Jüchen : Neue Lärmkarten für Aktionsplan

Untersucht werden die Bereiche Schiene und Straße. Die FWG beantragt auch Lärmmessungen im Tagebau.

Güterzüge rauschen über die Schienen. Autos brettern über die Autobahn 46, Motorräder fahren über die Landstraßen, Bagger fördern Braunkohle – nur einige Beispiele für Lärm in Jüchen. Mit Belastungen für Straße und Schiene beschäftigt sich zurzeit die Verwaltung: Sie wird ein Ingenieurbüro für 15 000 Euro beauftragen, um Lärmkarten zu erstellen. Diese bilden die Basis für einen Aktionsplan, der Maßnahmen gegen zu viel Lärm enthält. Gerolf Hommel, Chef der Freien Wählergemeinschaft Jüchen (FWG), beantragt zudem, dass der Gemeinderat sich am Donnerstag mit dem Lärm durch den Tagebau in Hochneukirch beschäftigen soll.

Jüchener Straßen, die in Lärmkarten erfasst sind, sind die Autobahn 46 und die Bundesstraße 59 – also Straßen, auf denen pro Jahr mehr als drei Millionen Autos unterwegs sind. In die Lärmkarte Schiene werden Strecken mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 30 000 Zügen pro Jahr aufgenommen, in Jüchen die Strecke Köln–Mönchengladbach. Auf der Grundlage der Lärmkarten müssen die Kommunen bis zum 18. Juli 2013 einen Aktionsplan aufstellen.

Wie sieht es mit den aktuellen Lärmbelastungen durch den Tagebau in Hochneukirch aus? "Es gibt keine besonderen Ereignisse oder mehr Meldungen zu Lärm im Tagebau", erklärt RWE-Power-Sprecherin Laura Hoeboer auf Anfrage der NGZ. "Natürlich kann es sein, dass die gefühlte Lärmbelastung der Anwohner zunimmt, da der Tagebau näher an Hochneukirch herangerückt ist." Eigene Messungen des Unternehmens – "nachts und unter ungünstigsten Bedingungen" –hätten Werte von 43 dB ergeben, also unterhalb des Richtwerts (45 dB).

Gerolf Hommel behauptet dagegen in seinem Antrag, dass der Tagebau seit Monaten massive Lärmbelästigungen verursache. Deshalb solle die Verwaltung im Bereich Hochneukirch-Süd "dauerhafte Lärmmessungen durchführen". Laura Hoeboer verweist auf das RWE-Beschwerdetelefon: "Wir sind sehr dankbar für jeden Hinweis und versuchen dann auch, so schnell wie möglich zu reagieren." Manchmal könne ein Maschinendefekt kurzfristig mehr Krach verursachen. "Aktuell sind uns keine Lärmbelastungen durch den Tagebau bekannt", so Rathaus-Sprecher Norbert Wolf. Er verweist auf die zentrale Betriebsüberwachungsstelle von RWE, die zuständig für Meldungen zu Lärm- und Staubbelastungen in und um den Tagebau sei. Störungen sollten unverzüglich gemeldet werden; verspätete Meldungen könnten dagegen nicht mehr zurückverfolgt werden.

Den FWG-Antrag zur Lärmbelastung in Hochneukirch durch den Tagebau Garzweiler wird der Rat voraussichtlich in den Fachausschuss verweisen – für Gerolf Hommel zu spät: "Das Gremium tagt erst in zwei Monaten. Das Thema sollte aber jetzt behandelt werden."

(NGZ)