"Bundesliga-Altstars" bringen fast tausend Länderspiele mit: Nicht nur den "Hexer" freut die "tolle Idee"

"Bundesliga-Altstars" bringen fast tausend Länderspiele mit: Nicht nur den "Hexer" freut die "tolle Idee"

Von Volker Koch

Von Volker Koch

Die "Altstars" geben sich die Ehre: Dienstag ab 19.30 Uhr steht das TSV-Bayer-Sportcenter am Dormagener Höhenberg ganz im Zeichen der Handball-Nostalgie. Zum Gedenken an ihren vor wenigen Wochen verstorbenen Teamgefährten Dieter Bartke läuft ein Ensemble ehemaliger Bundesliga-Spieler zum Benefizspiel gegen Zweitliga-Spitzenreiter Bayer Dormagen auf, das in dieser Formation vor 15 Jahren heißer Anwärter auf den Deutschen Meistertitel gewesen wäre. Zum NGZ-Lesen hat er Dienstag Abend nicht viel Zeit: Bundestrainer Heiner Brand läuft selbst bei den Altstars auf. NGZ-Foto: Hans Jazyk

"Eine tolle Idee", findet "Hexer" Andreas Thiel, "hoffentlich kommen reichlich Zuschauer." Zumal sämtliche Einnahmen aus Eintrittskarten und Trikotversteigerung an die Leukämie Liga Düsseldorf gehen. "Ihre Mitglieder haben sich bis zuletzt vorbildlich um Olli gekümmert", sagt Martin Plümpe. Der Linksaußen der Dormagener Erstliga-Aufstiegsmannschaft von 1987 und guter Freund von Dieter "Olli" Bartke hatte die Idee zu diesem Benefizspiel. "Eine tolle Idee", findet Andreas Thiel. Der 256-fache Nationaltorhüter teilte sich von 1993 bis '95 den Platz zwischen den Dormagener Torpfosten mit Dieter Bartke, der von 1987 bis "91 schon einmal das Trikot mit dem Bayer-Kreuz auf der Brust trug und insgesamt 148 Bundesliga-Spiele für den TSV bestritt.

Der "Hexer" freut sich auf die Partie, mit der er zum ersten Mal seit seinem Karriereende vor knapp zweieinhalb Jahren wieder nach Dormagen kommt. Vor allem freut sich der 42-Jährige auf das "Wiedersehen mit jeder Menge ehemaliger Weggefährten": Mit Heiner Brand, Gerd Rosendahl und Thomas Krokowski spielte er beim VfL Gummersbach zusammen, mit Klaus Dyllong und Karsten Kohlhaas beim TSV Bayer. Seine Hoffnung: "Dass 'ne Menge Leute kommen, das wäre nämlich ein schönes Zeichen für die Wertschätzung, die der Olli immer noch genießt." Seine Sorge: "Weil Stefan Hecker Knieprobleme hat, muss ich wohl sechzig Minuten durchspielen. Mal sehen, ob ich das durchhalte."

Denn die eigene Fitness bezeichnet Thiel, der seit dem Karriereende als Torwarttrainer bei den Bundesliga-Handballerinnen von Bayer Leverkusen arbeitet, als "eigentlich nicht mehr so gut." Doch gerade zwischen den Pfosten macht sich Routine bezahlt, das hat Thiel auch beim Abschiedsspiel für Kiels "alten Schweden" Magnus Wislander bewiesen: "Da hab' ich doch tatsächlich ein paar Bälle gehalten." Na also... Insgesamt, den angeschlagenen Stefan Hecker eingerechnet, bringen die "Alt-Stars" die stolze Summe von 981 Länderspielen mit ins TSV Bayer-Sportcenter.

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Die meisten hat Andreas Thiel (256), die weitere Rangfolge: Jochen Fraatz (187), Stefan Hecker (159), Heiner Brand (131), Karsten Kohlhaas (97), Richard Ratka (71), Vladimir Vukoje (50 für Jugoslawien), Thomas Krokowski (33), Gerd Rosendahl (28) und Reinhard van der Heusen (14). Ohne Länderspiel-, dafür aber mit reichlich Bundesliga-Erfahrung der Rest der Mannschaft: Kalle Töpfer, der für Dormagen, Düsseldorf und Essen 215 Erstliga-Spiele absolvierte, Klaus Dyllong, der 183 Mal für Bayer in der Ersten Liga auflief, Michael Schüppel (95 Spiele für Nettelstedt und Lemgo) sowie Martin Plümpe selbst, der nach dem Aufstieg noch elf Erstliga-Begegnungen bestritt.

Besonderer Clou der Partie: Heiner Brand, zur aktiven Zeit beim VfL Gummersbach weltbester Abwehrspieler, in seinen 182 Bundesligaspielen aber auch für 318 Tore, in seinen 131 Länderspielen für 231 Treffer gut, möchte eine Pause vom Coaching einlegen und stattdessen selbst auflaufen: "Da bin ich echt mal gespannt, was der noch drauf hat", meint Thiel über den vor zwei Monaten gerade fünfzig gewordenen Bundestrainer.

Auf der Bank wird er nicht minder prominent und kompetent vertreten: Mit Petre Ivanescu und Hotti Bredemeier kümmern sich zwei seiner Vorgänger um die Taktik des Altstar-Teams, das voraussichtlich in folgender Formation aufläuft: Tor: Andreas Thiel (42); Linksaußen: Jochen Fraatz (39), Martin Plümpe (45); Rückraum links: Vladimir Vukoje (50), Karsten Kohlhaas (32), Thomas Krokowski (45); Rückraum Mitte: Heiner Brand (50), Michael Schüppel (46); Rückraum rechts: Richard Ratka (38); Rechtsaußen: Gerd Rosendahl (46), Reinhard van der Heusen (50); Kreisläufer: Karl-Heinz "Kalle" Töpfer (46), Klaus Dyllong (41).

Dem stellt Kai Wandschneider das aktuelle Team des frischgebackenen Zweitliga-Spitzenreiters entgegen: "Natürlich freuen wir uns darauf, gegen solche Handball-Ikonen antreten zu dürfen", sagt der Dormagener Trainer und kündigt augenzwinkernd an: "Wir werden sicherlich nicht ganz so oft schnelle Mitte spielen wie am Samstag." Stattdessen hat er seine Schützlinge darauf eingestellt, "schönen Handball zu zeigen, mit tollen Kombinationen und Kempas und was die Leute sonst noch sehen wollen."

Dass der TSV dieses Spiel beherrscht, hat er ja schon öfter unter Beweis gestellt. Auch Wandschneider hofft auf einen guten Besuch: "Dieses Spiel müsste eigentlich für jeden im Umkreis von fünfzig Kilometern, der sich für Handball interessiert, Pflicht sein." Eintrittskarten für die Partie, die um 19.30 Uhr beginnt, zum Preis von sechs, sieben und acht Euro gibt es noch an der Abendkasse.

(NGZ)
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