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Handball: Neusser HV trotzt Fluch der Spitzenspiele

Handball : Neusser HV trotzt Fluch der Spitzenspiele

Mit großem Kampf dreht der Handball-Oberligist einen 12:17-Pausenrückstand gegen Borussia Mönchengladbach in einen 26:24-Sieg.

Jochen Kallenberg, in zahllosen Handballschlachten erprobter und gestählter Tausendsassa des Neusser HV, brachte das gestrige Oberliga-Spitzenspiel in der mit 600 Zuschauern proppevollen Hammfeldhalle auf den Punkt: "Ich sag's doch immer: Handballspiele dauern 60 Minuten."

Sprach's und machte in seiner Funktion als Zeitnehmer einen Haken unter den Spielbericht, der die Gastgeber am Ende als 26:24-Sieger über den bisherigen Tabellenzweiten Borussia Mönchengladbach aufwies, was sie selbst mit einem Zähler Rückstand auf Spitzenreiter TuSEM Essen II (hatte sich am Vorabend mit 31:29 beim TV Aldekerk durchgesetzt) auf jenen zweiten Tabellenplatz vorrücken ließ.

Danach hatte es zur Pause wahrlich nicht ausgesehen. Denn nach zwanzig Minuten, in denen sie die zumindest leicht tonangebende Mannschaft waren, verließen die Neusser plötzlich alle guten Handballgeister. Im Angriff vor allem auf den Halbpositionen viel zu statisch, im Passspiel oft zu nachlässig und in der Deckung nicht aggressiv genug, gerieten die Hausherren, die bereits 8:6 (14.) und 9:7 (16.) geführt hatten, beim 10:11 (21.) durch einen Gegenstoß von Daniel Panitz erstmals ins Hintertreffen.

NHV-Trainer René Witte reagierte, schickte nach einer Auszeit die bisherigen Langzeitverletzten Kai Funke und kurz danach auch Kim Neuenhofen aufs Feld. Ein – zunächst – untauglicher Versuch, denn Neuenhofen fehlte nach halbjähriger Zwangspause sichtlich die Bindung an seine Nebenleute. Und mit zwei Kreisläufern war den routinierten Gästen nicht beizukommen, die die zunehmende Verunsicherung auf Neusser Seite nutzten, um bis zur Pause einen scheinbar komfortablen 17:12-Vorsprung heraus zu werfen. Der "Fluch der Spitzenspiele" – der NHV hatte in den direkten Vergleichen des Führungsquartetts bislang nur einen Punkt gegen die Bergischen Panther geholt – schien wieder zuzuschlagen in der Hammfeldhalle. Doch Witte wäre nicht Witte, hätte er nicht noch zwei taktische Karten im Ärmel gehabt: Für den nur bei Gegenstößen gut aufgelegten, bei Würfen aus dem Rückraum allerdings extrem schwachen Nico Nothen beorderte er im zweiten Durchgang den zuvor bereits bei zwei Siebenmetereinsätzen erfolgreichen Max Jäger zwischen die Pfosten. Und er ließ die Halbpositionen nun offener decken, was dem Innenblock mit dem im Abschluss glücklosen Andreas Mailänder und dem sich stetig steigernden Kim Neuenhofen weitaus mehr Effektivität verlieh.

Die Folge: Den Gladbachern inklusive Trainer Zoran Cutura fiel wenig dagegen ein. Genau eine Viertelstunde (!) benötigten die Gäste für den ersten (!) Treffer nach der Pause durch Tim Crone – da waren die Neusser mit einem 7:0-Lauf bereits auf 19:17 enteilt. Einen Vorsprung, den sie nicht mehr hergaben, auch wenn Borussia die Schlussphase wieder als offenen Schlagabtausch gestaltete. Am Ende konnten sich die Neusser bei drei Spielern bedanken: Abwehrchef Kim Neuenhofen, Torhüter Max Jäger für zehn Paraden in 30 Minuten und Kreisläufer Philip Schneider, der, als Gladbach wieder bis auf ein Tor herangekommen war, die letzten beiden Versuche sicher verwandelte. "Die Mannschaft hat sich selbst belohnt", befand René Witte anschließend. Und ihn auch: Heute fliegt er für drei Tage zur Handball-WM nach Spanien. Vielleicht verrät er Bundestrainer Martin Heuberger dabei ein Rezept, wie man Rückstände erfolgreich dreht.

(NGZ)