Rudern : Das beste DM-Ergebnis aller Zeiten

Bei den Deutschen Meisterschaften der U17, U19 und U23 auf dem Fühlinger See in Köln bringt der Nachwuchs des Neusser Rudervereins (NRV) vier Gold- und drei Bronzemedaillen ein.

Nein, Christian Stoffels neigt nicht zur Euphorie, aber was die Ruderer des Neusser RV am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften auf der Regattabahn am Fühlinger See in Köln veranstalteten, zauberte auch dem erfahrenen Trainer ein Lächeln ins Gesicht. Verständlich, schließlich legte der Nachwuchs des 1914 gegründeten Vereins „das beste Ergebnis, das wir je bei einer Jugend-DM hatten“ (Stoffels), aufs Wasser. An den beiden Finaltagen sprangen vier Titel und drei Bronze-Plätze heraus, darüber hinaus flossen noch zwei vierte und zwei sechste Ränge  in die  majestätische Bilanz mit ein. Stoffels fasste zusammen: „In insgesamt 14 Rennen haben wir elf Mal das Finale der besten Sechs erreicht. Wir sind hier mit 15 Ruderern angetreten, davon sind zwölf in die Medaillenränge gefahren.“

Den Anfang hatte am ersten Tag Vera Spanke mit den DM-Titeln bei den U23-Leichtgewichten im Einer und im Doppelvierer gemacht (die NGZ berichtete). 24 Stunden später übernahmen die Junioren das Kommando. Und wie: Im Leichtgewichts-Junioren-Zweier ohne Steuermann A setzten Johannes Neubauer und Benjamin Nelles ihre einmalige Siegesserie fort. In Köln mussten die beiden Neusser allerdings erstmals in dieser Saison ans Limit gehen. Denn bei der 1750-Meter-Marke lagen noch Lasse Haack und Colin Stein vom RV Münster vorne. Erst als die coolen Favoriten ihre Steuerprobleme in den Griff bekamen, zogen sie vorbei und gewannen am Ende mit einer Bootslänge vor den kecken Herausforderern. Der Rest des Feldes folgte mit Abständen von mehr als zehn Sekunden. Ihre Vereinskollegen Tom Hagmanns, der nicht hundertprozentig fit ins Finale gegangen war, und Frederic Trappen verpassten als Vierte das angestrebte Edelmetall zwar, doch das nahm ihnen Stoffels nicht krumm: „Andere können auch rudern ...“

Vollkommen ungefährdet ganz nach oben aufs Treppchen glitt im Leichtgewichts-Juniorinnen-Doppelvierer A der Renngemeinschaft Germania Düsseldorf, Kölner RV, Crefelder RC und Neusser RV Cecilia Sommerfeld mit Maja Gunz, Pia Renner und Pia Otto. „Ein Start-Ziel-Sieg mit anderthalb Längen Vorsprung vor dem Zweitplatzierten“, stellte Stoffels zufrieden fest. Nicht ganz so glücklich war er mit Platz vier von Cecilia Sommerfeld im Leichtgewichts-Juniorinnen-Doppelzweier A mit Pia Renner vom Crefelder RC. „Sie hätten auf jeden Fall eine Medaille holen können, sind aber Opfer ihres zu hohen Anfangstempos geworden“, monierte er. „Sie sind hinten raus einfach fest geworden.“

Gar nichts auszusetzen gab es am Vortrag von Cosima Clotten, die im Juniorinnen-Doppelzweier A gemeinsam mit Pauline Sauter (RC Nürtingen) Rang drei belegte. Zum einen war das Boot der RG RV Berlin//RC Havel Brandenburg auf Platz zwei nur vier Hundertstelsekunden entfernt, zum anderen löste das Duo das Ticket für die Junioren-WM Mitte August im tschechischen Račice. Lob verteilte der Coach auch an die Adresse von Olivia Clotten und Helena Spanke, die gemeinsam mit Katharina Hallay und Finya Nolzen im Juniorinnen-Vierer ohne Steuerfrau B der RG Neusser RV/RC Germania Düsseldorf/Duisburger RV saßen. „Mit Platz drei sind wir sehr, sehr zufrieden. Sie sind ein schönes Rennen gefahren.“

Start-Ziel-Sieg im Doppelvierer für: (v.l.) Maja Gunz (RCG Düsseldorf), Cecilia Sommerfeld (Neusser RV), Pia Renner (Crefelder RC) und Pia Otto (Kölner RV). Foto: Benno Spanke

Nicht alltäglich war auch die Bronzefahrt des Leichtgewichts-Junioren-Achters mit Steuermann. Stoffels: „Es ist  relativ selten, dass ein Achter fast ausschließlich aus Leuten eines Vereins besteht.“ Zu den Neussern Till Lubrich, Frederic Trappen, Nico Leffke, Tom Hagmanns, Johannes Neubauer, Benjamin Nelles  und Amelie Düppers (Steuerfrau) gesellten sich in Simon Mellin (Hürther RG) und Ben Langebartels (Kölner RV) nur zwei Ruderer befreundeter Klubs. Dass das junge Boot, bis zur 1500-Meter-Marke noch gleichauf mit der Konkurrenz auf Platz eins und zwei, auf den letzten 500 Metern nichts mehr zuzusetzen hatte, fand Stoffels ganz normal. „Hagmanns, Neubauer, Nelles und Trappen waren zweieinhalb Stunden zuvor noch das Finale im Zweier gefahren. Dazu gehören fast alle Neusser dem jüngeren Jahrgang an.“