Versorgung und Verkehr. "Wir haben uns gefragt, was der Kunde möchte - und das ist doch ein niedrigerer Gaspreis.

Für rund 98 Prozent bringt das neue System finanzielle Vorteile. Außerdem möchten wir auf ein neues Gaspreissystem umstellen, das mehr Transparenz bietet." Beim bisherigen Tektron GAS-Tarif passte das Unternehmen den Preis in unterschiedlichen Abständen je nach Entwicklung der Gas-Bezugskosten an. "Wenn der Heizölpreis, an den der Gaspreis gekoppelt ist, leicht sank und wir unseren Tarif nicht sogleich angepasst haben, wurde uns gleich entgegen gehalten "Und Ihr senkt nicht'."

Der neue NEWgas-Tarif dagegen ist fest an die Entwicklung des Heizölpreises gekoppelt, wird quartalsweise angepasst. Ein Vorteil laut MVV: Beim jetzigen Preisstand werde eine Kilowattstunde Gas um rund 0,65 Cent pro Kilowattstunde preiswerter. "Ein Vier-Personen-Haushalt spart im Jahr rund 190 Euro", erklärt Kai-Oliver Dubben.

Und für Juli erwarte das Unternehmen eine Preissenkung um schätzungsweise 0,08 Cent je Kilowattstunde. Laut Dubben werde der neue Tarif auch langfristig für die Kunden preiswerter sein. Einen zusätzlichen Preisvorteil, eine einmalige Prämie, von 20 Euro erhalten Kunden, die der NVV einen unterschriebenen Vertrag und ihre aktuellen persönlichen Daten zurückschicken.

"Während zahlreiche Gasanbieter ihre Preise Anfang April senkten, verbilligt die NVV ihr Gas nur für Kunden, die eine zwölfmonatige Vertragsbindung akzeptieren, kritisiert Berthold Kurzawiak von der FWG Jüchen. Das stimme so nicht, meint Kai-Oliver Dubben von NEW. "Zunächst besteht eine Erstlaufzeit, die bis zum nächsten Termin für das Ablesen des Gaszählers gilt.

Im längsten Fall kann das ein Jahr dauern, das kann aber auch viel früher sein. Danach gelte allerdings eine einjährige Laufzeit, "und die ist bei solchen Verträgen durchaus üblich", so Dubben. Bislang gab es laut Verorger auch kürzere Ausstiegsmöglichkeiten. Die FWG sieht noch einen weiteren Haken.

Bislang zahlen bundesweit viele Gas-Kunden ihre Rechnungen nur unter Vorbehalt. Sie warten auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes im Juni darüber, ob Gasversorger ihre Kalkulationen offenlegen müssen, und auf Entscheidungen von Gerichten, dass Gastarife unbillig seien. Diese Vorbehalt-Möglichkeit fällt aber weg, wenn beide Seiten einen neuen Vertrag akzeptieren.

Auch Dubben wartet auf das Urteil des Bundesgerichtshofes. "Die heutige Situation ist unbefriedigend. Wir erhoffen uns ein Urteil des Bundesgerichtshofes, dass eine Preiserhöhung wirksam ist, wenn der Versorger die gestiegenen Bezugskosten nachweisen kann."

(NGZ)