Lokalsport: Neuss ist mit Göttingen noch nicht fertig

Lokalsport : Neuss ist mit Göttingen noch nicht fertig

Im zweiten Play-off-Spiel der Halbfinalserie um den Aufstieg in die Basketball-Bundesliga brauchen die TG Tigers heute Abend im Heimspiel gegen die BG 74 Veilchen Ladies unbedingt einen Sieg. "Wir sind bereit", sagt Trainerin Janina Pils.

Die Play-offs sind kein Ort für Kleinmütige. Und darum sind die Zweitliga-Basketballerinnen der TG Neuss auch ganz und gar nicht in Abschiedsstimmung. Na klar, geht nach der am Ende viel zu deutlichen 64:74-Niederlage in Göttingen heute Abend (Anpfiff 19.30 Uhr) in heimischer Elmar-Frings-Halle an der Bergheimer Straße auch das zweite Match der Halbfinalserie verloren, sind die Tigers raus. Aber daran verschwendet Trainerin Janina Pils im Vorfeld der Partie keinen Gedanken: "Wenn du in Göttingen 36 Minuten mithältst, kannst du auch zu Hause gewinnen." Was spricht für Neuss? Im ersten Duell überraschten die Tigers den Hauptrunden-Meister, lagen noch im Schlussviertel (34. Minute) vorne. Mit größerem Abstand relativiert die Neusser Trainerin auch das direkt nach der Partie gefällte Urteil, ihre Mädels hätten sich ausgerechnet in der Crunch-Time die schlechteste Phase des Abends geleistet. "Das stimmte so gar nicht. Das war ein Problem der Spielzeit, die ist uns am Schluss einfach weggelaufen. Hätten wir einfach normal weiterspielen können, hätten wir vielleicht gar nicht verloren, denn wir lagen ja nur mit drei Punkten zurück." Trotz der Niederlage sah sie ihr Team bestens auf den Gegner vorbereitet: "Wir haben einen guten Job gemacht und die Dinge umgesetzt, die wir umsetzen wollten." Zudem spielen die Tigers nun zu Hause. An der Bergheimer Straße gelangen in der Hinrunde immerhin Siege über die Topteams aus Wolfenbüttel und Osnabrück. Was spricht gegen Neuss? Die erste Fünf der Veilchen ist überragend. Weil seine vier Profis und die talentierte Jennifer Crowder im Aufbau verlässlich abliefern, muss Trainer Giannis Koukos das Basketballspiel nicht neu erfinden. Oder wie es Janina Pils auf den Punkt bringt: "Göttingen verlässt sich einzig und allein auf die individuelle Stärke." Als Beweis dient ihr das Hinspiel: Alissa Pierce (20), Katarina Flasarova (16), Verdine Warner (15), Crowder (10) und Inesa Visgaudaite (9) ließen ihren Mitspielerinnen gerade mal vier Punkte übrig. Eigentlich ein Nachteil, weil es ein Team ausrechenbar macht. "Aber wenn du fünf Leuten gleichzeitig was wegnehmen willst, funktioniert das nicht", gibt Janina Pils zu bedenken.

Schon gleich gar nicht, wenn sich in der gegnerischen Truppe eine Akteurin befindet, die aufgrund ihrer körperlichen Vorzüge kaum zu verteidigen ist. So sei Verdine Warner stets für ein Double-Double (zweistellige Werte in zwei statistisch erfassten Kategorien) gut, sagt Pils und fügt übertreibend hinzu: "Sie ist ein Garant für zehn Punkte, einfach weil sie fünf Meter groß ist." In Wahrheit misst die in Trinidad und Tobago geborene Centerin 1,96 Meter, was sie im Damen-Basketball immer noch zu einer wahren Gigantin macht.

Was sagt der Gegner? Göttingens impulsivem Coach Giannis Koukos ist natürlich nicht entgangen, dass seine Schützlinge im Hinspiel große Probleme mit den bestens präparierten Tigers hatten. "Aber wir hatten nicht unseren besten Tag", beruhigt er und verspricht für das zweite Spiel: "Auch wir haben noch ein paar Optionen in der taktischen Aufstellung." Im Interview mit dem StadtRadio Göttingen sagte Göttingens Guard Fee Zimmermann: "Ich finde, wir hatten gar nicht so einen schlechten Tag - Neuss hatte einen sehr guten Tag." Eine Ansicht, die sich im Übrigen hundertprozentig mit der von Janina Pils deckt.

Und die Tigers? Wie sich das anfühlt, wenn nach der zweiten Play-off-Niederlage plötzlich alles vorbei ist, erfuhren die Neusserinnen im Vorjahr, als sie in zwei Partien am Wolfpack Wolfenbüttel scheiterten. Auch wenn der Aufstieg ins Oberhaus im Gegensatz zur Konkurrenz nie das erklärte Ziel der Tigers war, möchte Janina Pils ihren Mädels diesen trostlosen Abgang gerne ersparen. "Ich würde mir für die Mannschaft sehr wünschen, dass die Saison noch mindestens eine Woche weitergeht. Das hat sich die Mannschaft verdient."

(NGZ)
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