Jüchen: Nicht alles was glänzt muss Gold sein

Jüchen: Nicht alles was glänzt muss Gold sein

Schloss Dyck Anlässlich des Internationalen Frauentags hatte die Jüchener Gleichstellungsbeauftragte Gisela Valva am Sonntag ins "Kleinod" und zugleich "teuerste Einfamilienhäuschen der Gemeinde" eingeladen, wie Bürgermeisterin Margarete Kranz bei der Begrüßung in der Orangerie von Schloss Dyck feststellte.

Schloss Dyck Anlässlich des Internationalen Frauentags hatte die Jüchener Gleichstellungsbeauftragte Gisela Valva am Sonntag ins "Kleinod" und zugleich "teuerste Einfamilienhäuschen der Gemeinde" eingeladen, wie Bürgermeisterin Margarete Kranz bei der Begrüßung in der Orangerie von Schloss Dyck feststellte.

Die Ortswahl erfolgte freilich nicht allein aus repräsentativen Zwecken: Mit Constanze von Salm-Reifferscheidt, die sich im frühen 19.Jahrhundert mit viel "Witz gegenüber männlicher Bevormundung" zur Wehr setzte, sowie den Schwestern Anna-Salomé und Marie-Sophia von Salm-Reifferscheidt finden sich unter den Dycker Schlossherrinnen Frauen, auf die sich auch heutige Feministinnen berufen können.

Passend zum Motto "Goldene Zeiten für Frauen!?" hatten die Künstlerinnen Elisabeth Busch-Holitschke und Inge Broska eine Goldtafel hergerichtet, die übrigens "schon einmal auf Reisen war", wie Inge Broska unter Hinweis auf eine frühere Ausstellung im Bonner Frauenmuseum sagte.

Goldene Blumen und goldenes Geschirr bannen den Blick auf die Tafel - wobei sich der entstehende Eindruck bei genauem Hinsehen freilich als eine optische Täuschung erweist: das Messer ist ebenso aus Stoff gefertigt wie die gleichfalls goldenen Blumen und anderes Dekor auf der Goldtafel.

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"Hinter die Fassade sehen und sich nicht vom äußeren Schein lenken zu lassen", ist für Elisabeth Busch-Holitschke die zentrale Aussage der "Goldenen Tafel". Selbst in Bedburdyck lebe sie "nicht auf einer Insel" und im luftleeren Raum - und so widmet sie sich in ihrer künstlerischen Arbeit vielfach "Dingen, die ich fragwürdig finde in unserer Gesellschaft".

Genau dies tat am Sonntag auch Inge Broska mit Blick auf einige Ausstellungskataloge bekannter Museen aus jüngerer Zeit, die eindrucksvoll belegen, wie sehr Frauen in Sachen bildender Kunst unterrepräsentiert sind. "Goldene Zeiten für Frauen" lassen indes nicht allein im künstlerischen Bereich noch auf sich warten, wie Gisela Valva zuvor in ihrer Rede deutlich gemacht hatte: "Die juristische Gleichstellung von Frauen und Männern ist erreicht, für eine faktische Gleichstellung gibt es aber noch viel zu tun", betonte die Gleichstellungsbeauftragte.

Heute gebe es die am besten ausgebildete Frauengeneration aller Zeiten, "aber weder in Gremienmacht noch im Geldbeutel zahlt sich der weibliche Bildungsvorsprung aus", stellte Gisela Valva fest. Während 80 Prozent der jungen Frauen Beruf und Familie kombinieren wollten, könnten sich nur 40 Prozent der jungen Männer "eine Partnerschaft vorstellen, in der Pflichten und Aufgaben gleich verteilt sind", zitierte sie eine Erkenntnis der jüngsten Shell-Studie. Bis heute sei Frauenpolitik in keiner Partei wirklich verankert, wobei sie "immer noch und immer wieder ein skandalöses Politikfeld" sei.

So sehr Gisela Valva für Pragmatismus plädierte, beklagte sie dennoch ein "gewisses Theoriedefizit", das sich allein schon darin ausdrücke, dass in Deutschland Feminismus seit Jahrzehnten ausschließlich mit Alice Schwarzer assoziiert werde. Den musikalischen Part bestritt am Sonntag die Düsseldorfer Konzert- und Opernsängerin Susanne Hille.

(NGZ)
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