Jüchen : Neuer Turm für Priesterath

Brandstifter hatten den alten Glockenturm in Priesterath vollständig zerstört – für viele ältere Priesterather ein Symbol ihrer Heimat vor der Umsiedlung. Jetzt wurden der neue Turm und die neue Glocke eingesegnet.

Brandstifter hatten den alten Glockenturm in Priesterath vollständig zerstört — für viele ältere Priesterather ein Symbol ihrer Heimat vor der Umsiedlung. Jetzt wurden der neue Turm und die neue Glocke eingesegnet.

Foto: E. Cremer

Ein Schrecken für alle Priesterather: Am 1. September 2010 stand der Glockenturm meterhoch in Flammen, vermutlich durch fahrlässige Brandstiftung. Durch die Zerstörung des Turmes ging für viele Priesterather eine wertvolle Erinnerung an Alt-Priesterath in Flammen auf. Klar war jedoch von der ersten Minute an, dass es einen neuen Turm mit einer neuen Glocke geben wird. Jetzt war es so weit: Der neue Glockenturm erhielt den Segen von Regionaldekan Ulrich Clancett. Den evangelischen Pfarrer Horst Porkolab vertrat Joachim Schuhfuß, Mitglied des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Jüchen.

Zuvor versammelten sich viele, vor allem ältere Priesterather, im Bürgerhaus, um bei Sekt auf das Ereignis anzustoßen. "Die Wiedererrichtung ist sehr wichtig für das Dorf. Der Turm ist seit Jahren ein Wahrzeichen", so Joachim Schiffer (48), der Geschäftsführer der Dorfgemeinschaft. Für den ursprünglichen, rund acht Meter hohen Turm gab es nach dem Brand keine Rettung mehr. Ebenso sei die Glocke porös und geschwärzt gewesen, deshalb musste eine neue gegossen werden. Warum der Turm für die Priesterather so wichtig ist, weiß Präsident Dirk Schlösser (42): "Er ist Identifikationspunkt für die Bürger."

Der Klang der 50 Jahre alten St.-Josef-Glocke heißt für zahlreiche Bewohner des 120-Menschen-Dorfes Heimat. Besonders viele Alt-Priesterather waren traurig über den Verlust: Denn der Glockenturm war eine schöne Erinnerung an das alte Dorf, das 1989 dem Tagebau weichen musste. Dort hatte der Turm am alten Schulhof gestanden.

Um diese Erinnerung so schnell wie möglich wieder herzustellen, wurde die Dorfgemeinschaft bereits kurz nach dem Brand aktiv und plante das neue Bauwerk. Seit Herbst 2011 können die Bewohner dem vertrauten Klang der Heimat wieder lauschen. Die neue Holzständerkonstruktion gleicht zwar der alten, dennoch werden einige Alteingesessene den Unterschied im Glockenklang erkennen. Diese läutet täglich um 12 und um 19 Uhr und begleitet auf Wunsch Verstorbene auf ihrem letzten Weg.

Schlösser freut sich über die Wiedererrichtung: "Ich bin sehr froh über die neue Glocke und den neuen Turm." Als Andenken wird die alte rund 78 Kilogramm schwere Glocke auf einem Sockel vor dem Turm neben dem Bürgerhaus platziert werden. Da es sich um einen Versicherungsschaden handelte, entstanden keine Kosten.

(NGZ)