Pferdesport : Neusser Rennbahn droht das Aus

Die Landesregierung streicht den Trabern und Galoppern insgesamt über eine Million Euro an Zuschüssen.

Jan Antony Vogel ist voller Sorge. Der Präsident bangt um die Existenz seines Neusser Rennvereins. Ohne jegliche Vorwarnung wurde den Pferdesportvereinen in Neuss, Düsseldorf, Köln, Dortmund, Krefeld, Gelsenkirchen, Mönchengladbach, Dinslaken und Mülheim am Montag ein Brief von der Landesregierung zugestellt.

Die Zuschüsse aus den Lotterieeinnahmen des "Spiel 77" sollen gestrichen, der Haushalt so um mehr als eine Million Euro entlastet werden. "Vereine, die ganzjährig Veranstaltungen haben, können das noch irgendwie schultern, bei uns geht es ums Überleben. Früher zahlte die staatliche Lotteriegesellschaft direkt an die Vereine. Vor ein paar Jahren ist das Geld in den Haushalt eingeführt worden", sagt Vogel.

Was die Verantwortlichen im nordrhein-westfälischen Pferdesport aufregt, ist der Zeitpunkt. "Ich kann verstehen, dass der Sport seinen Beitrag in wirtschaftlich angespannten Zeiten leisten muss. Aber es ist ein schwieriger Umgang, bei dieser Vorlaufzeit", erklärt Vogel. Das Problem für die Veranstalter ist vor allem, dass die Planungen für das kommende Jahr bereits abgeschlossen sind. In Neuss ist das erste Rennen für den 6. Januar angesetzt.

Doch es herrschen starke Zweifel, ob es tatsächlich dazu kommt. "Wir haben am kommenden Montag eine außerordentliche Vorstandssitzung. Stand heute habe ich keine Lösung parat. Es ist eine kaum zu stemmende Lücke", sagt Vogel. Das Geld aus dem "Spiel 77", einer Zusatzlotterie auf den gängigen Scheinen, ist seit Jahren fest eingeplant. Die Rennbahn muss in Schuss gehalten, Gebäude und Tribünen renoviert werden. "Die meisten Vereine brauchen die Beiträge in ihren sehr engen wirtschaftlichen Verhältnissen. Es sind keine Rücklagen vorhanden. Ziel ist eine ausgeglichene Bilanz", erklärt Vogel.

Pferdesport längst nicht so populär wie früher

Die Zeiten, als Journalistenikone Addi Furler den "Galopper des Jahres" in der ARD-Sportschau kürte, sind längst vorbei. Der Pferdesport hat stark an Popularität eingebüßt. Die sinkenden Wetteinnahmen, vor allem durch die neu hinzugekommenen Online-Wettanbieter, setzen den Trab- und Galoppvereinen zu. 1994 betrug die Gewinnausschüttung 144 Millionen Euro, im vergangenen Jahr waren es 34 Millionen. Das neue finanzielle Ungemach stellt die Betreiber der Rennbahnen vor schwierige Herausforderungen. "Für uns geht es dabei um einen Betrag von 140 000 Euro. Das ist ein großer Schock", erklärt Günter Gudert, Geschäftsführer des Düsseldorfer Reiter- und Rennvereins.

Das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen um Präsident Albrecht Woeste hat sich nun in einem Brief an den Chef der Staatskanzlei NRW, Franz-Josef Lersch-Mense, gewendet, um die Kürzung der Zuschüsse doch noch zu verhindern. "Die Prognosen sehen aber nicht gut aus", sagt Vogel.

(RP/jco)