Lokalsport: Nievenheim plant Landesliga-Rückzug

Lokalsport : Nievenheim plant Landesliga-Rückzug

Nach dem bereits feststehenden Abgang fast der gesamten Mannschaft am Saisonende sieht sich der ehemalige Fußball-Oberligist dazu gezwungen, in der Bezirksliga einen Neunanfang zu starten. Auch Trainer Michele Lepore soll gehen.

Als Tabellen-13. sind die Landesliga-Fußballer des VdS Nievenheim vier Spieltage vor Saisonschluss nur zwei Zähler von einem direkten Abstiegsplatz entfernt. Doch ganz gleich, ob es Trainer Michele Lepore gelingt, seine Jungs am Ende über dem Strich zu halten, die Zukunft des ehemaligen Oberligisten liegt in der Bezirksliga. Gregor Schwermer, in Personalunion Vorsitzender und Geschäftsführer der Fußball-Abteilung, kündigt an: "Wir werden eine neue Richtung einschlagen - und die heißt nicht Landesliga."

Der Grund für den sicheren Rückzug ist einfach: "Wir werden in der kommenden Saison keine landesligataugliche Mannschaft mehr zusammenbekommen", sagt Schwermer. Zwölf Spieler haben bereits angekündigt, den Verein am Saisonende zu verlassen. Weitere werden folgen. Der Exodus, erklärt Schwermer, in ähnlichen Funktionen über viele Jahre für den TSV Bayer Dormagen tätig, habe mit den Abgängen von Jannik Schulte, Alexander Hauptmann, Nils Dübbert und Nils Mäker zum Lokalrivalen SC Kapellen begonnen. "Daraufhin haben uns die Spieler gefragt, wer kommt und wer geht. Aber darauf hatten wir keine Antwort." Zuständig gewesen wäre dafür eigentlich der erst im Januar mit der sportlichen Leitung betraute Thomas Stube, doch der weilte auf Hochzeitsreise in der Karibik. "Kann sein, dass wir nicht den richtigen Ansprechpartner hatten und dass es Abnutzungserscheinungen zwischen Mannschaft und Vorstand gab", räumt Schwermer ein. Genau das sei das Problem gewesen, bestätigt Kevin Scholz, mit 20 Toren bester Schütze der Truppe: "Ich wäre ja geblieben, aber als dann nach und nach immer mehr Spieler gingen, war ich froh, dass mir recht schnell ein Angebot aus Odenkirchen vorlag. Ich komme jetzt mit 27, 28 Jahren in die besten Jahre als Fußballer - und ich habe nicht vor, die in der Bezirksliga zu verbringen."

Schwermer sowie seine beiden fürs operative Geschäft verbliebenen Mitstreiter Mathias Rakow (1. Kassierer) und Siegfried Ritterbach (2. Vorsitzender) versuchten zu retten, was (ganz offensichtlich) nicht mehr zu retten war. "Wir haben den Spielern, entsprechend unseren Möglichkeiten, Aufwandsentschädigungen angeboten, die weitestgehend nicht angenommen wurden." Sein größter Fehler sei freilich die Entlassung von Trainer Thomas Bahr im Oktober gewesen, zu der ihn inzwischen nicht mehr für den VdS tätige Vorstandsmitglieder gedrängt hätten. "Das bereue ich bis heute, mit ihm als Trainer hätten wir diese Situation nicht. Davon bin ich fest überzeugt." Für den Mitte März als Nachfolger des für Bahr gekommenen Sascha Querbach verpflichteten Trainer Michele Lepore ist die Lage völlig neu. "So etwas habe ich noch nicht erlebt." Noch bevor er sich gestern Abend ein Bild machen konnte, stand indes fest, dass der Verein mit ihm nicht weitermachen wird. "In der Bezirksliga wird er nicht mehr unser Trainer sein", stellte Schwermer bereits vor dem klärenden Gespräch am Abend klar, wollte aber unbedingt festgehalten wissen, dass das nichts mit seiner Arbeit als Trainer zu tun habe. "Er ist ein sehr fähiger Mann." Weil jedoch die Zukunft vor allem mit Fußballern aus zweiter (Kreisliga A/ab 1. Juli eigentlich mit Peter Hanschmann auf der Trainerbank) und dritter Mannschaft (Kreisliga B) sowie dem reichlich vorhandenen eigenen Nachwuchs angegangen werden soll, sei Lepore einfach überqualifiziert.

Alle entstandenen Brände habe er zwar noch nicht löschen können, sagt Schwermer, "dafür bräuchte ich 20 Feuerlöscher", aber seit einer Krisensitzung am Mittwoch sehe er immerhin wieder Land. "Bis dahin lag der VdS im Koma, jetzt liegt er auf der Intensivstation." Die Saison will er mit der Mannschaft unbedingt auf einem Nichtabstiegsplatz beenden. Das deckt sich mit den Zielen von Kevin Scholz, der morgen im Match beim FC Remscheid trotz Muskelfaserriss auf der Bank sitzt: "Keiner will einen Abstieg in seinem Lebenslauf stehen haben. Mir tut das weh, schließlich wird der Verein 2020 100 Jahre alt."

(NGZ)
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