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TSV Bayer Dormagen gehört zur Spitzengruppe: Nur in der Kabine tappte Dormagen im Dunkeln

TSV Bayer Dormagen gehört zur Spitzengruppe : Nur in der Kabine tappte Dormagen im Dunkeln

Der TSV Bayer Dormagen tappte im Dunkeln: Was im Europapokal, vor allem bei Gastgebern aus dem ehemaligen Ostblock, ein psychologisches Spielchen war, um den Gegner zu verunsichern, entpuppte sich am Dienstagabend in der Balinger Längenfeldhalle als schlichter Schaltfehler im Verteilungskasten: Bis kurz vor dem Anpfiff der Zweitliga-Partie bei der HBW Balingen-Weilstetten lag die Gästekabine im Dunkeln, ehe der Hausmeister den richtigen Dreh mit einer neuen Sicherung fand.

Von einem Blackout konnte hingegen auf dem Spielfeld nicht die Rede sein, zumindest nicht aus Sicht der Gäste. Denn die Dormagener brachten der HBW Balingen-Weilstetten mit dem 19:18 (Halbzeit 9:9) die erste Heimniederlage seit dem 4. Oktober bei, als die Schwaben den damaligen Spitzenreiter TSG Ludwigsburg-Oßweil mit 34:29 gestürzt und damit ihren ersten Zweitliga-Sieg gefeiert hatten. Dem weitere über Konstanz (24:18) und Obernburg (31:19) sowie ein 20:20-Unentschieden gegen die MSG Melsungen/Böddiger folgten, das zu diesem Zeitpunkt gleichfalls Tabellenführer war...

Entsprechend ausgelassen fiel das Tänzchen aus, das die Dormagener nach dem Schlusspfiff von Christopher Biaesch und Frank Sattler aufs Parkett der ausverkauften Längenfeldhalle legten, während die beiden Unparteiischen unter Geleitschutz zweier Ordner und einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert in die Kabine geführt worden. Sie hatten sich den Unmut der Balinger Fans zugezogen, weil sie sich nicht von der aufgeladenen Atmosphäre in der engen Halle, in der das Publikum rund ums Spielfeld direkt an der Außenlinie sitzt, beeindrucken ließen. So schickten sie nach 55 Minuten HBW-Kreisläufer Felix Kischko völlig zu Recht mit einer Roten Karte für seine dritte Zeitstrafe auf die Tribüne. Denn der hatte zuvor mehrfach angedeutet, dass seine Fast-Namens-Verwandtschaft mit dem Boxerlager durchaus kein Zufall war...

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Wie überhaupt die Schützlinge von HBW-Trainer Eckhard Nothdurft ausgesprochen hart zur Sache gingen. Dass am Ende beide Mannschaften je zwölf Strafminuten auf dem Konto hatten, resultierte daraus, dass das unparteiische Pendel in der hektischen Schlussphase dann doch ein wenig zugunsten der Gastgeber ausschlug: Gleich drei Siebenmeter verhängten Biaesch/Sattler in den letzten sechs Minuten gegen den TSV, von denen Andreas Epple den ersten neben das Tor setzte (54.), Aleksandar Stevic die anderen beiden nutzte, um auf 17:19 (58:31 Minuten gespielt) und 18:19 (59:29 Minuten gespielt) zu verkürzen.

Und gleich zwei Dormagener - Oliver Schulz nach 58:21 und Michiel Lochtenbergh nach 59:18 Minuten - schickten sie in den letzten anderthalb Minuten vom Platz. Dass sie dann dem TSV gestatteten, die letzten 23 Sekunden - Trainer Kai Wandschneider hatte noch einmal eine Auszeit genommen - bei 4:6-Unterzahl auszuspielen, ohne wie so oft in den voraufgegangenen 59 Minuten den Arm zum "Zeitspiel" zu heben, das brachte dann die HBW-Anhänger vollends auf die Palme.

Dabei war es ein durchaus verdienter Sieg, den die Dormagener im zweiten Spiel innerhalb von 96 Stunden herausspielten: "Wir waren in der zweiten Halbzeit überlegen", durfte Wandschneider zu Recht bilanzieren, nachdem sein team vom 9:10-Rückstand nach 34 Minuten auf 15:10 (45.) und 16:11 (46.) davongezogen war. Beide Tore erzielte Nils Meyer, und das war kein Zufall: Der Regisseur war der einzige, der im Rückraum sein Herz in beide Hände nahm, nachdem seine Nebenleute allzu oft am Ex-Solinger Ivan Zoubkoff zwischen den HBW-Pfosten gescheitert waren.

Außer Meyer (4 Tore) war es allein noch der ebenso oft erfolgreiche Martin Baekhoej, der sich wohl aus gemeinsamen Solinger Tagen erinnerte, wie man Zoubkoff überwindet. Rainer Hantusch hingegen hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt. Ganz schwach war diesmal aber die rechte Angriffsseite, wo alleine Michael Kopeinigg halbwegs Akzente setzte. Matthias Aschenbroich unterliefen viel zu viele Fehler, Tobias Plaz scheiterte allzu oft an Zoubkoff. Ausnahme: seine drei Siebenmeter aus ebenso vielen Versuchen. Erstmals verwandelte er dabei den dritten, mit dem er bislang stets gescheitert war: "Er wollte mir schon den Ball geben, aber ich habe gesagt: Du musst werfen", schilderte Kopeinigg die Szene vor dem wichtigen Strafwurf-Treffer zum 10:10 (34.).

Gewonnen wurde die Partie einmal mehr durch die Abwehr im Verbund mit den Torleuten. "Kaum zu glauben, dass es heute überhaupt noch Spiele gibt, die 19:18 ausgehen", wunderte sich Matthias Reckzeh. Er hatte nach 48 Minuten den bis dahin starken Joachim Kurth (elf Paraden) abgelöst und wehrte seinerseits noch drei Würfe ab. Den Namenszusatz "Matchwinner", darin waren sich alle einig, verdiente sich jedoch Peter Sieberger mit einer Klasseleistung in der Abwehr, nicht nur, weil er von der Auswechselbank kommend per "Bauerntrick" einen langen Pass abfing und selbst zum entscheidenden 19:16 (56.) vollendete.

"Matchwinner" war aber auch Abteilungsleiter Stefan Lenz, der die Zwei-Tages-Tour mit Übernachtung möglich gemacht hatte. 480 Autobahnkilometer waren schließlich kein Zuckerschlecken. Am Samstag, wenn die Süddeutschland-Tournee mit dem Gastspiel in Kornwestheim endet, sind es gut einhundert weniger. Ähnlich wie in Düsseldorf legte der TSV Bayer Dormagen auch in Balingen den Grundstein zum Sieg in der Abwehr. Und dort bot Peter Sieberger eine überragende Leistung.

(NGZ)