Rudern: Neusser Ruderer "sitzen in einem Boot"

Rudern : Neusser Ruderer "sitzen in einem Boot"

Der Neusser Ruderverein geht nicht nur dank steigender Mitgliederzahlen gestärkt aus seinem Jubiläumsjahr hervor. Vom geplanten Umzug an die Hafenmole I erhofft sich NRV-Chef Joachim Goetz eine größere Planungssicherheit.

Es ging harmonisch zu auf der jüngsten Mitgliederversammlung des Neusser Rudervereins. Alles andere wäre nach einem glanzvoll gefeierten Jubiläumsjahr auch eine Überraschung gewesen. Für den seit 1996 im Amt befindlichen Vorsitzenden Joachim Goetz ist das friedliche Miteinander seiner inzwischen mehr als 600 Vereinsmitglieder freilich keine bloße Selbstverständlichkeit.

Foto: Georg Salzburg

In einer Vorstandssitzung zu Beginn des 101. Vereinsjahres ließ er deshalb ein Leitbild erarbeiten, das den mittlerweile größten Ruderklub in Nordrhein-Westfalen auch künftig prägen soll: "Wir müssen darauf achten, dass wir alle in einem Boot sitzen", sagt Goetz, "dieses Selbstverständnis muss die Grundlage all unserer Entscheidungen sein." Im Klartext: Breiten- und Leistungssportler sollen auch in Zukunft gleichberechtigt unter den Dächern der drei Bootshäuser an der Grimlinghauser Brücke, im Industriehafen und am Sandhofsee zu Hause sein.

Dem geplanten Umzug an die Hafenmole I blickt der NRV-Vorsitzende eher gelassen entgegen: "Wir freuen uns, sollte die Politik nach dem vielen Hin und Her jetzt endgültig der Verlagerung unseres Trainingszentrums und dem unserer befreundeten Kanuten von der Holzheimer SG zustimmen. Aber davon hängt unser Vereinsleben nicht ab." Zum einen, sagt Goetz, betrifft der Umzug, mit dem er frühestens in einem Jahr rechnet, nur die im Hafen trainierenden Leistungsruderer. Zum anderen, stellt er klar, "gibt es ja keinen Neubau. Wir verlagern ja nur unsere bestehenden Bootshallen an einen anderen Standort." Was dem NRV dennoch einen in seinen Augen unschätzbaren Vorteil beschert: "Wir haben dann endlich langfristige Planungssicherheit." Denn für sein bisheriges Domizil an der Hansastraße muss der Ruderverein jährlich den Pachtvertrag erneuern. "Das ist so ein bisschen, als wenn man auf einem Pulverfass sitzt", sagt Joachim Goetz.

Der Leistungsbereich ließ im Jubiläumsjahr mit dem WM-Titel für Vera Spanke bei den Junioren sowie den Bronzemedaillen von Alexandra Höffgen bei der U23-WM und der Frauen-EM aufhorchen. Dazu gelang dem Männerachter der Aufstieg in die Ruder-Bundesliga. "Wir haben den Achter jetzt auch offiziell für die Bundesliga gemeldet", sagt der Vorsitzende, "wir werden allerdings in einer Startgemeinschaft mit Nachbarvereinen fahren. Alleine kriegen wir das von der personellen Besetzung her nicht gestemmt." Wobei die Bundesliga über Sponsoren finanziert wird und nicht das Vereinssäckel belastet: "Genau so wenig wie unsere Jubiläumsveranstaltungen, auch die haben sich komplett selbst getragen", sagt Joachim Goetz nicht ohne Stolz.

Was ihn mindestens ebenso freut wie die Leistungsbilanz sind die Ergebnisse der Wanderruderer, an denen er selbst beteiligt war: "Mit mehr als 200 000 gefahrenen Kilometern und 86 Fahrtenabzeichen dürften wir wieder an der Spitze in Deutschland liegen." Demnächst werden es vielleicht noch mehr. Denn auf der Jahreshauptversammlung wurden 22 neue Mitglieder im Erwachsenenbereich förmlich in den Verein aufgenommen. Zuwachs gab es auch beim Nachwuchs, wo der Vorsitzende mit Freude von einer "sehr netten und großen Truppe im Kinder- und Jugendbereich" berichtet.

Auf der anderen Seite des Alstersspektrums stehen die Jubilare: Rudi Haeffs wurde für 70, Günther Heinemann und Heinz Grevers für 65, Marie-Luise Dammer, Klaus Harnischmacher, Jürgen Verfürth, Siegfried Martin und Paul Peiffer für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Und auch der Vorsitzende sitzt schon seit 50 Jahren "in einem Boot."

(NGZ)
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