1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Reitsport: Neusser Voltigierer brillieren in Katar

Reitsport : Neusser Voltigierer brillieren in Katar

"Technik ist zweitrangig. Ich möchte Emotionen pur", hatte Jessica Schmitz von ihren Voltigiererinnen verlangt. Die jungen Damen sollten ihre Trainerin nicht enttäuschen. Beim ersten großen Auftritt der Rheinländer im Reitsport-Olymp Al Shaqab in Doha bestach die Delegation vom RSV Neuss-Grimlinghausen mit Präzision, Eleganz und Anmut.

"Das kam super rüber", schätzte Schmitz schon kurz nach dem Auslauf aus der modernsten, 5000 Zuschauer fassenden, Reitsportarena der Welt ein. Zahlreiche begeisterte Rückmeldungen der Turnierveranstalter, Zuschauer und aktiven Reiter bestätigten den Eindruck der 31-Jährigen, die Meisterpferd Arkansas einmal mehr auf den Punkt fit und souverän im Zirkel präsentierte. Ebenso wie Mentorin Agnes Werhahn, die Nachwuchspferd Delia an der Longe in die mit Spannung geladene Atmosphäre am Persischen Golf begleitete. "Unter solchen Bedingungen müssen die Pferde erst einmal die Nerven behalten", sorgte sich das Trainergespann im Vorfeld der Reise auf die Halbinsel Katar.

Die Bedenken waren angesichts der vielen unbekannten Faktoren durchaus begründet, sollten sich aber nicht bestätigen. Denn auch die erst acht Jahre alte Stute galoppierte ohne Scheu vor Scheinwerfer-Spots, High-Tech-LED-Banden und rund 30 Grad Außentemperatur ihre Runden gegen den Uhrzeigersinn. Über 20 Turnier-Fotografen hielten dabei jede Bewegung fest und werden die bis dato weitestgehend unbekannte Pferdesportdisziplin sicherlich wie ein Lauffeuer verbreiten. Für die Neusser ist klar: Die achtminütige Show – der erste offizielle Auftritt einer Voltigiermannschaft in der arabischen Welt überhaupt – bleibt für alle Zeiten im Gedächtnis der jungen Leistungssportler. Weil (nahezu) alle Bewegungsabläufe funktionierten. Weil sich die Operntrikots aus der Saison 2011 perfekt in den in sanfte violette Töne getauchten Abendhimmel der Wüstenstadt fügten. Aber auch, weil der Sport die Feuertaufe in einem völlig anderen Kulturkreis mit Bravour bestand. "Wir standen hier vor einer riesigen Herausforderung", brachte es Schmitz auf den berühmten Punkt.

Gewohnt akribisch bereiteten sich die Athletinnen vor, sämtliche freiliegenden Schulterpartien der Trikots wurden im Vorfeld von Mutter Eva Schmitz mit Stoffen abgedeckt. Auch eventuell auf vokaler Ebene anstößige Elemente in der Musik wurden sorgfältig überblendet. Und sogar die offizielle Gebetsminute, die im Programmablauf um 17.49 Uhr unmittelbar vor den Voltigierern (17.50 Uhr) angesetzt war, brachte weder Pferde noch die Aktiven aus ihrem Konzept. Selbst für Werhahn, die als Trainerin sowohl im Einzelvoltigieren als auch mit der Mannschaft alles erreicht hat, was es derzeit zu erreichen gibt, waren die Eindrücke überwältigend. "Es war ein völlig neues Gefühl, als nach der Anmoderation plötzlich alles still war. Solche Momente vergisst man sein Leben lang nicht."

(NGZ)