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Tennis: Neusser TC Stadtwald feiert 15 Jahre Special Olympics

Tennis : Neusser TC Stadtwald feiert 15 Jahre Special Olympics

Die geistig behinderten Sportler sind im Verein längst vollkommen integriert. Auch die medizinische Versorgung stimmte.

Wenn es um seine Schützlinge geht, ist Hermann Müller unermüdlich. Seit mittlerweile 27 Jahren arbeitet der Tennislehrer mit geistig behinderten Menschen zusammen, betreut, trainiert und fördert. Sein vielleicht größtes Erfolgsprojekt feierte nun ein kleines Jubiläum: Gemeinsam mit dem NTC Stadtwald veranstaltete er nun bereits zum 15. Mal die Tennisspiele von Special Olympics Nordrhein-Westfalen.

Insgesamt 45 behinderte Athleten aus ganz Deutschland und der Schweiz trafen sich dazu in Neuss, um auf sieben Plätzen die Sieger in den sechs Herren- und drei Damengruppen auszuspielen. Vom zwölfjährigen Louis Klotz bis zum 60-jährigen Berti Bommes war dabei eine breite Spanne an Sportlern vertreten. Die Schweizer Sportlerin Alexandra Messerlich war zum ersten Mal in Neuss dabei und beeindruckt: "Am Anfang war ich sehr aufgeregt, aber es gefällt mir hier super. Alle sind so freundlich zueinander, da macht es echt Spaß." Ihre Trainerin Liliane Dupee, bereits zum siebten Mal in Neuss dabei, erklärt: "Eine familiären Atmosphäre findet man sonst ganz selten. Dadurch, dass alles auf einer kleinen, ruhigen Tennisanlage stattfinden kann, fühlen sich die Sportler viel wohler."

Dass ein Verein für eine solches Ereignis gleich ein ganzes Wochenende lang seine Anlage zur Verfügung stellt, sei einmalig, findet Müller: "Welcher Klub in Deutschland macht das schon? Das habe ich noch nirgendwo anders erlebt, wir haben diesem Verein so viel zu verdanken." Für NTC-Geschäftsführer Herbert Pesch jedoch eine Selbstverständlichkeit: "Wir sind sehr stolz auf diese Entwicklung. Die Specials sind im Verein vollkommen integriert." Das gehe, so Müller weiter, sogar schon so weit, dass die Mitglieder die zweimal in der Woche auf dem Platz trainierenden Behinderten ohne zu zögern mitspielen ließen, wenn beispielsweise ein Doppelpartner fehle.

Für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sorgte neben den zahlreichen Betreuern auch das Grefrather Edelknabenkorps. "Die haben hier ehrenamtlich mit angepackt und wirklich gute Arbeit gemacht. Für das nächste Jahr habe ich schon ihre Zusage", sagt Müller. Dafür, dass bei Temperaturen von knapp unter 40 Grad niemand umkippte, sorgte die medizinische Abteilung um Doktor Margarethe Möllering. Die sei "kurz davor gewesen, das Turnier bei dieser Hitze abzubrechen. Aber die Spieler wollten unbedingt weitermachen". Möllering war mit dem von der Bundesregierung geförderten "Healthy Athletes Programm" erstmals in Neuss vor Ort. Dies ermöglicht es den Athleten, neben der normalen medizinischen Versorgung auch beispielsweise eine zahnärztliche Untersuchung in Anspruch zu nehmen.

Um sich ein Bild von der Umsetzung zu machen, war auch Ulrike Flach, Staatssekretärin des Gesundheitsministeriums, angereist. Ihr Urteil: "Dieses Programm wird sehr gerne angenommen, fast jeder Athlet hat sich untersuchen lassen. Für mich ist das eine ideale Möglichkeit, präventiv mit den Behinderten zu arbeiten."

(NGZ)