Neusser Ringer gewinnt Silber beim Europäischen Jugend-Festival

Ringen : Drei Sekunden fehlen Nakaev zu Gold

Neusser Ringer wird Zweiter beim Europäischen Olympischen Jugend-Festival in Baku. Im Finale führt er gegen Lokalmatador Khasav Hasanli bis kurz vor Schluss. Der Dormagener Samuel Claudy wird Vierter im Weitsprung

Aserbaidschan hat sich fein gemacht. Und das nicht nur mit Blick auf die 3600 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, die die 9,8 Millionen Einwohner zählende Republik am Kaukasus als Gastgeber des 25. European Youth Olympic Festival (EYOF) noch bis Sonntag beherbergt. Sondern auch in sportlicher Hinsicht, denn die Gastgeber führen nach drei Wettkampftagen den Medaillenspiegel aller zehn Sportarten mit acht goldenen, fünf silbernen und drei bronzenen Medaillen an.

Das 120 Athletinnen und Athleten zählende Aufgebot des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) folgt auf Rang 16 mit zwei silbernen, neun bronzenen, aber keiner goldenen Medaille. Fast wäre es eine geworden am Dienstagabend. Denn Deni Nakaev, der sonst zu den Leistungsträgern im Ringer-Oberliga-Team des KSK Konkordia Neuss gehört, führte im Finalkampf der Gewichtsklasse bis 65 Kilogramm im griechisch-römischen Stil bis drei Sekunden vor Schluss mit 2:1. Und das, obwohl er in Khasav Hasanli auf einen der bärenstarken Lokalmatadoren traf, die zuvor schon zwei Gewichtsklassen für sich entschieden hatten.

Hasanli setzte deshalb zur Schlussattacke an – und holte tatsächlich noch die zwei Wertungspunkte, die ihn zum Sieger über eine enttäuschten Deni Nakaev machten. Keine Spur von Enttäuschung dagegen in der Heimat: „Dass er überhaupt das Finale erreicht, ist schon eine Sensation,“ sagt KSK-Ehrenpräsident Hermann J. Kahlenberg, der ob der Nachrichten aus Aserbaidschan schier aus dem Häuschen geriet. Die wurden ihm von KSK-Trainer Oleg Dubov übermittelt, der auf eigene Kosten zur Betreuung seiner Schützlinge – neben Nakaev noch Aaron Bellscheidt, der in der Klasse bis 55 Kilogramm Platz acht belegte – mit in die aserbaidschanische Hauptstadt Baku gereist war. „Der KSK Konkordia ist stolz auf Deni Nakaev und seine Ringer, die bisher eine glänzende Saison gerungen haben,“ stellt Kahlenberg fest. Und auch im offiziellen Pressedienst des DOSB heißt es: „Dennoch stellt der Gewinn der Silbermedaille einen großartigen Erfolg für den deutschen Nachwuchsringer dar, auch wenn dieser wohl noch etwas Zeit benötigen wird, um dies selbst anzuerkennen.“ Auf dem Weg ins Finale hatte Nakaev seine Gegner aus Kroatien, Litauen und Weißrussland klar beherrscht, im Halbfinale setzte er sich mit 2:0 gegen den Russen Jakhiev durch – um so bemerkenswerter, als der 17-Jährige sich im Frühjahr einer Kreuzband-Operation unterziehen musste.

Nur knapp an einer Medaille vorbei schrammte der dritte Vertreter aus einem Verein des Rhein-Kreises Neuss. Samuel Claudy (TSV Bayer Dormagen) belegte im Weitsprung mit 7,25 Metern Platz vier – zur Bronzemedaille fehlte dem Schüler des Sportinternats Knechtsteden nur ein Zentimeter. Die sicherte sich Tomislav Isailovic (Serbien) – und auch die beiden Erstplatzierten Oluwatosin Ayodeli (Österreich, 7,31 m) und Alexis Duvivier (Frankreich, 7,29 m) waren in Reichweite für den Dormagener, der mit seiner Bestweite von 7,57 Metern weiterhin die deutsche Jugend-Bestenliste (U 18) anführt. Ganz bitter: Erst im letzten Durchgang rutschte Claudy aus den Medaillenrängen.

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