Neusser Ruderverein kommt in Dortmund trotz Eiseskälte auf Temperatur

Rudern : NRV kommt trotz Eiseskälte auf Temperatur

Auf der DRV-Langstrecke in Dortmund bringt sich der Neusser Ruderverein in eine gute Position. Sieg im Zweier für Nelles/Neubauer.

Dick eingepackt und mit eisigen Fingern stellte Benno Spanke die entscheidende Frage: „Sonntagmorgen. 8 Uhr. Draußen um die 0 Grad. Was macht man da?“ Ganz einfach: Der unermüdliche Öffentlichkeitsarbeiter in Sachen Rudern unterstützte die Athleten des Neusser RV bei der Dortmunder Langstrecke, dem obligatorischen Leistungstest der Elite im Herbst. Die zentrale Kaderüberprüfung des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV) begann mit knackigen 2000 Metern auf dem Ergometer, am Tag darauf warteten 6000 Meter auf dem Dortmund-Ems-Kanal.

Der Sonntag hatte für die Mannschaft des NRV sogar noch früher angefangen, denn Abfahrt im Neusser Hafen war um 6.30 Uhr. Da hatten die besten B-Junioren im Westen ihren Job bereits erledigt, stand für sie doch nur die Langstrecke des Nordrhein-Westfälischen Ruder-Verbandes (NWRV) auf dem Programm: Till Lubrich (Neusser RV) und Georg Schwabedal (WSV Düsseldorf) brachten dabei im Junior-A-Zweier einen ungefährdeten Sieg ein. Über alle Teilstrecken waren sie das schnellste Boot und verwiesen in 24:34 Minuten den Crefelder RC (25:01) und den Essener RRV (25:21) auf die Plätze zwei und drei. Im Junior-B-Einer schlug sich der Neusser Paul Brüggen im Debüt wacker, belegte unter 24 Booten Rang 13.

Viel weiter sind da schon seine Vereinskolleginnen Olivia Clotten und Helena Spanke. Sie wollen im Juniorinnen-Zweier „ohne“ zur Junioren-WM im slowenischen Luftkurort Bled (16. bis 23. August 2020). Ein Gang mit Handicap: Helena Spanke, die im Sommer schon vor der Junioren-WM in Tokio aus gesundheitlichen Gründen mit dem Training hatte aussetzen müssen, arbeitet erst seit zwei Monaten wieder kontinuierlich an ihrer Fitness. Olivia Clotten war wegen einer Operation an den Weisheitszähnen für einige Wochen raus, war darum von Bundestrainerin Sabine Tschäge sogar vom Ergometertest freigestellt worden. Zudem gingen in Dortmund ihre härtesten Konkurrentinnen Carlotta Wolff und Leonie Wöllmer aus Magdeburg als letztes Boot auf die Strecke. Ein Vorteil, „denn so konnten sie in Echtzeit alle Zwischenzeiten der vor ihnen gestarteten Boote vom Trainer mitgeteilt bekommen“, erklärte Benno Spanke. Am Ende waren die Magdeburgerinnen wie erwartet am schnellsten unterwegs, lagen 30 Sekunden vor den Neusserinnen. Doch Clotten/Spanke distanzierten nach einem einsamen Rennen von vorne die RG Dortmund/Meschede um 23 und Halle um 32 Sekunden. „Damit gehören sie schon wieder zu den schnellsten Juniorinnen in Deutschland“, stellte Benno Spanke zufrieden fest.

Für Benjamin Nelles und Johannes Neubauer ging es im Zweier vor allem darum, im Duell mit den U23-Vizeweltmeistern Henning Sproßmann und Julius Wagner (ETuF Essen/Hansa Dortmund) zu bestehen. Die Plätze zwei und drei im Ergo-Test machten Mut. Im Rennen starteten die Rivalen zwar furios, doch hatten sich die Neusser Jungs in Absprache mit ihrem Trainer Peter Stoffels dazu entschieden, alle Teilstrecken möglichst gleichmäßig zu fahren. Diese Taktik ging auf: Als ihr Rückstand bei der 5000-Meter-Marke nur noch zwei Sekunden betrug, erhöhten Nelles/Neubauer die Schlagzahl und fuhren tatsächlich noch mit einem Vorsprung von einer Sekunden auf die Favoriten ins Ziel.

Benjamin Nelles auf Schlag und Johannes Neubauer powern sich bei eisiger Kälte zum Sieg. Foto: Benno Spanke

Cecilia Sommerfeld stellte sich im leichten Frauen-Einer allen ums Olympia-Ticket kämpfenden Widersacherinnen, kam in diesem erlesenen Feld auf Platz 18 und machte damit Hoffnung auf gute Ergebnisse im U23-Bereich. Cosima Clotten hatte wegen einer Erkältung ebenso auf einen Start verzichtet wie Vera Spanke, die sich intensiver um ihr Studium kümmern will, und Alexandra Höffgen, die eine Sehnenscheidenentzündung außer Gefecht setzte.

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