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Fechten: Nur Hartung hat die Hand an einer Medaille

Fechten : Nur Hartung hat die Hand an einer Medaille

Erstmals seit sechs Jahren bleiben die deutschen Säbelfechter bei einer Weltmeisterschaft ohne Edelmetall. Max Hartung wird Sechster.

Vilmos Szabo ist ein Freund deutlicher Worte. "Das ist Scheiße", entfuhr es dem Bundestrainer der deutschen Säbelfechter gestern Abend mit Blick auf das Gesamttableau der Fecht-Weltmeisterschaften in Budapest, das seine Schützlinge Max Hartung, Nicolas Limbach, Matyas Szabo und Benedikt Wagner (alle TSV Bayer Dormagen) nur auf den Plätzen sechs, zehn, 29 und 33 auswies.

Die erfolgsverwöhnten deutschen Säbelfechter blieben damit erstmals seit 2007, als Nicolas Limbach in St. Petersburg Bronze gewann, im Einzelwettbewerb ohne Medaille. Am nächsten hatte noch Max Hartung die Hand am Edelmetall, doch der 23 Jahre Olympiasiebte von London scheiterte im Viertelfinale hauchdünn mit 14:15 am Russen Veniamin Reshetnikov, der eine Runde zuvor Nicolas Limbach mit 15:9 aus dem Rennen geworfen hatte. Dabei hatte Hartung schon mit 10:8 und 13:10 geführt. Reshetnikov glich beim 13:13 aus und schaffte mit 14:14 erneut einen Gleichstand. Dann ging der Russe erstmals seit dem 6:6 wieder in Führung – und die reichte zum Einzug ins Halbfinale. "Max hat ein klasse Turnier gefochten und war sehr nah dran an einer Medaille", lobte Szabo den 23-Jährigen, der ähnlich wie Nicolas Limbach nach dem olympischen Turnier seinem Studium Vorrang vor dem Fechten eingeräumt hatte.

Hartung hatte sich zuvor gegen den Julien Pillet (Frankreich, 15:9), Kamil Ibragimov (Russland, 15:10) und gegen Sandro Bazadze durchgesetzt. Gegen den Georgier, der zuvor überraschend mit 15:14 über den an Position eins gesetzten Olympiazweiten Diego Occhiuzzi (Italien) triumphiert hatte, drehte Hartung einen 1:6 und 5:9-Rückstand in einen 15:11-Sieg um.

Nicolas Limbach war mit Platz zehn nach Siegen über Saba Sulamanidze (Georgien, 15:4) und Dmytro Pundyk (Ukraine, 15:10) und der Niederlage gegen Reshetnikov keineswegs enttäuscht. "Das war eine klare Angelegenheit, er hat mir meine Grenzen aufgezeigt in dieser Saison", meinte der 27-Jährige, der nach Platz fünf in London eine gut halbjährige Fechtpause eingelegt und im Frühjahr auch nur wenige Turniere bestritten hatte.

"Bedient" war hingegen Benedikt Wagner. Der 23-Jährige, der sich mit starken Auftritten bei den Weltcupturnieren dieses jahres bis auf Platz fünf der Weltrangliste vorgearbeitet hatte, verlor gleich sein erstes Gefecht überhaupt bei dieser WM mit 13:15 gegen den Weißrussen Aliaksei Likhascheutski. Während Wagner danach frustriert seinen Säbel auf die Planche schmiss, ging Vilmos Szabo hart mit ihm ins Gericht: "Das war kopflos wie bei einer Ente", meinte der Bundestrainer.

Dessen Sohn Matyas, mit 21 Jahren der jüngste im deutschen Aufgebot, bezwang in der Runde der besten 64 zwar den US-Amerikaner Eli Dershwitz mit 15:12, musste sich aber nach anfänglicher Führung Luigi Samele mit 12:15 geschlagen geben, wobei dem Italiener beim 12:12 der erste Gleichstand gelang. Am Samstag bleibt jetzt der Teamwettbewerb als einzige Medaillenchance für das Quartett.

(NGZ)