Hockey : Neuss fehlt am Ende die Kraft

55 Minuten sah es nach einem fast perfekten Hockey-Wochenende für die Damen des HTC Schwarz-Weiß Neuss aus. Weil dann jedoch bei den Leistungsträgerinnen die Kräfte nachließen, machte der Münchner SC aus einem 1:3-Rückstand am Sonntagmittag an der Jahnstraße noch einen 4:3-Sieg

Es gibt Sportweisheiten von unumstößlicher Gültigkeit. Eine davon lautet: Wer seine (Tor-) Chancen nicht nutzt, wird am Ende dafür bestraft. Dass dies auch im Falle der Damenhockey-Bundesliga zutrifft, musste der HTC Schwarz-Weiß Neuss Sonntagmittag im zweiten Saisonspiel angesichts einer 3:4-Niederlage (Halbzeit 2:1) gegen den Münchner SC schmerzlich erfahren.

Eine Erfahrung, aus der die Schützlinge von Trainer Simon Starck möglichst schnell ihre Lehren ziehen sollten. Denn nach einer zu diesem Zeitpunkt vollauf verdienten 3:1-Führung (43.) zogen sie ein regelrechtes Powerplay vor dem Gehäuse der Münchner Torhüterin Kim Platten auf. Das muss nicht unbedingt die schlechteste Taktik sein, um einen Vorsprung über die Zeit zu bringen.

Nur: Erstens sollte man die sich aus einer solch drückenden Überlegenheit fast zwangsläufig ergebenden Tormöglichkeiten tunlichst nutzen, um den berühmten "Sack" zu zu machen. Und zweitens sollte man mit seinen Kräften so haushalten, dass sie möglichst bis zum Schlusspfiff halten.

Neuss tat am Sonntag beides nicht. Drei Chancen der Sorte "Hochkaräter" versiebten die Schwarz-Weißen zwischen der 47. und 56. Minute: Erst verpasst Luisa Steindor, der alles überragende Dreh- und Angelpunkt im Neusser Spiel, die Plastikkugel nur knapp (47.). Dann klärt Kim Platten gegen die chilenische Nationalspielerin Javiera Villagra (53.). Und drei Minuten später rettet die Münchner Torhüterin noch einmal spektakulär gegen einen Rückhandschuss von Katja Plauk.

Dass im direkten Gegenzug Mia Sehlmann den Anschlusstreffer nach der dritten Strafecke der Gäste erzielte, sollte mehr als nur ein Warnschuss für die Schwarz-Weißen sein. Denn die waren im zweiten Spiel innerhalb von 22 Stunden mit ihren Kräften und in der Folge auch mit ihrem Hockey-Latein am Ende. München hatte leichtes Spiel, um mit der fünften Ecke durch Hannah Krüger (62.) zum Ausgleich zu kommen.

Und nur drei Minuten später marschierte Hayley Brown durch die in völliger Auflösung begriffene Neusser Hintermannschaft und schob zum glücklichen, aber nicht einmal unverdienten Siegtreffer für den MSC ein. Da rächte sich auf Neusser Seite nicht nur die mangelnde Chancenverwertung, sondern auch die Tatsache, dass die (zu) wenigen Leistungsträgerinnen im Kader ohne Verschnaufpause durchspielen müssen. Die drei Treffer durch Nadine Ritterbach (5.) nach der ersten kurzen Ecke und von Luisa Steindor mit den Ecken zwei (35.) und drei (43.) besaßen so nur statistischen Wert. Eine weitere Sportweisheit besagt: Wer solche Spiele verliert, hat's schwer im Kampf um den Ligaverbleib.

(NGZ/ac)