Jüchen : Neue Riesenschere für Kohle

Im Tagebau Garzweiler haben vier Mitarbeiter ein neues Schneidgerät entwickelt: Die drei Tonnen schwere Schere zerkleinert Kohlebrocken beim Entladen in den Bunker. Bisher ein gefährlicher Knochenjob.

Diese Schere passt in kein Nähkästchen: Drei Tonnen schwer, zweieinhalb Meter hoch soll sie auch keine Bindfädchen durchtrennen, sondern bis zu einem halben Meter große Kohlebrocken zertrümmern.

Die vier RWE-Mitarbeiter Hans Jürgen Schardt, Maik Jahnke, Walter Pütz und Horst Köllen aus dem Tagebau Garzweiler haben das tonnenschwere Schneidgerät entwickelt, eingesetzt wird es zunächst auch an ihrem Arbeitsplatz.

Doch an anderen RWE-Stationen, etwa in den Kohlebunkern des Kraftwerks Neurath, soll sich die Riesen-Schere beweisen und gefährliche Handarbeit überflüssig machen. "Sie macht die Arbeit für das Kipper-Personal leichter und kostengünstiger, aber vor allem auch sicherer", sagt Lutz Kunde (57), Leiter des Tagebaus Garzweiler. In den vergangenen Jahren habe es mehrere Unfälle bei der Kohlebrocken-Zerkleinerung gegeben.

Bisher mit Muskelkraft

Und so wird das neue Schneidgerät eingesetzt: In den Waggons der Kohlebahn wird der Brennstoff transportiert. Die richtig großen Brocken können bis zu 80 Zentimeter Durchmesser haben. Wenn die Wagenklappen geöffnet, um die Braunkohle in den Bunker rasseln zu lassen, gibt es mit zu großen Kohlestücken Probleme.

"Sie verstopfen die Schütte und mussten bisher in körperlicher Schwerstarbeit zerkleinert werden", erläutert Unternehmenssprecher Manfred Lang. Mit langen Eisenstangen und dicken Armmuskeln erledigten die Männer diesen gefährlichen Knochenjob — mit dem innovativen Riesen-Schneider werden sie in Zukunft spürbar entlastet. Denn damit können die Kohlenbrocken, die beim Entladen verkanten, mühelos gelöst werden.

Nun mit neuer Technik

Realisiert wurde die neue Anlage in RWE-Regie und in enger Kooperation mit lokalen Unternehmen wie dem von Walter Pütz. "So konnten wir auch Aufträge verstärkt in die Region geben", zeigt sich Lutz Kunde zufrieden.

Fortschritt für die Arbeitssicherheit, Erfolg für die Mitarbeiter: Für die vier Tüftler gab es den unternehmenseigenen Innovationspreis. "Wir suchen ständig neue Ideen", so der Tagebau-Leiter und Chef der Werkeisenbahn bei RWE Power.

Unter der Überschrift "Immer besser" würden Vorschläge von Mitarbeitern für die unterschiedlichen Aufgabenbereiche gesammelt: Bis zu tausend Ideen kommen auf diese Art in einem Jahr zusammen: "80 Prozent sind praxistauglich. Bei den übrigen 20 Prozent wäre eine Umsetzung zu teuer oder umständlich", so Lutz Kunde. Und einige sind — wie die Riesen-Schere — ein Riesenerfolg.

(NGZ)