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Handball: Neusser HV schlägt sich am Ende selbst

Handball : Neusser HV schlägt sich am Ende selbst

Unglücklich, aber nicht unverdient verliert der Neusser HV das Spitzenspiel gegen TuSEM Essen II in letzter Sekunde

Handballspiele, man kann es nicht oft genug sagen, dauern exakt 60 Minuten. Wer sich dreieinhalb Minuten zu früh wie der sichere Sieger fühlt wird oft genauso bestraft wie der, der in der Schlusssekunde nicht aufpasst.

So ging es gestern Abend dem Neusser HV: Ein Schlagwurf von Florian Bach aus eher unüblicher Distanz bescherte den da nur zu fünft auf dem Parkett stehenden Youngstern von TuSEM Essen II den zwar glücklichen, aber keineswegs unverdienten 29:28-Sieg (10:12), mit dem die Bundesliga-Reserve weiter ohne Niederlage die Tabelle der Oberliga Niederrhein anführt.

Die Gastgeber hingegen, die eine Halbzeit lang wie das bessere und abgeklärtere Team wirkten, sich dann aber durch zu viele Undiszipliniertheiten im Deckungsverbund und zu viele riskante (und selten gekonnte) Anspiele im Angriff selbst aus der Erfolgsspur brachten, kassierten die erste Niederlage seit dem 21:27 bei Borussia Mönchengladbach am ersten Spieltag.

Waren sie da gegen einen der Aufstiegsanwärter noch chancenlos gewesen, agierten sie gestern Nachmittag gegen den anderen durchaus auf Augenhöhe. Weshalb sie zurHalbzeit auch verdient mit 12:10 in Front lagen, eigentlich schon deutlicher hätten führen müssen. Die leichten Fehler kurz vor der Pause, die das verhinderten, häuften sich in Durchgang zwei, selbst eine zwischenzeitliche Vier-Tore-Führung (18:14, 38.) brachte nicht die Ruhe zurück, die die Gastgeber am Anfang auszeichnete. Zum Knackpunkt sollte die recht harte Rote Karte werden, die sich Düzgün Durkaya nach 43 Minuten einhandelte.

Danach bekam der NHV seine Deckung nicht mehr dicht, ließ auch der bis dahin bärenstarke Nico Nothen zwischen Pfosten nach. Die Folge: Die von Mark Dragunski trainierten Gäste glichen aus (45.) und gingen beim 21:20 durch Florian Bach (47.) erstmals seit dem 8:6 wieder in Führung. Jetzt verlor auch NHV-Trainer René Witte ein wenig die Übersicht: Dass er Nothen nach 50 Minuten gegen Max Jäger auswechselt, war sicher nicht falsch. Doch der bekommt nicht einen Ball zu fassen — spätestens nach seiner Auszeit hätte er Nothen wieder zwischen die Pfosten schicken müssen. Die kam ohnehin reichlich spät, denn da war TuSEM schon auf 26:22 (53.) enteilt.

Dass der NHV überhaupt noch einmal die Chance auf zumindest einen Punktgewinn serviert bekam, lag am zu ungestümen Auftritt der Essener Defensive: Erst sieht Marvin Leisen nach hässlichem Foul an Viktor Fütterer Rot (54.), 25 Sekunden vor Schluss folgt ihm Lukas Ellwanger auf die Tribüne. Drei Siebenmeter des kurz zuvor noch vom Punkt gescheiterten Simon Schlösser und ein Treffer von Fütterer bringen den NHV wieder auf 28:28 heran — doch dann erspäht Florian Bach die Lücke in der Neusser Deckung und lässt mit seinem Schlagwurf auch Max Jäger alt aussehen.

(NGZ/rl)