Jüchen : Neues Heim für "Findelschafe"

Zwei Moorschnucken, die im Juni in Wey gefunden wurden, haben eine neue Herde. Gianmaria Mossa, Schäfer aus Dormagen, nimmt die Findlinge auf. Ihr Winterquartier wird eine frühere Kaserne in Grevenbroich sein.

Gestern nannten sie noch eine Wiese in Wey ihr Zuhause. Heute sind die Moorschnucken aus Jüchen in einen Transporter verladen worden und umgezogen. Für die Tiere ein guter Tag, denn sie gehören ab sofort zur großen Herde von Gianmaria Mossa (57), Schäfer aus Dormagen. "Erst werden die beiden Neuen wohl misstrauisch beäugt werden, sie sind ja fremd. Aber in 14 Tagen werden sich die Tiere aneinander gewöhnt haben." Mossa hat Erfahrung mit unterschiedlichen Fundtieren — mal Ziegen, mal Schafe. Er freut sich auf die Neuzugänge aus Jüchen: "Sie passen perfekt in meine Herde."

Freilaufende Schafe, die niemand haben will — einen solchen Fall hat es in der Landgemeinde bisher noch nicht gegeben. Am 12. Juni waren die Tiere plötzlich in der Ortschaft Wey aufgetaucht. Ob Dieben ihre Beute dort entwischt war oder ob der bisherige Besitzer die Moorschnucken absichtlich "verloren" hat — darüber konnten die Kreispolizei und auch die Gemeindeverwaltung nur spekulieren. "Die Tiere trugen keinen Chip im Ohr. Der Eigentümer konnte deshalb nicht ermittelt werden", so Rathaus-Sprecher Norbert Wolf.

"Da wird doch öfter durchgezählt"

Nachdem sich in den vergangenen fünf Monaten niemand für die Tiere interessiert hat, vermutet Wolf jetzt, dass sie bewusst ausgesetzt worden. "Dass etwa ein Schäfer nicht merkt, wenn ihm Tiere fehlen, ist unwahrscheinlich. Da wird doch öfter mal durchgezählt."

Tiere ohne Besitzer: Das bedeutet für die Gemeinde, dass sie sich um deren Versorgung kümmern muss — zumindest ein halbes Jahr, in dem sich der Eigentümer hätte melden können. Für die Wollknäuel mit den bernsteinfarbenen Augen hatte die Gemeindeverwaltung zunächst den Umzug in das Tierheim Oekoven geplant — doch dann boten Gaby und Georg Hofmann aus Wey überraschend als Pflegefamilie an. Auf ihrer Wiese konnten die Schnucken untergebracht werden. Doch dauerhaft musste, auch wegen des nahenden Winters, ein anderes Zuhause gefunden werden — und das ist bei Gianmaria Mossa.

Bis zum ersten Schnee werden die Schafe wohl draußen bleiben. Die insgesamt 300 Tiere zählende Herde ist vorher auf Wiesen und Streuobstwiesen anzutreffen — und hält als lebendiger Rasenmäher den Grünwuchs klein. "Nach dem ersten Schnee finden die Tiere kein Grün mehr, dann kommen sie in den Stall", erzählt Gianmaria Mossa. Dieser ist künftig in Grevenbroich-Kapellen zu finden. Dort wurde eine ehemalige Nato-Kaserne hergerichtet — als Winterquartier für die um die "Findelschafe" gewachsene Herde.

(NGZ)