NGZ-Sportler des Monats Januar ist Matthias Gräber vom HTC SW Neuss

NGZ-Sportler des Monats Januar: Matthias Gräber : Ein pessimistischer Realist auf dem Erfolgstrip

Als stürmender Spielertrainer ist Matthias Gräber mit dem HTC SW Neuss ins Oberhaus der Hallenhockey-Bundesliga zurückgekehrt. Mit 19 Treffern war er bester Torschütze des Meisterteams. Der bald 40-Jährige macht allerdings nicht allzu viel Aufhebens um seine Person. Der Versuch einer Annäherung.

Matthias Gräber ist im Rheinland längst heimisch geworden, tief im Herzen aber ein Kind des Ruhrgebiets geblieben. Aufgewachsen in Gelsenkirchen, „in Buer, dem mit Abstand schönsten Stadtteil“, um genau zu sein, gehört dem FC Schalke 04, 2001 mal für vier Minuten und 38 Sekunden Deutscher Fußballmeister, seine ganze Liebe. Aber reden will der 39-Jährige darüber eigentlich nicht so gerne. „Nur nichts Privates“, ist einer seiner Standardsätze, gerne in direkter Verbindung mit der strengen Bitte: „Das schreibst Du jetzt aber nicht.“

Der von ihm wohlgesonnenen Menschen einfach nur „Schwatter“ gerufene Trainer des HTC Schwarz-Weiß Neuss ist bestimmt kein Schwätzer, findet aber intuitiv die richtigen Worte. Dass er die Wahl zum „NGZ-Sportler des Monats Januar“ auch den von ihm trainierten A-Knaben zu verdanken hat, ist ihm sehr wohl bewusst, er befürchtet jedoch augenzwinkernd, „dass die Jungs wegen der ins Unermessliche gestiegenen Handyrechnungen jetzt Ärger mit ihren Eltern bekommen ...“ Und das fände Gräber ausgesprochen schade, sind ihm seine bei Spielen der Bundesliga-Herren als „Neusser Ultras“ positiv in Erscheinung getretenen Schützlinge doch ans Herz gewachsen. „Die haben richtig Bock!“ Echte Leidenschaft, die dem Nachwuchs ansonsten ein wenig abhandengekommen sei, beklagt er. Darin ist er sich mit dem in der Bundesliga-Truppe immer noch unverzichtbaren Ex-Weltmeister Sebastian Draguhn einig: „Es fehlt ein bisschen, dass die Kids wie wir damals jede freie Minute auf dem Feld verbringen wollen. Spaß daran haben, mehr zu machen als andere, um besser zu werden.“ Nur dieser unbedingte Wille hat auch „den Schwatten“, der mit dem HTC schon 2003 in Bonn Bronze bei der Deutschen Hallen-DM holte, in den Trikots von Uhlenhorst Mülheim, des Rheydter SV und des Gladbacher HTC zu einem der gefürchtesten Goalgetter der 1. und 2. Liga werden lassen.

Eine Qualität, die ihn selbst als „Hockey-Methusalem“ noch auszeichnet. In der abgelaufenen Hallen-Saison führte Gräber die Schwarz-Weißen mit 19 Treffern als bester Torschütze zurück ins deutsche Oberhaus. Das werweißwievielte Comeback hatte für ihn jedoch seinen Preis – und das im wahrsten Sinne des Wortes: „Ohne Schmerzen bin ich eigentlich nur ins letzte Spiel gegangen“, gibt er zu. Und der gefühlt „sechste Rücktritt vom Rücktritt“ ging auch an seinen Geldbeutel, darin sei der für die Mannschaftskasse zuständige Basti Draguhn äußerst kreativ: „Fürs Comeback war ein Fass Bier fällig, das kostet so um die 70 Euro. Jetzt höre ich wieder auf – natürlich mit einem weiteren Fässchen.“ Damit sollte seine aktive Karriere am Schläger eigentlich endgültig vorbei sein, doch was das anbelangt, ist der Spielertrainer wider Willen ziemlich vorsichtig geworden. „Ausschließen kann man nie was ...“

Es lässt die Dinge halt gerne auf sich zukommen. Was passiert, passiert. So sei auch der Einstieg in den seit zwei Jahren hauptamtlich ausgefüllten Trainerjob nicht das Ergebnis eines ausgefeilten Karrieremanagements gewesen, räumt er ein: „Mein Plan war ja gar nicht, Hockey-Trainer zu werden. Ich habe in Bochum Wirtschaftswissenschaften studiert. Auch wenn ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe, heißt das nicht, dass ich nicht irgendwann mal wieder in einem Büro sitze.“

Freuen würde das bestimmt Hundedame Nola, sein Australian-Shepherd mit der Vorliebe für Kaninchen und Tretroller. Denn wer sechs Tage in der Woche als Coach im Einsatz ist – nur der Freitag ist im Prinzip frei –, hat nicht wirklich Zeit für ausgiebige Spaziergänge rund um den Kaarster See. Die Rückkehr in einen Job mit geregelten Arbeitszeiten ist Gräber aus deshalb möglich, weil er vor mittlerweile sieben  Jahren eine kluge Entscheidung getroffen hat. Seine „asiatisch angehauchten“ Tätowierungen auf Arm und Rücken zieren nur Stellen, die sich problemlos bedecken lassen. Missen möchte er sie indes nicht, „alle haben eine Bedeutung.“ Sie entfernen zu lassen, käme darum nie in Frage. „Als ich angefangen habe, mir Tattoos stechen zu lassen, war das schon eine sehr bewusste Entscheidung. Eins wegmachen zu lassen, wäre teurer als das Tattoo selber.“

Und damit beendet Gräber, der sich selbst als „pessimistischen Realist“ bezeichnet, den eh nur unter großem Protest gewährten Einblick in sein Privatleben. Natürlich mit der fast schon verzweifelten Empfehlung: „Das darfst Du jetzt aber wirklich nicht schreiben.“ Hiermit hoch und heilig versprochen, Schwatter ...