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Rudern: Neusser Achter will die Themse erobern

Rudern : Neusser Achter will die Themse erobern

Als eines von 320 Booten geht der Frauenachter des Neusser Rudervereins am Samstag beim traditionsreichen "Women's Head of the River Race" in Herzen von London an den Start. Trainiert wurde dafür im Neusser Hafen auch bei Minusgraden.

Neuss Ein bisschen nervös seien sie schon, gibt Schlagfrau Susanne Angenendt zu. Wer will es der Frauencrew des Neusser Rudervereins auch verdenken? Schließlich ist das Rennen, zu dem sie sich morgen per Kleinbus und Bootsanhänger auf den Weg machen, kein alltägliches.

Denn erstmals in der Geschichte des Rudervereins, der 2014 sein hundertjähriges Bestehen feiert, geht eine rein Neusser Mannschaft am Samstag beim "Women's Head of the River Race" im Herzen der Londoner City an den Start. Das ist zwar noch nicht ganz so alt wie der NRV, wird aber schon seit 1927 ausgetragen (nur unterbrochen zwischen 1939 und 1950 durch den Zweiten Weltkrieg).

Zum Auftakt maßen nur die Frauenachter des Weybridge ARC und des ACE ihre Kräfte im direkten Vergleich. Am Samstag sieht das anders aus: 320 Boote aller Alters- und Leistungsklassen gehen zwischen 14.30 Uhr und 15.23 Uhr (Ortszeit, MEZ eine Stunde später) im Abstand von zehn Sekunden auf die Strecke zwischen dem University Pole in Chiswick und dem Pier in Putney. Die ist genau vier Meilen und 374 Yards (etwa 6,8 Kilometer) lang und entspricht exakt dem Kurs, den die Boote im berühmtesten Ruderrennen der Welt, dem zwischen Oxford und Cambridge, zurücklegen.

Zwischen 18 und 22 Minuten, schätzt der Veranstalter, wird das schnellste Boot brauchen, abhängig von der Wetterlage und dem daraus resultierenden Zustand des Wassers. "Hoffentlich ist es nicht zu windig, dann wird es nämlich schwierig, zu navigieren", sagt Susanne Angenendt. So war es vor vier Jahren, als einige Neusserinnen in einer Renngemeinschaft mit Düsseldorf schon einmal beim "Head of the River" starteten. Damals sprangRang 70 heraus, "diese Platzierung möchten wir am Samstag verbessern", sagt die Schlagfrau, die auch bei den "Rheinsprintern", dem gemeinsamen Projekt von Neusser RV und RC Germania Düsseldorf in der Ruder-Bundesliga, aktiv ist. Um dieses Ziel zu erreichen, haben Susanne Angenendt, Patricia Ogger, Nicole Geerkens, Ute Jennrich, Felina Landwehr, Simone Schmitz-Spanke, Franziska Horbach, Anja Cellar und Steuerfrau Kathi Golüke in den vergangenen Wochen hart trainiert. "Bei den eisigen Temparturen war das nicht immer ein Vergnügen", sagt Susanne Angenendt.

Doch um auf der Themse dabei zu sein, nimmt frau solche Bedingungen gerne in Kauf. Schließlich besitzt das Rennen im Ruder-verrückten Großbritannien einen hohen Stellenwert. So säumen in jedem Jahr Tausende von Zuschauern die Treidelpfade entlang des Ufers oder verfolgen das Rennen von den Brücken in Barnes und Hammersmith. Letztere empfiehlt der Veranstalter ebenso wie das Putney Embankment als günstigen Standort für Schaulustige "wegen der Nähe zu zahlreichen Pubs und Restaurants."

Susanne Angenendt wird sich vor und nach dem Rennen genau umschauen, um vielleicht ein paar Anregungen mit nach Neuss zu bringen. Denn in seinem Jubiläumsjahr plant der NRV ein "Ruder-Event" im Hafenbecken I. "Eine Regatta in Sichtweite vom Haus am Pegel und dem UCI-Kino, das hätte doch 'was", sagt die erfahrene Schlagfrau.

Denkbar wäre auch, dass sich Neuss um ein Rennen der Ruder-Bundesliga 2014 bewirbt. Doch weil da in den Achtel- und Viertelfinalläufen vier Achter nebeneinander starten, könnte es im Hafenbecken ein wenig eng werden. Das "Head of the River Race" wird deshalb als Rennen auf Zeit ausgetragen, in das die Neusser mit der Startnummer 67 gehen. Am Freitag steht noch ein Training auf der Regattastrecke auf dem Programm – spätestens dann wird die Nervosität noch ein bisschen steigen.

(NGZ)