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Neusser Voltigierer holen vier Medaillen bei WM und EM

Voltigieren : Der fast totale Triumph der Neusser Voltigierer

Besser geht’s (fast) nicht: Mit den Weltmeistertiteln für Mona Pavetic und die Gruppe bei den Junioren sowie zwei Mal Platz zwei bei den Europameisterschaften durch Janika Derks im Einzel der Frauen und im Pas de Deux an der Seite von Johannes Kay wurden die Tage von Ermelo zum beinahe totalen Triumph für die Voltigierer vom RSV Grimlinghausen.

Das ist selbst in der erfolgsverwöhnten Geschichte des erfolgreichsten Voltigiervereins der Welt einmalig: Mit zwei Weltmeistertiteln bei den Junioren sowie zwei Silbermedaillen bei den gleichzeitig ausgetragenen Europameisterschaften der Frauen und Männer kehren die Voltigierer RSV Neuss-Grimlinghausen aus dem niederländischen Ermelo zurück auf den heimischen Nixhof.

Nur Pauline Riedl dürfte ein bisschen traurig sein, reichte es für die als Weltranglistenerste angereiste 25-Jährige im EM-Einzel der Frauen nur zu Platz neun. Eine Enttäuschung, die sie leicht verschmerzen konnte, schließlich führte die Maschinenbaustudentin als Trainerin und an der Longe von Smarti das Juniorteam zum WM-Sieg in der Gruppenkonkurrenz.

Und das, obwohl die Voraussetzungen nicht die allerbesten waren, hatte Riedl ihr Team wegen eines Meldefehlers des Verbandes doch kurzfristig umbauen und auf Sina Struss als bewährte Unterfrau verzichten müssen (die NGZ berichtete). Die so unglücklich Ausgebootete unterstützte Trainerin und Team am Rande des Voltigierzirkels im National Hippisch Centrum von Ermelo. Und das mit Erfolg, denn in ihrem letzten Wettbewerb, der Kür am Samstagnachmittag, drehten die Nixhof-Voltigierer ganz groß auf: Mit 8,543 Punkten erhielten sie von den acht Wertungsrichtern die Höchstnote des Tages und verwiesen die bis dahin führende österreichische Equipe aus Seefeld, der noch dazu im Schlussabschnitt ihrer finalen Kür ein Patzer unterlief, auf Rang zwei. Mit 8,04 Punkten für den RSV gegenüber 7,972 Zählern für Österreich war der Abstand zwar gering, doch das interessierte nach bekanntgabe der Noten niemand mehr in der „Kiss and Cry-Area.“ Und auch Bundestrainerin Ulla Ramge und dem Deutschen Olympiade Komitee für Reiterei (DOKR) dürfte aufgrund der Vorgeschichte ein dicker Stein vom Herzen geplumpst sein.

Die Steilvorlage für die Gruppe hatte drei Stunden zuvor Mona Pavetic geliefert. Die 16-Jährige war bei ihrem WM-Debüt als Einzelvoltigiererin als Führende in die finale Kür gegangen – und behielt in der ausverkauften Halle die Nerven: Auf dem Rücken von Eyecatcher mit Alexandra Knauf an der Longierleine turnte sie zum Abschluss auch die beste Kür, die mit starken 8,727 Punkten belohnt wurde. Dass diese zum Sieg reichen würde, wusste sie zu diesem Zeitpunkt freilich noch nicht, denn ihre schärfste Konkurrentin Danielle Bürgi aus der Schweiz, die den ersten Umlauf gewonnen hatte, durfte als letzte in den Voltigierzirkel einlaufen. Die Entscheidung fiel hauchdünn aus: Die Wertungsrichter gaben ihr 8,723 Punkte, also nur vier Tausendstel weniger als Mona Pavetic. Was der Neusserin in der Endabrechnung 8,402 Punkte und damit Gold vor der Schweizerin (8,382) und deren Teamkollegin Samira Garius (8,16) bescherte.

Viel Zeit zu feiern blieb der Neusser Delegation nicht, schließlich ging es gleich am Sonntagmorgen mit den Schlusswettbewerben bei der Europameisterschaft der Frauen und Männer weiter. Und was sich bereits in der ersten Runde und dem Technikprogramm zum Auftakt von Runde zwei im Einzelwettbewerb der Frauen angedeutet hatte, fand im Finale eine Fortsetzung: Die Österreicherin Katharina Luschin war nicht zu schlagen. In dreien der vier Durchgänge erhielt sie die Höchstnote, und auch in der finalen Kür setzte sie mit 9,043 Zählern die Bestmarke.

Janika Derks, die in der ersten Runde die Kür hauchdünn für sich entschieden hatte, mühte sich mit ihrer Version des „Million Dollar Girl“ nach Kräften, kam aber „nur“ auf 8,797 Punkte, was der 29-Jahre alten Physiotherapeutin aus Dormagen mit 8,636 Zählern Silber hinter Luschin (8,827) und vor deren Landsfrau Jasmin Lindner (8,473) bescherte.

Im Pas de Deux schließlich verloren Janika Derks und Johannes Kay das innerdeutsche Duell um den Europameistertitel mit 8,537 zu 8,943 Punkten gegen Chiara Congia und Justin van Gerven, die sie beim CHIO in Aachen noch hauchdünn geschlagen hatten, was nicht nur Janika Derks, sondern auch Longenführerin Jessica Lichtenberg die zweite Silbermedaille dieser Titelkämpfe für die Neusser Geschichtsbücher bescherte.