Jüchen : Neue Klangfarben für die Kirche

Neu-Otzenrath (sk) Schon bald ist die Zeit der Stille in der Evangelischen Kirchengemeinde in Neu-Otzenrath Vergangenheit - und das ist nicht negativ gemeint. Denn in Kürze kann die Gemeinde ihre Gottesdienste musikalisch begleitet im eigenen Pfarrzentrum feiern.

Orgelbaumeister Martin Scholz aus Mönchengladbach, Clemens Tusch und Marco Ellmer arbeiten mit Hochdruck an der Fertigstellung der neuen Orgel. Das Presbyterium der Gemeinde ließ Scholz größtmöglichen Handlungsspielraum.

"Natürlich gab es einen einzuhaltenden Finanzrahmen", stellt Pfarrer Heinz-Günter Schmitz klar. "Wir haben darüber hinaus jedoch keine Vorgaben hinsichtlich der Klangfarbe und der Registerauswahl gemacht." Unter diesen Bedingungen arbeitet Scholz am liebsten. So kann er den Auftraggebern das für den Kirchenraum passende Instrument vorschlagen.

Modell im Maßstab 1:20

"Da die Kirche ja noch nicht existierte, haben wir von ihr ein Modell im Maßstab 1:20 hergestellt." Im selben Größenverhältnis fertigte Scholz' Werkstatt das Modell einer zehn-registrigen kammermusikalischen Orgel. "Auf dem Grundriß haben wir dieses Orgelmodell verschoben, bis wir den heutigen Platz als beste Möglichkeit festlegten", ergänzt Scholz.

Ursprünglich war sogar die Errichtung einer Orgelempore vom Presbyterium in Erwägung gezogen worden. Die Holzteile der Orgel bestehen aus hellem Eichenholz, schlicht wie der gesamte Kirchenraum. Blickfang sind jedoch die acht-füßigen Metallpfeifen oberhalb des Spieltischs.

"Nur die haben wir dazugekauft, alles andere stammt aus der eigenen Werkstatt", erklärt Scholz. Wer sich etwas mit dem Instrumentenbau auskennt, weiß, was dies bedeutet: die Tasten der Manuale, die Tasten des Pedals, selbst die Sitzbank - alles Teile, die man von Fachfirmen beziehen könnte - haben die Schreiner der Orgelbauwerkstatt in bester Qualität selbst hergestellt.

Auf die Frage nach dem Einzug der Elektronik in seine Instrumente reagiert Scholz nur mit verneinendem Kopfschütteln. In vielen Orgeln erleichtern sogenannte Spielhilfen dem Organisten den Vortrag. Mit der "Setzertechnik" lassen sich beispielsweise Pfeifenkombinationen und damit Klangfarben aus einem Datenspeicher schnell abrufen.

"Ich halte davon nichts, weil die Elektronik schnell veraltet. Unsere Orgeln werden ausschließlich mechanisch betrieben."

Ausschließlich mechanisch

Den Einwand, bei großen Orgelwerken könne es dann aber zur Verzögerung während der Registrierung kommen, entkräftet Scholz mit dem Hinweis: "Der Sänger holt auch Luft zwischendurch. Eine gewisse Zeit zum Nachdenken sollte man einfach haben."

Werden die Verkleidungen des fünf Meter hohen Instruments entfernt, wird dann auch eine Feinmechanik des Instruments sichtbar, der man viele Jahre störungsfreier Nutzung zutrauen kann.

Was die Qualität betrifft, werden - so wie Scholz - auch die Orgelbauer gedacht haben, auf deren zum Teil über mehrere hundert Jahre alten Orgeln heute noch gespielt wird.

(NGZ)