Handball : NHV schließt Lücken im Kader

Rene Witte überlässt wenig dem Zufall. Die Saisonvorbereitung seines Neusser HV schon gar nicht. Während andere Handballer erst einmal die Beine hochlegen, hat "Quälix", wie der Coach liebevoll von seinen Schützlingen genannt wird, den Oberligisten schon fünf Wochen lang getrimmt, mit vier Einheiten pro Woche den Amateuren reinsten Wassers ein durchaus profimäßiges Programm verpasst.

Schließlich, sagt Witte, wollen und sollen die Neusser die starke zurückliegende Saison, die sie als Vierter mit dem neuen "Vereinsrekord" von 39:17 Punkten abschlossen, ab dem 15. September, wenn sie bei Aufstiegsfavorit Borussia Mönchengladbach in die neue Spielzeit starten, mindestens bestätigen.

Schweißtreibende Vorbereitung: NHV-Trainer Rene Witte. Foto: -woi

Und weil Witte findet: "Hätten wir nicht so viel Verletzungspech und daraus resultierende Personalengpässe gehabt, wäre noch ein bisschen mehr drin gewesen", hat auch der Trainer nicht auf der faulen Haut gelegen sondern sich auf dem Transfermarkt umgeschaut. Drei "Neue" hat er an Land gezogen und hofft, so entscheidende Lücken im Kader geschlossen zu haben.

Die freilich nicht durch Abgänge entstanden sind. Da stehen nur Kreisläufer Christoph Loer, den es zum Pulheimer SC steht, und Andreas van Leuck zu Buche, der von der Position zwischen den Pfosten auf die des Torwarttrainers rückt. Trotzdem ist die Kaderauffrischung hochwillkommen, denn das Verletzungspech ist dem NHV treu geblieben: Abwehrchef Kim Neuenhofen (Kreuzbandriss) und Mannschaftskapitän Max Wilms (Fußbruch) werden wohl bis zum Ende der Hinserie ausfallen.

Beide sind Linkshänder. Deshalb freut sich Witte, dass sich in Gestalt von Viktor Fütterer, in der vergangenen Saison zunächst beim TuS Wermelskirchen, dann in Ibbenbüren, ein neuer Linkshänder dem NHV angeschlossen hat. Er hat ebenso schon ein paar Monate Neuss-Erfahrung hinter sich wie Kai Funke (TuS Volmetal), der Loer auf der Position am Kreis ersetzen soll.

Der größe Coup ist Witte aber im Tor gelungen. Vom HSV Hamburg kehrt der gebürtige Wuppertaler Nils-Torben Schmidt in Heimatnähe zurück. Der 17-Jährige hütete drei Jahre lang das Tor der HSV-Jugend, zuletzt in der A-Jugend-Bundesliga. Der NHV teilt sich das "Riesentalent" (Witte) mit der SG Ratingen, für die Schmidt per Doppelspielrecht in der A-Jugend-Bundesliga auflaufen wird — trainiert wird er dort von Pascal Mahé. In Neuss wird er sich zwischen den Pfosten mit Max Jäger und dem reaktivierten Nico Nothen abwechseln.

Als Aufstiegsanwärter sieht der NHV-Trainer sein Team, dem er ab heute drei Wochen Trainingspause gönnt, freilich nicht: "Unsere Planungen zielen darauf ab, in zwei Jahren in die Dritte Liga aufzusteigen", sagt Witte. Was nicht heißt, dass er seinen Schützlingen Platz eins verbieten würde. Er überlässt halt nur nichts dem Zufall.

(NGZ/rl)