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Handball: Neusser HV fehlt gegen Krefeld der kühle Kopf

Handball : Neusser HV fehlt gegen Krefeld der kühle Kopf

Zu viel Hektik, zu viele Fehlwürfe, zu wenig Einsatz in der Deckung – Drittliga-Aufsteiger Neusser HV unterliegt Krefeld verdient mit 26:28.

Zu viel Hektik, zu viele Fehlwürfe, zu wenig Einsatz in der Deckung — Drittliga-Aufsteiger Neusser HV unterliegt Krefeld verdient mit 26:28.

Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, hätten Christian und David Hannes nicht nach acht Minuten und 46 Sekunden die Rote Karte Richtung Gerrit Kuhfuss gezückt. Denn die zwar harte, dennoch vertretbare Entscheidung der jungen, trotzdem souverän leitenden Schiedsrichter-Brüder dezimierte zwar das Aufgebot der Gäste um den einzig einsatzfähigen Kreisläufer.

Doch sie schien den ohnehin hochmotiviert auftretenden "Rest" der HSG Krefeld zusätzlich zu beflügeln. Schlimmer noch aus Sicht der Hausherren: Sie versetzte den Neusser HV in eine Art Schockstarre, aus der sich der Drittliga-Aufsteiger erst Mitte der zweiten Halbzeit lösen konnte. Und obwohl sich der NHV bis auf 24:24 (53.) herankämpfte, war das zu spät, um der Partie noch eine Wende zu geben.

So stand unterm Strich eine verdiente, allerdings vermeidbare 26:28-Niederlage (Halbzeit 11:15), die den Neuling wieder tief in den Abstiegssumpf hineinrutschen lässt. Vermeidbar, weil die Neusser nicht das aufs Parkett der mit knapp 600 Zuschauern gut gefüllten Hammfeldhalle brachten, was sie zuletzt gezeigt hatten. Sondern wieder in alte Verhaltensmuster verfielen: Ängstlich in der Deckung, fahrig im Spielaufbau, unkonzentriert im Abschluss — die zwar packende, aber insgesamt niveauarme Partie ähnelte über weite Strecken fatal dem mit 20:22 verlorenen Aufstiegs-Heimspiel gegen die HSG Rheinbach-Wormersdorf.

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Das war auch René Witte nicht verborgen geblieben: "Wir waren in der ersten Halbzeit vor allem in der Deckung überhaupt nicht präsent", befand der Neusser Trainer. Bezeichnend, dass es die erste Zeitstrafe gegen die Hausherren erst nach 44 Minuten gab — und die noch nicht einmal für eine Abwehraktion. "Doch hinten holst du dir die Sicherheit für vorne" — Wittes Handball-Philosophie passte auch am Samstagabend. Nur eben unter umgekehrten Vorzeichen. Denn "vorne" leisteten sich die Neusser viel zu viele Fehler und Fehlwürfe: 24 hatte Witte notiert, 19 davon entschärfte Philipp Ruch, der Rest fand nicht mal den Weg in Richtung des vom ehemaligen Korschenbroicher gehüteten Gehäuses. Und weil ihn die eigene Deckung meist im Stich ließ, fand auf der anderen Seite Nico Nothen (12 Paraden) nicht zur überragenden Form der Vorwochen.

Witte sah trotzdem Positives. Erstens: "Die Jungs haben nie aufgesteckt", sagte er zur — allerdings vergeblichen — Aufholjagd, die aus einem 19:23 (46.) ein 24:24 (53.) werden ließ. Doch weil danach wieder der kühle Kopf fehlte, drehten die massiv mit den Schiedsrichtern hadernden Gäste — "wir haben nicht nur gegen den Gegner und die eigenen Nerven, sondern gegen zwei Herren kämpfen müssen, die alles gegen uns gepfiffen haben", meinte Trainer Olaf Mast — die Partie erneut in die andere Richtung.

Zweitens: "Wir sind mit einer solch gut besetzten Mannschaft wie Krefeld auf Augenhöhe", schlussfolgerte Witte aus dem engen Spielverlauf. Was drittens auch daran lag, dass Simon Schlösser (7 Tore) ein starkes Comeback feierte. Dass es trotzdem nicht zum Happy-End reichte, hatte der NHV freilich ganz alleine sich selbst zuzuschreiben.

(NGZ)