Jüchen : Neue Entlassungen bei Polo

Beim Motorrad-Spezialisten Polo gibt es die ersten Entlassungen nach dem Verkauf an eine Investorengruppe. 13 Mitarbeitern wurde gekündigt, am Standort Jüchen sind acht Angestellte betroffen.

Seit 40 Jahren steht der gelernte 56-Jährige Industriekaufmann im Berufsleben. Morgen ist sein vorerst letzter Arbeitstag. Der Vater von zwei Kindern ist einer von acht Polo-Mitarbeitern, die am Standort Jüchen ihre Kündigung erhalten haben. Sie sind Opfer der Umstrukturierung beim insolventen Motorrad-Spezialisten. Bisher war das Unternehmen in acht Regionen unterteilt. Die Investoren — die Münchener Paragon Partners GmbH und die Tempus Capital GmbH mit Sitz in Königstein — haben die Gebiete verschmolzen und die regionale Aufsplittung beendet. Dementsprechend wurde nun Mitarbeitern des Managements und des Controllings in der Jüchener Zentrale die Kündigung ausgesprochen.

"Unsere Abteilung ist zu 75 Prozent gestrichen worden", berichtet der Industriekaufmann. Er war mit drei weiteren Kollegen für das Vertriebscontrolling zuständig — nur einer soll seinen Arbeitsplatz behalten haben. "Ein Kollege ist noch im Urlaub. Er wird von seinem Glück erst in einigen Tagen erfahren", sagt er und lacht bitter. Die Kündigung hat den 56-Jährigen hart getroffen. Sie kam nicht überraschend: "Aber sie kam zu einem Zeitpunkt, als wir gerade neue Hoffnung geschöpft hatten." Nach Wochen des Schwebezustands, Perspektivängsten und ohne Informationen sei die Nachricht vom Verkauf zunächst mit viel Optimismus aufgenommen worden, blickt der 56-Jährige zurück. Für die meisten seiner Kollegen ist die neu gegründete "Polo Motorrad und Sportswear GmbH" tatsächlich ein Rettungsanker — für ihn nicht. "Ich werde nun auf Wiedereinstellung klagen. In meinem Alter ist ein neuer Arbeitsplatz schwer zu finden", sagt der Familienvater.

Eine offizielle Bestätigung der Kündigungen gibt es von Seiten des Investoren-Konsortiums nicht. Auch zur weiteren Strategie des Unternehmens wollen sich die Investoren nicht äußern. Entsprechende Anfragen unserer Zeitung wurden abgewiesen. Allerdings geht aus einer Mitarbeiterinformation hervor, dass weitere Entlassungen vorerst nicht geplant sind. Die jetzt erfolgten Kündigungen sind — nach der Neubesetzung der Geschäftsführung mit Manfred Steffens — die zweite Veränderung im Konzern.

Unterdessen ist Insolvenzverwalter Horst Piepenburg, der nur drei Monate nach dem Insolvenzantrag den Verkauf vollzog, damit beschäftigt, die alte Gesellschaft abzuwickeln. Am 4. April kommt im Amtsgericht Mönchengladbach die Gläubigerversammlung zusammen. Ende April soll feststehen, ob und wenn ja in welcher Höhe die Gläubiger auf Geld verzichten müssen.

(NGZ)