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Neusser Ringer-Weltmeister Jakob Koch wurde vor 150 Jahren geboren

Ringen : Am Sonntag würde Jakob Koch 150 Jahre alt

Als er im Februar 1918 verstarb, schrieb das „Neuigkeits-Welt-Blatt“ über Jakob Koch, er sei der „berühmteste Ringer Deutschlands“. Der zweifache Welt- und Europameister im Schwergewicht wurde am 12. April 1870 als Sohn des Korbmachermeisters Michael Koch im Hause Glockhammer D 137 in Neuss geboren.

So ändern sich die Zeiten. Während der Berliner Humorist Otto Reutter (1870 - 1931), dem wir das schöne Lied „In fünfzig Jahren ist alles vorbei“ verdanken, Anfang des vergangenen Jahrhunderts feststellte: „Es lebe der Ruhm, bei der breiten Volksmasse ist der Ringkämpfer Koch viel bekannter als der Gelehrte gleichen Namens“, dürfte es seit Ausbruch der Corona-Pandemie umgekehrt sein – auch wenn vielleicht nicht jeder weiß, wer sich hinter den Namensgeber des „Robert-Koch-Instituts“ verbirgt.

Ob sich der Medizin-Nobelpreisträger und der Ringer-Weltmeister je begegnet sind, ist nicht überliefert. Möglich wäre es: Robert Koch lebte von 1880 bis 1910 in Berlin – und die damalige Reichshauptstadt hatte Jakob Koch zu seiner Wahlheimat erklärt, schon bevor er dort 1904 seinen zweiten Weltmeistertitel gewann. Der bescherte ihm Ruhm und Geld – seine Auftritte im Berliner Wintergarten sollen mit einer Monatsgage von 10.000 Mark entlohnt worden sein.

Jakob Koch in Aktion: In die Defensive ließ sich der zweimalige Weltmeister und dreifache Vize-Weltmeister aber eher selten bringen. Foto: red

Begonnen hatte alles dreieinhalb Jahrzehnte zuvor in Neuss. Genauer gesagt am Glockhammer D 137. Dort wurde Jakob Koch am 12. April 1870, morgen vor 150 Jahren, als Sohn des Korbmachermeisters Michael Koch geboren. Wie sein Vater und weitere Familienmitglieder erlernte auch Jakob Koch das Handwerk des Korbflechtens, hat diesen Beruf aber nicht lange ausgeübt. Denn schon 1898 wurde der Schwergewichtler, der bei 180 Zentimetern Körperlänge stattliche 110 Kilogramm auf die Waage brachte und dessen Oberarme einen Umfang von 40,5 Zentimeter hatten, Profi-Ringer.

Möchten Jakob Koch mit einer Ausstellung ehren: Sammler Horst Faller und Jens Metzdorf (v.l.), der Leiter des Stadtarchivs. Foto: Georg Salzburg(salz)/Georg Salzburg (salz)

Die Leidenschaft für diese Sportart entwickelte Jakob Koch schon früh. In seinem 1909 erschienenen „Lehrbuch des Ringkampfes“ schreibt er über sich selbst: „Schon in früher Jugend erwachte in mir eine lebhafte Neigung für körperliche Übungen. Ich ergab mich mich mit großer Leidenschaft der Turnerei. Schon auf der Schule übertraf ich alle meine Kameraden.“ Als 18-Jähriger erkämpfte er sich auf dem Gauturnfest in Düsseldorf „im Sechskampf meinen ersten Turnkranz und den ersten Preis im Ringen.“ Der Grundstein seiner Karriere, die im „Neußer Turnverein von 1848“ begann, dann in der „Neußer Turnerschaft von 1892“ fortgesetzt wurde, bei der er auch das Amt des Turnwarts bekleidete, war gelegt. Den ringerischen Feinschliff holte sich Jakob Koch beim Düsseldorfer Athletenclub, damals die erste Adresse in Sachen Kraftsport im westdeutschen Raum.

Und das mit Erfolg, denn 1896 wurde er, noch als Amateur, in Rotterdam Europameister. Die folgenden ersten Jahre als Profi waren hart. „Es war damals ein schweres Brot, das seinen Mann kärglich ernährte. Ein glühender Ehrgeiz trieb mich an,“ hat Koch in seinem Buch festgehalten. Der Durchbruch kam 1902 bei den Weltmeisterschaften im Londoner Sporting-Club: Gleich bei seiner erstem WM-Teilnahme gewann er den Titel durch einen Sieg im Finale über den Belgier Omer de Bouillon – als erster deutscher Ringer überhaupt in dieser Gewichtsklasse. Es folgte ein zweiter WM-Titel, 1904 in Berlin über seinen Landsmann Heinrich Eberle errungen, drei Vize-Weltmeisterschaften und zwei Europameistertitel. Seinen letzten Auftritt auf der Matte hatte er 1914, als er in Frankfurt zur späten Revanche gegen Hermann Eberle antrat und zwei der drei Kämpfe verlor.

Kurze Zeit später begann der Erste Weltkrieg. Statt seinen Ruhm und das schwer verdiente Geld mit Ehefrau Helene (geborene Bernitt) – die ehemalige Artistin hatte er am 15. Dezember 1910 in Berlin geheiratet – in Neuss zu genießen, wurde der 44-Jährige als Landsturmmann einberufen. Am 21. März 1918 verstarb Jakob Koch. An einem Herzleiden, sagen die einen, an einer rätselhaften inneren Krankheit die anderen.

„Es waren wohl die Folgen des Krieges gepaart mit den Auswirkungen der spanischen Grippe, die damals Millionen Menschen in Europa das Leben kostete,“ mutmaßt Horst Faller. Der Neusser, einst Deutschlands bester Ringer-Kampfrichter, weiß (fast) alles über Jakob Koch. Seit 40 Jahren sammelt er Bilder und Dokumente zu diesem Thema, setzte sich außerdem nachdrücklich dafür ein, dass im September 2009 die ehemalige Carl-Diem-Straße am Südpark in Jakob-Koch-Straße umbenannt wurde – im Übrigen die einzige Straße in Neuss, die den Namen eines erfolgreichen Sportlers trägt.

Den 150 Geburtstag seines „Helden“ nimmt Horst Faller zum Anlass, seine Sammlung dem Neusser Stadtarchiv zu vermachen. „Hoch willkommen,“ sagt dessen Leiter Jens Metzdorf, der nach Sichtung des Materials eigentlich im Mai eine „kleine Kabinettausstellung“ zum Thema machen wollte. Die Folgen der Corona-Pandemie haben den Zeitplan erst einmal durcheinander gebracht, doch „aufgeschoben ist nicht aufgehoben,“ sagt Metzdorf. So gedenkt Neuss dann doch einem seiner großen Söhne, dem allerdings ein Traum verwahrt blieb: Er durfte 1901 nicht Schützenkönig werden – weil sein Wohnsitz außerhalb von Neuss lag.