1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Niederlage gegen Fürstenfeldbruck: Bayer Dormagen ist sich selbst der größte Gegner

2. Handball-Bundesliga : Bayer ist sich selbst der größte Gegner

Beim TuS Fürstenfeldbruck verloren die Dormagener Zweitliga-Handballer mal wieder ein Spiel gegen einen vom Papier her schwächeren Gegner. Für ihren Geschäftsführer Björn Barthel liegt es an der fehlenden mentalen Konstanz. 

Am späten Samstagabend in einem Reisebus die fast 600 Kilometer lange Fahrt von Fürstenfeldbruck tief im Süden der Republik nach Dormagen anzutreten, ist an sich schon nicht vergnügungssteuerpflichtig. Doch wenn sich wie im Fall der Zweitliga-Handballer des TSV Bayer nach einer enttäuschenden Vorstellung auch noch eine unerwartete 28:30-Niederlage im Gepäck befindet, dann drückt das noch zusätzlich aufs Gemüt. „Es war noch stiller als bei einer Beerdigung“, beschrieb TSV-Coach Dusko Bilanovic mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor die Stimmung auf der Rückreise.

Wieder einmal waren die Dormagener nicht mit ihrer Favoritenrolle zurechtgekommen. Vor der Partie stand der Aufsteiger aus Bayern mit nur einem Sieg auf dem letzten Tabellenplatz, während sich die Dormagener mit fünf ungeschlagenen Spielen in Folge auf einem guten Weg dorthin befanden, wo sich am Ende der Saison selbst gerne sehen würden: auf einem einstelligen Tabellenplatz. Doch wie schon in der vergangenen Spielzeit und im ersten Saisonspiel daheim gegen den Aufsteiger Dessau-Roßlauer HV (21:24) gelang es dem TSV nicht, sein wahres Leistungsvermögen abzurufen.

„Es ist einfach schade, wenn man selber schuld ist an einer Niederlage. Wir wussten, wie Fürstenfeldbruck spielt, das war nichts Neues. Aber wir haben unseren Job nicht erledigt“, meinte Bilanovic. Damit meinte er zum Beispiel die aggressive, offensive 3:2:1-Abwehr des TuS, der die Dormagener anfangs erfolgreich mit einem siebten Feldspieler, einem zweiten Kreisläufer, begegneten. Resultat waren zwischenzeitliche 5:2- und 8:5-Führungen. Doch dann ging ab der elften Minute plötzlich nichts mehr. Technische Fehler, überhastete Abschlüsse, Würfe am leeren gegnerischen Tor vorbei und eine zu inkonsequente Defensivarbeit ließen die Gastgeber förmlich aufblühen.

„Das waren einfach zu viele falsche Entscheidungen, wir haben den Gegner aufgebaut“, sagte Bilanovic, der mitansehen musste, wie sein Team mit 8:13 in Rückstand geriet und in der Folge nicht mehr ausgleichen konnte. Dennoch gab es trotz der schwachen Vorstellung auch im zweiten Durchgang noch Chancen, die Partie zu drehen, doch in den Schlüsselszenen versagten den Bayer-Spielern schlichtweg die Nerven. Für ihren Coach steht fest: „Wir haben ein Problem, wenn wir selber Favorit sind.“

Das ist natürlich auch Bayers Handball-Geschäftsführer Björn Barthel nicht entgangen, der deswegen der Mannschaft aber nicht mangelnde Einstellung vorwerfen will. Vielmehr hat er nicht nur gegen Fürstenfeldbruck mangelnde Konstanz festgestellt, sondern auch in den zuvor ungeschlagenen Partien, sind ihm schon Leistungsschwankungen aufgefallen. „Gegen stärkere Gegner sind das aber nur Phasen, letztlich schaffen wir es dann aber doch noch, uns am Gegner zu orientieren. In anderen Spielen geht es aber komplett daneben“, sagte Barthel. 

Als Beispiel führt er Linksaußen Joshua Reuland an, der beim Unentschieden daheim gegen Großwallstadt nach dem Schlusspfiff die Nerven hatte, den Siebenmeter zum 23:23 zu verwandeln. Gegen Fürstenfeldbruck vergab er in der hektischen Schlussphase dagegen zwei ganz wichtige Siebenmeter. „Während sich der Gegner in die Partie reingekämpft hat, haben wir den Kampf mit uns selbst verloren“, meinte Barthel, für den das eine Frage der mentalen Stärke ist. Der Kader sei zwar insgesamt noch sehr jung, doch das gelte nicht mehr für die Akteure mit den meisten Spielanteilen. Barthel: „Die Mannschaft steht vor der nächsten Entwicklungsstufe. Sie braucht mental eine höhere Konstanz.“ Im nächsten Heimspiel am Freitag gegen den ASV Hamm sieht er die Mannschaft deshalb in der Pflicht, unabhängig vom Gegner, ihr normales Leistungsniveau abzuliefern.

Trainer Dusko Bilanovic hat den Montag noch mal dazu genutzt, die jüngste Niederlage aufzubereiten, dabei belässt er es dann aber auch bewenden. Ab Dienstag liegt der Fokus voll auf Hamm. „Wir müssen die Köpfe freibekommen“, betonte Bilanovic. Immerhin, gegen Hamm sind seine Jungs nicht in der Favoritenrolle.