Hockey: Neusserin erobert New York

Aufgefallen Erst seit August gehört Leonie Geyer dem Hockey-Team der amerikanischen Universität von Syracuse an. Doch schon am Wochenende brachte die U21-Nationalspielerin mit "Orange" den ersten Titel ein.

Syracuse/Neuss Alles begann mit einem kleinen Missverständnis. Als sich Anna Crumb vor Saisonbeginn im Internet über ihre zukünftige Zimmerkollegin Leonie Geyer informierte, sah sie eine "große, kräftige Hockey-Spielerin, die ihre Gegner in Angst und Schrecken versetzte". Umso größer ihr Erstaunen beim ersten persönlichen Kontakt. Ihr Bild von der "riesigen Deutschen" aus Neuss löste sich im Nu in Luft auf, denn sie traf auf eine scheue, leise sprechende Debütantin. "Ich hatte echt angenommen, sie sei größer", erinnert sich die Amerikanerin schmunzelnd, "dabei ist sie ein klitzekleines und zierliches Mädchen".

Seit Anfang August studiert Leonie Geyer, ausgestattet mit einem Sportstipendium über vier Jahre, Psychologie und Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Syracuse im Bundesstaat New York. Und die 19- Jährige, die im Sommer ihr Abitur am Marienberg-Gymnasium gebaut hatte, brauchte nicht lange, um auf dem Spielfeld für Furore zu sorgen. Direkt in der ersten Partie gegen Northwestern (6:1) erzielte der "Freshman" (so werden an US-Colleges Studenten im ersten Jahr genannt) einen Treffer und stellte mit drei zu weiteren Toren führenden Pässen einen Schulrekord ein. "Wenn sie spielt, ist sie einfach großartig", findet Anna Crumb, "dann scheint ihr das Spielfeld irgendwie zu gehören".

Am vergangenen Sonntag holte die deutsche U21-Nationalspielerin des HTC SW Neuss mit Syracuse Orange (so der offizielle Spitzname des Sportteams) im heimischen J.S. Coyne Stadium mit einem 1:0-Sieg über Connecticut (mit der Meerbuscherin Anne Jeute) zum dritten Mal in Folge den Meistertitel in ihrer Division (Big East). Der entscheidende Pass auf die Argentinierin Martina Loncarica kam natürlich von Leonie Geyer.

Mag die bald 20-Jährige mit dem Hockeyschläger in der Hand auch eine Wucht sein, abseits des Feldes "ist sie noch immer dabei, das hier alles irgendwie auf die Reihe zu bekommen", weiß ihre Trainerin Ange Bradley. Gut 6000 Kilometer trennen sie von ihren Eltern Hans und Karla Geyer, von ihrer Schwester Lina, die mit Deutschland bei Olympia 2008 Rang vier belegte, und ihren Freunden. Darum ist sie froh um den Halt, den sie bei ihren ebenfalls aus Europa kommenden Teamkolleginnen Amy Kee (England) und Iona Holloway (Schottland) sowie Martina Loncarica findet: "Sie verstehen meine Situation und helfen mir, mit dem komplett anderen Leben hier zurecht zu kommen." Sie ist glücklich. "Syracuse war die beste Wahl", sagt sie. Ihr Coach fühlt sich bestätigt: "Dass es für sie so gut läuft, überrascht mich nicht, das hatte ich erwartet."

(NGZ)
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