Bobfahren : Neusserin gewinnt Bob-Weltcup

Beim Dreifach-Erfolg der deutschen Pilotinnen gestern in St. Moritz hat Anschieberin Lisette Thöne mit der Winterbergerin Anja Schneiderheinze ihren zweiten Sieg in diesem Winter gefeiert. Sie verwiesen Cathleen Martini und Janine Tischer mit 9/100 Sekunden Vorsprung auf Rang zwei.

Das war einfach nur stark: Angeschoben von der Neusserin Lisette Thöne (23) feierte Tagessiegerin Anja Schneiderheinze, die 2006 in Turin noch als Bremserin Olympia-Gold mit Sandra Kiriasis gewann und erst seit drei Jahren an den Lenkseilen sitzt, im Mekka des Bobsports ihren zweiten Saisonsieg. Zuvor hatte die 33-Jährige, auch damals von Lisette Thöne in Schwung gebracht, die Auftaktveranstaltung im österreichischen Igls gewonnen.

Nach zwei Läufen lagen die beiden im Schweizer Nobel-Wintersportort St. Moritz gerade mal 0,09 Sekunden vor Weltmeisterin Cathleen Martini (SC Oberbärenburg) und ihrer Anschieberin Janine Tischer (PSV Meiningen), auf Rang drei folgte das dritte deutsche Duo Sandra Kiriasis/Franziska Bertels (RSG Hochsauerland/BSR Rennsteig Oberhof). In der Weltcup-Gesamtwertung belegt Anja Schneiderheinze mit ihrem Team nach sechs von acht Läufen hinter Martini Rang zwei.

Beim Rennen auf der einzig verbliebenen Natureisbahn der Welt, die jedes Jahr neu vom rund 15-köpfigen Bahnbauerteam aus 5000 Kubikmeter Schnee, 4000 Kubikmeter Wasser und viel Schweiß auf 1722 Meter Länge errichtet wird, bewies Anja Schneiderheinze im zweiten Durchgang Nervenstärke an den Lenkseilen. Immerhin lagen die besten Drei nach dem ersten Lauf bei einer Spitzengeschwindigkeit von fast 140 Stundenkilometern nur 3/100 Sekunden auseinander. Doch die führende Olympiasiegerin Kaillie Humphries aus Kanada touchierte wie auch Martini schon kurz nach dem Start die Bande und verlor kostbare Zeit. "Es ist ein Traum", jubelte Anja Schneiderheinze und Lisette Thöne schob gut gelaunt nach: "Ich habe schon während der Fahrt gespürt, dass wir richtig gut unterwegs waren."

Nun geht es nach Übersee, wo im US-amerikanischen Lake Placid die Weltmeisterschaften (13. bis 26. Februar) stattfinden. "Die Rennen dort drüben sind für mich ganz neu und eine Herausforderung", sagt Anja Schneiderheinze. Sie sehe sich bei der WM jedoch als gute Außenseiterin und will auf jeden Fall vorne mitkämpfen — sozusagen als eine "kleine WM-Favoritin".

Lisette Thöne freut sich derweil auf eine kleine Auszeit. Morgen geht's für die blonde Sportsoldatin von der Furth heim zu den Eltern nach Neuss. "Ich bin jetzt mal froh, ein bisschen zu Hause zu sein", sagt sie. Entspannung pur. Doch die Koffer bleiben gepackt, denn bereits am Mittwoch bricht sie zu einem einwöchigen Trainingslager im Bundesleistungszentrum Kienbaum (Brandenburg) auf. "Damit startet für uns die heiße Vorbereitungsphase auf die WM in Lake Placid." Am 5. Februar hebt der Flieger ab Richtung Calgary (Kanada), letzte Station der Weltcup-Serie. "Ein bisschen kribbelt's aber schon jetzt", gesteht die 23-Jährige mit Blick auf ihre sportlich bislang größte Herausforderung.

(NGZ)