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Kanu: "Nüsser Jonge" mit Erftwasser getauft

Kanu : "Nüsser Jonge" mit Erftwasser getauft

Den Weg zur NGZ-Sportredaktion finden Robert Gleinert (23) und Fabian Kux (22) mittlerweile fast im Schlaf. Erst vor drei Wochen waren die Holzheimer Kanuten zu Gast an der Moselstraße, um live von ihrem Sieg im Vierer-Kajak bei den U23-Europameisterschaften im portugiesischen Montemor-o-Velho zu berichten. Ehrensache, dass sich die beiden frisch gekürten "NGZ-Sportler des Monats" auch gestern Mittag auf den Weg ins Pressehaus machten. "Ist doch klar", sagt Robert Gleinert.

Und weil Kanuten im Allgemeinen und Holzheimer im Speziellen nun mal sehr gesellige Menschen sind, hatte Fabian Kux gleich seine Freundin Anna Kowald mitgebracht — die Junioren-Europameisterin startet ebenfalls für die KG Essen. Das eindeutige Votum der NGZ-Leser tut vor allem Gleinert gut, hat er doch noch immer an seiner Ausbootung aus dem Vierer-Kajak für die Olympischen Spiele zu knabbern. Dass das Flaggschiff des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) in London über 1000 Meter ohne ihn als Vierter erstmals seit 1984 eine Medaille verpasste, hat er ohne Schadenfreude am Bildschirm verfolgt. "Man darf den Jungs nicht böse sein. Ich weiß genau, wie die sich jetzt fühlen. Für mich war es echt hart, da zuzugucken. Ich hatte Gänsehaut, fast so, als hätte ich selber im Boot gesessen." Die Frage, ob es mit ihm, immerhin Mitglied des Weltmeister-Vierers von Szeged (2011), besser gelaufen wäre, lässt er unbeantwortet. "Ich wäre halt selber so gerne dabei gewesen", sagt er stattdessen leise.

Abgehakt! Jetzt muss es eben in vier Jahren in Rio de Janeiro mit Olympia klappen. Auch für Kux, der seinen Sport als Berufung empfindet. Sein im zweiten Jahr für den RKV Berlin fahrender EM-Kollege drückt es noch eine Spur emotionaler aus: "Kanu ist unser Leben, schließlich wurden wir mit Erftwasser getauft." Darum freut es ihn ganz besonders, dass er das für seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann vorgeschriebene dreimonatige Berufspraktikum bei Mercedes Hartmann in Grevenbroich absolvieren darf. "Die sind da super sportbegeistert. Und finde es absolut klasse, dass ich so noch bis zum 15. Oktober in Neuss bleiben kann." Dass in diese Zeit der arbeitsintensive Umzug seiner Eltern vom Domizil direkt am Rosengarten nach Allerheiligen fällt, stresst ihn nicht, zumal Hilfe bereitsteht. "Er braucht nur bescheid zu sagen", verspricht Kux, ab 1. September Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Köln: "So machen wir das bei der Holzheimer SG".

Ab Mittwoch, wenn zum Abschluss der Saison auf dem Beetzsee in Brandenburg die Deutschen Meisterschaften auf dem Plan stehen, sind die beiden allerdings erst mal wieder Konkurrenten. Im Einer treffen sie über 500 Meter aufeinander, im Vierer über 1000 und 200 Meter. Einen Favoriten gibt es nicht. "Aber der Weg zum Titel führt nur über uns", stellt Kux klar.

Michael Riedl aus Neuss hat den Trainingsgutschein im Wert von 50 Euro der medicoreha Neuss gewonnen.

(NGZ/ac)