Norfer Boxer Armin Ajrulai feiert K.o.-Sieg in der ersten Runde.

Boxen : Der Skorpion sticht wieder gnadenlos zu

In seinem erst dritten Kampf als Profiboxer schlägt Armin Ajrulai seinen Kontrahenten schon in der ersten Runde k.o.

Nein, so war das ganz und gar nicht geplant. Eigentlich hatte Trainer Andreas Büdeker seinen jungen Schützling Armin „The Scorpion“ Ajrulai mit diesem Auftrag in den Ring geschickt: „Box’ vier Runden sauber, zeig’ dem Publikum was – und dann schlag’ ihn von mir aus k.o.“ Doch als der erfahrene Coach, in diversen TV-Produktionen als erbarmungsloser Drill Instructor im Einsatz, vor dem Kampf im Rahmen der „4. Essener Boxing Fight Night“ in die Augen des 19-Jährigen blickte, änderte er seinen Plan: „Ich hatte zwar gesagt, vier Runden boxen, Zack! Aber der Junge war so heiß in der Umkleide, der war so heiß. Da habe ich ihm gesagt, weiße was, Alter, hau’ ihn in der ersten Runde weg!“

Genau das machte der Norfer dann auch. Nach 1:45 Minute schickte er Sandro Bordewick (Gelsenkirchen) ins Land der Träume. Sein erster K.o.-Sieg im dritten Einsatz als Profi. „Den wollte ich unbedingt“, sagt er hinterher berauscht. Das Reden überließ er seinem Trainer. Und der war vollkommen aus dem Häuschen. Und weil er als Kind des Ruhrgebiets sein Herz auf der Zunge trägt, brachte er seine Analyse mit Schmackes im Stakkato-Stil unters Volk: „Er hat sauber geboxt, vernünftig, souverän. Schnelle Hände, die sind so hart eingeschlagen, sein Gegner kam gar nicht zum Luftholen. Dabei war der noch nie unten, noch nie k.o.“ Selbst ausgewiesene Experten habe dieser energiegeladene Auftritt beeindruckt. „Der Ringsprecher fragte mich: `Was hast Du denn aus dem gemacht? Das ist ja ein Tier!´ Und der Ringrichter meinte: `Der hat ihn ja regelrecht zerstört. So was habe ich selten gesehen.´ Der Kerl hat alle begeistert. Das war der beste Kampf des Abends.“

Und doch erst der Anfang einer ganz großen Karriere, da ist sich Andreas Büdeker absolut sicher. „Es gibt so viel, woran wir noch gar nicht gearbeitet haben. Eines kann ich jetzt schon versprechen: Im nächsten Kampf schlägt er noch härter.“ Damit das „Ausnahmetalent“  aus Norf auch die Menschen im Rhein-Kreis hautnah erleben können, soll der vierte Akt direkt vor der Haustür stattfinden – im Recover-Fight-Club an der Forumstraße im Taubental. Sein Wohnzimmer sozusagen. Denn bei aller nach außen getragenen Euphorie, die Karriere des Skorpions folgt einem strengen Drehbuch. Ende des Jahres soll Armin Ajrulai um die Deutsche Meisterschaft im Mittelgewicht boxen. Bis dahin will Büdeker eine Bilanz von 5:0-Siegen vorweisen – und mindestens zwei Knock-outs. Den eigenen Rekord mit handverlesenen Kontrahenten aufzuhübschen, kommt dabei für den 19-Jährigen freilich nicht infrage. „Ich will immer gegen die Besten kämpfen.“ Auch im Sparring. Im Duell mit physisch stärkeren Partnern schlägt es bei ihm mitunter hart ein. „Letztens erst ist er in der fünften Runde k.o. gegangen“, erinnert sich Büdeker noch gut, „aber bei 10 stand er wieder. Der Bengel kann einstecken.“

Talent, das nicht mehr länger im Verborgenen wächst und gedeiht. Selbst eine Trainerlegende wie Ulli Wegner habe sich inzwischen bei ihm gemeldet, sagt der Essener. So etwas wie der Ritterschlag, schließlich holten dessen Boxer über die Jahre 150 Medaillen bei Olympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften. Er machte im Boxstall Sauerland Profis wie Sven Ottke, Markus Beyer, Arthur Abraham, Torsten May und Marco Huck zu internationalen Stars. Dass Ajrulai trotzdem Bodenhaftung behält, dafür sorgt sein so impulsiver Coach mit Zuckerbrot und Peitsche: „Der Junge ist gut drauf, einen Besseren kannst du dir gar nicht wünschen. Aber wenn ich irgendwas sehe, was mir nicht gefällt, fahre ich dazwischen. Das kann se glauben.“