Praktikum in Kirchengemeinde: Nicht abgeschoben - gut aufgehoben

Praktikum in Kirchengemeinde : Nicht abgeschoben - gut aufgehoben

Von Petra Koch Nicht nur Gottes Wort hören, sondern es auch tun - unter diesem Motto steht das Praktikum der Kleinenbroicher Katechumenen. Jeden Tag besuchen einige von ihnen die Senioren im Haus Tabita. Wenn Julia und Anne das überdimensionale Mensch-ärgere-dich-nicht aufbauen, strahlt Regina Peiffer. Sie freut sich über die regelmäßigen Besuche von Anne Schumacher (r.) und Julia Meister (2. v. r.): Hausbewohnerin Regina Peiffer. Wenn die Mädels ins Haus Tabita kommen, schaut auch gern mal Ursula Kammann vom Sozialen Dienst (2. v. l.) vorbei. NGZ-Foto: L. Berns

Von Petra Koch Nicht nur Gottes Wort hören, sondern es auch tun - unter diesem Motto steht das Praktikum der Kleinenbroicher Katechumenen. Jeden Tag besuchen einige von ihnen die Senioren im Haus Tabita. Wenn Julia und Anne das überdimensionale Mensch-ärgere-dich-nicht aufbauen, strahlt Regina Peiffer. Sie freut sich über die regelmäßigen Besuche von Anne Schumacher (r.) und Julia Meister (2. v. r.): Hausbewohnerin Regina Peiffer. Wenn die Mädels ins Haus Tabita kommen, schaut auch gern mal Ursula Kammann vom Sozialen Dienst (2. v. l.) vorbei. NGZ-Foto: L. Berns

Die 57-Jährige freut sich sichtlich über das Erscheinen der beiden Jugendlichen, bekommt sie sonst so gut wie gar keinen Besuch im Haus Tabita. "Ich mag die Mädels, wir verbringen eine schöne Zeit zusammen", sagt sie begeistert. Die beiden 13-Jährigen bereiten sich auf ihre Konfirmation vor: In der Kleinenbroicher Kirchengemeinde gehört dazu nicht nur die regelmäßige Teilnahme am Konfirmandenunterricht, sondern auch ein Praktikum.

Zur Auswahl standen Kinder- und Jungschargruppen, die Bücherei, Kindergottesdienst sowie die Besuche im Altenheim Tabita. Für Julia Meister und Anne Schumacher stand von Anfang an fest, dass sie sich am liebsten um die Senioren kümmern würden.

"Ich habe selbst keine Oma mehr und kann mich kaum noch erinnern, wie es mit ihr war", sagt Anne, und ihre Freundin Julia fügt hinzu: "Ich wollte auch gern erfahren, wie ältere Menschen so leben - und wenn wir beide genug Zeit haben, schauen wir auch im nächsten Jahr wieder vorbei."

Eigentlich steht ihr Praktikum kurz vor dem Abschluss, denn bereits seit Ende der Sommerferien besuchen Anne und Julia - genauso wie zehn weitere Altersgenossen - ein Mal pro Woche das vor kurzem eröffnete Seniorenheim. Ab Januar sind neue Katechumenen für das Haus Tabita eingeteilt. Völlig unterschiedliche Erfahrungen machten die zwölf Jugendlichen bei ihrem Praktikum.

"Zum größten Teil war die Resonanz positiv", blickt Pastor Gernot Wehmeyer zurück. "Doch die Mädchen und Jungen erfuhren auch, dass ältere Leute in völlig unterschiedlicher geistiger und körperlicher Verfassung sein können." So besuchten die Zweier-Teams in der Regel dieselben Hausbewohner, spielten mit ihnen Rummykub und andere Gesellschaftsspiele, gingen spazieren, lasen vor oder erzählten.

Doch nicht immer fühlten sich die Senioren dazu in der Lage, Besuch zu empfangen. "In solchen Fällen haben wir umdisponiert, und die Jugendlichen wurden zu jemand anderem geschickt", erklärt Ursula Kammann vom Sozialen Dienst des Altenheims.

Auch wenn Besuche von der Kirche in Altenheimen üblich sind, hat sie solch eine intensive Zusammenarbeit mit der örtlichen Gemeinde erstmals in Kleinenbroich kennen gelernt.

"Wir haben dann in erster Linie Personen ausgewählt, die nicht so oft Gäste bekommen und die eine besondere Betreuung benötigen", sagt Ursula Kammann im Rückblick. Bei vielen hat sich eine enge Beziehung aufgebaut. Der Kleinenbroicher Pastor Wehmeyer befürwortet die Einbeziehung auch von örtlichen Vereinen: "Die Senioren sollen nicht abgeschoben, sondern gut aufgehoben werden", betont er.

Mit dem Praktikum, wie er es bereits seit vielen Jahren anbietet, will er die Jugendlichen besser in die Gemeinde einbinden. "Rund 50 Prozent arbeiten auch nach der Konfirmation weiter mit", berichtet er stolz. Für einige Katechumenen haben diese Erfahrungen sogar Auswirkungen auf die Berufswahl - so wie vielleicht für Anne. Die Realschülerin verrät: "Ich könnte mir gut vorstellen, später im sozialen Bereich zu arbeiten."

(NGZ)
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