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Galopp: Neusser Galopper verbreiten Zuversicht

Galopp : Neusser Galopper verbreiten Zuversicht

Auch ohne den Traditionstermin zu Silvester blickt der Neusser Reiter- und Rennverein ausgesprochen zuversichtlich auf die am Sonntag beginnende Wintersaison. Rennen auf der Grasbahn wird es in absehbarer Zeit jedoch keine geben.

Jan Antony Vogel käme als Sportdirektor eines Fußball-Bundesligisten bestens zurecht. Die Zuversicht, die der Präsident des Neusser Reiter- und Rennvereins sechs Tage vor Beginn der Wintersaison auf der Galopprennbahn zu vermitteln versucht, klingt nämlich verdächtig nach einschlägigen Durchhalteparolen im Abstiegskampf.

Selbst dass die Bahn am Hessentor erstmals nicht aus umbau- oder witterungstechnischen Gründen, sondern des schnöden Umsatzes wegen auf den Traditionstermin zu Silvester verzichten muss (die NGZ berichtete), ficht den Rechtsanwalt mit Faible für Vierbeiner nicht an: "Der Renntag am 2. Weihnachtstag ist eh stimmungsvoller und besser besucht", stellt Vogel klar.

Der 26. Dezember ist einer von acht Terminen, an denen der Rennverein zwischen 2. Dezember und 3. März auf Besuch und Umsatz im "Rennbahn-Park" hofft. Wohlwissend, dass die äußeren Umstände zwar für Pferde und Jockeys akzeptabel sind — Geläuf, Startmaschine und Führring wurden gestern von der Rennbahnprüfungskommission des Dachverbandes abgenommen und für gut befunden — , den Besucher aber nicht gerade verwöhnen.

Immerhin muss er künftig, will er den Renntag im Restaurant "Equipe" erleben, nur noch fünf statt zehn Euro Eintrittsgebühr berappen. Dass die Rennen von dort nur auf den Bildschirmen, nicht aber "live" zu sehen sind, dass bei Regenwetter die Frischluft-Zuschauer weiterhin im Feuchten stehen, weiß auch Vogel: "Aber um an den baulichen Gegebenheiten etwas zu verändern, fehlen sowohl uns als auch unserem Verpächter, der Neuss Marketing, die finanziellen Möglichkeiten. Trotzdem versuchen wir, gemeinsam mit den Gastronomen das Beste aus der Situation zu machen." Dazu gehört auch eine neue Umgebung für die Kinderbetreuung in der alten Wetthalle.

Geld fehlt auch für die Instandsetzung der Grasbahn. Zumal es mit Erd- und Grasarbeiten nicht getan ist. "Um dort Rennen zu veranstalten, müssten wir neue Innenrails installieren", sagt Vogel, "damit ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen." Als Alternative wären Frühjahrs- oder Sommerrenntage auf der Sandbahn abends unter Flutlicht denkbar. "Wir prüfen, ob es dafür freie Termine und einen Markt bei Sponsoren und Trainern gibt", so Vogel.

Denn zur Wintersaison schießt der Galopperdachverband, in dessen Präsidium Vogel sitzt, insgesamt 600 000 Euro für die Veranstaltungen in Dortmund und Neuss bei. Sommerrenntage müsste der Verein hingegen frei finanzieren, was mit 25 000 Euro pro Veranstaltung zu Buche schlägt. "Wir stehen unter dem Diktat der Wirtschaftlichkeit", sagt der Präsident, "rote zahlen wie in der Vergangenheit dürfen und wollen wir nicht schreiben."

Gar nicht so einfach angesichts der allgemeinen Lage im deutschen Galopprennsport. "Ein bisschen ausgedünnt", nennt der in Neuss erfolgreich als Trainer tätige Axel Kleinkorres mit dem ihm eigenen Understatement die Situation in der Brance, um dann konkreter zu werden: "Die Trainer sterben aus. Ich könnte im Moment auf jeder Bahn in Deutschland einziehen, das gab es noch nie."

(NGZ/rl)