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Handball: NHV ist erst im Schlussspurt meisterlich

Handball : NHV ist erst im Schlussspurt meisterlich

40 Minuten mussten 100 mitgereiste Fans zittern, ehe der Neusser HV den Schalter umlegte und sich mit einem 29:23-Sieg über MTV Dinslaken den Meistertitel der Handball-Oberliga Niederrhein sicherte. Am Samstag erstes Aufstiegsspiel.

"Meistertrainer, Meistertrainer", schallte es durch die Sporthalle an der Douvermannstraße. René Witte, wie seine Schützlinge im roten Meistertrikot, die Abteilungsleiterin Petra Schürmann mit dem Schlusspfiff aus einem großen Pappkarton gezaubert hatte, schien sichtlich gerührt. "Von den drei Titeln, die ich bisher als Trainer gewonnen habe, war das der schönste", gestand der Handball-Lehrer, der im zweiten Jahr seiner Tätigkeit den Neusser HV zum bisher größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte, dem Meistertitel in der Oberliga Niederrhein, geführt hatte.

Und lieferte die Begründung gleich hinterher: "Weil damit vor Saisonbeginn nicht zu rechnen war." In der Tat: Mit einer langen Verletztenliste und der Erinnerung an das Vorjahr, in denen ihnen mit zunehmendem Saisonverlauf die Puste ausging, außerdem konfrontiert mit mindestens drei selbst-ernannten Aufstiegsanwärtern, waren die Neusser mit bescheidenen Zielen in die Spielzeit gestartet.

Am Ende triumphierten sie dank eines hart erkämpften, vierzig Minuten umzitterten 29:23-Sieges (Halbzeit 11:13) beim MTV Rheinwacht Dinslaken mit zwei Punkten Vorsprung vor Borussia Mönchengladbach, jenem Klub, der ihnen am ersten Spieltag mit 21:27 eine von insgesamt nur drei Saisonniederlagen beigebracht und bis zuletzt vergeblich auf einen Ausrutscher des Tabellenführers gehofft hatte. Bei sich heftig wehrenden Dinslakenern, gestützt auf ihre Routiniers Marius Timofte, Michael Steffens und einen mit 18 Paraden über sich hinauswachsenden Torhüter Andor Schneider, sah es vierzig Minuten lang so aus, als ob ihre Hoffnungen in Erfüllung gehen sollten.

Mit seiner Meinung: "Ich hatte eigentlich nie das Gefühl, dass wir die Partie verlieren könnten", stand René Witte jedenfalls im krassen Gegensatz zur vorherrschenden Gefühlslage unter den mehr als 100 NHV-Fans auf der Tribüne. Dort machte sich angesichts eines 13:16-Rückstandes nach 35 Minuten, hervorgerufen durch Abschlussschwächen und technische Fehler vor allem von Simon Schlösser und Andreas Mailänder und einer gegen Timoftes trickreiche Würfe und Anspiele oft hilflosen Deckung langsam die Sorge breit, dass das Ganze schiefgehen könnte. Doch Witte und seine Mannen bewahrten Ruhe und beherzigten die alte Handball-Weisheit, dass Titel in der Deckung gewonnen werden: Mit jedem Ball, den die durch eine Manndeckung für Timofte durch den an diesem Abend überragenden Philip Schneider verunsicherten Dinslakener verloren, gewannen die Gäste an Sicherheit auch im Abschluss. Die Folge: Von 13:16 zog der NHV binnen neun Minuten auf 20:16 (44.) davon und gab den Vorsprung nicht mehr aus der Hand. Drei Spieler wurden dabei zu Sieggaranten: Philip Schneider, bei neun Treffern ohne Fehl und Tadel, der sich nach der Pause stetig steigernde Nico Nothen, der am Ende ebenfalls mit 18 Paraden im Spielbericht stand, und der als "Joker" eingewechselte Jens Todtenhöfer, der sich mit fünf Treffern in den letzten 20 Minuten nach vielen Verletzungsproblemen rechtzeitig vor den Aufstiegsspielen wieder zurückmeldete.

In denen trifft der NHV jetzt auf Mittelrhein-Meister HSG Rheinbach-Wormersdorf, zunächst am Samstag (4. Mai, 18.30 Uhr) in der Sporthalle Rheinbach, eine Woche später (11. Mai, 18.30 Uhr) in der heimischen Hammfeldhalle. Dann hofft nicht nur René Witte, dass dort die Rufe "Aufstiegstrainer" zu hören sein werden."

(NGZ)