1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Handball: Neusser HV liefert sein Gesellenstück ab

Handball : Neusser HV liefert sein Gesellenstück ab

Gleich im ersten Heimspiel nach dem Aufstieg in die Dritte Handball-Bundesliga gelingt dem Neusser HV die Sensation: Beim 31:30 über Titelanwärter Wilhelmshavener HV zeigt der Neuling die wohl beste Leistung seiner Vereinsgeschichte.

René Witte ist ein mit allen Handballwassern gewaschener Fuchs. Deshalb trat, während sich rings um ihn herum 400 Anhänger des Neusser HV freudetrunken in den Armen lagen, der Trainer des Drittliga-Neulings gleich kräftig auf die so genannte Euphorie-Bremse: "Das waren unsere ersten zwei Punkte", kommentierte der gebürtige Eisenacher den 31:30-Sensationssieg (Halbzeit 14:14) über den als Titelanwärter gehandelten Wilhelmshavener HV im ersten Heimspiel nach dem Aufstieg, "aber zwei reichen nicht zum Klassenerhalt."

René Witte ist ein mit allen Handballwassern gewaschener Fuchs. Deshalb holte er elf Minuten vor dem Schlusspfiff den bis dahin selbst in den Augen von Gästetrainer Christian Köhrmann "überragend starken" Nico Nothen auf die Bank und schickte Max Jäger zwischen die Torpfosten. Mit Erfolg: Der 23-Jährige wehrte drei Würfe von frei vor ihm auftauchenden Wilhelmshavenern ab, ermöglichte so seinen Vorderleuten, sich vorentscheidend auf 28:25 (54.) abzusetzen und trieb Christian Köhrmann in die Verzweiflung: "Wenn man schon frei steht, dann muss man die Dinger auch 'reinmachen."

René Witte ist ein mit allen Handballwassern gewaschener Fuchs. Deshalb ließ er am Anfang Jens Todtenhöfer auf der Angriffsmitte Regie führen, wohlwissend, dass Simon Schlösser zuletzt unter hohem Erwartungs- und Erfolgsdruck stets Nerven gezeigt und Fehler produziert hatte. Mit Erfolg: Todtenhöfer verlieh dem NHV die nötige Ruhe, die es braucht, um gegen ein individuell viel stärker besetztes Team wie den Wilhelmshavener HV erst einmal ins Spiel zu kommen. Und als ihm kurz vor der Pause die Luft auszugehen drohte, konnte er einen angesichts des ausgeglichenen Spielstandes vom Druck befreiten und entspannt wirkenden Simon Schlösser als frische Kraft in die Schaltzentrale schicken.

Witte reagierte auch prompt, als früh abzusehen war, dass Andreas Mailänder gegen die Gästedeckung immer einen Tick zu langsam war und es so dem eher durchschnittlichen WHV-Keeper Björn Broeckerhoff leicht machte, seine Würfe zu entschärfen. Nach 16 Minuten – der slowakische Nationalspieler Lukas Kalafut hatte gerade für den WHV auf 9:7 erhöht und damit Witte zur ersten Auszeit genötigt – beorderte er den sonst nur in der Deckung eingesetzten Thomas Bahn im Angriff auf die linke Rückraumposition. Mit dem durchschlagenden Erfolg, dass dem aus Weiden gekommenen Blondschopf drei Treffer gelangen. Später, als die Gäste müder und dadurch langsamer wurden, durfte dann Andreas Mailänder wieder 'ran – und brachte mit seinen Treffern zum 20:20 und 21:20 (43.) den zuvor stets einem Zwei-, beim 15:18 (36.) und 16:19 (39.) sogar Drei-Tore-Rückstand hinterherlaufenden NHV wieder in Vorlage.

René Witte ist ein mit allen Handballwassern gewaschener Fuchs. Deshalb beanspruchte der Trainer auch den Löwenanteil am Erfolg nicht für sich und seine taktischen Winkelzüge, die im Gegensatz zu denen seines weitaus prominenteren Kollegen – Christian Köhrmann bestritt 166 Bundesliga-Spiele für den WHV – ausnahmslos fruchteten. Sondern lobte die "Super-Mannschaftsleistung", aus der mit dem zehnfachen Torschützen Christopher Klasmann und Torhüter Nico Nothen zwei Akteure leicht herausragten.

Und weil er im Trainergeschäft trotz seiner erst 34 Lebensjahre schon ein alter Fuchs ist, ließ sich Witte auch nicht von der höchstens durch die eher bescheidene Zuschauerzahl leicht gedämpften Euphorie im Neusser Lager anstecken: "Wenn wir immer so spielen wie heute", sagt der Trainer, "dann können wir unser Ziel erreichen. Aber wir werden nicht immer so spielen."

(NGZ)