Jüchen : Nachbar rettet Senior aus Feuer

Dramatischer Einsatz an der Heinrich-Lersch-Straße: Ein 73 Jahre alter Mann wurde von einem Nachbarn aus seiner brennenden Wohnung gerettet. Fünf Menschen wurden mit Rauchgasvergiftung in Krankenhäuser eingeliefert.

Dienstagabend, wenige Minuten vor der Tagesschau, schrillte die Alarmglocke in der Jüchener Feuerwache: „Zimmerbrand an der Heinrich-Lersch-Straße“, hieß die Meldung aus der Neusser Leitstelle. Feuerwehrchef Mario Heitbrink setzte einen Teil seiner Truppe in Marsch: Die Männer der Löschzüge aus Jüchen und Gierath rückten mit der Drehleiter aus. Gleichzeitig machten sich fünf Rettungswagen und zwei Notärzte auf den Weg nach Jüchen.

Bevor die Einsatzkräfte vor Ort waren, spielten sich dramatische Szenen im Wohngebiet ab. Eine Passantin hatte starken Rauch aus einem Mehrfamilienhaus aufsteigen sehen und Nachbarn alarmiert. Keine Sekunde zu spät: Denn der 73 Jahre alte Bewohner des Hauses stand am Küchenfenster der bereits lichterloh brennenden Wohnung und konnte sich nicht selbst retten.

Nachbar Guido Wirtz griff beherzt zu, riss den Mann ins Freie. Sein Sohn Tobias kletterte über den Balkon in den ersten Stock, um andere Bewohner zu warnen. Als die Feuerwehr eintraf, brannte die Wohnung bereits in voller Ausdehnung.

„Wir wussten nicht, ob sich noch Menschen in dem Haus befanden“, erklärt Mario Heitbrink. Er schickte zwei mit Atemschutzgeräten ausgerüstete Trupps in das Haus, mit Strahlrohren arbeiteten sich die vier Männer in das obere Geschoss des Gebäudes vor. Mit Gewalt öffneten sie die verschlossenen Türen zu weiteren Wohnungen. „Zum Glück befanden sich drinnen niemand mehr“, so Feuerwehrchef Heitbrink.

Die brennende Wohnung war innerhalb einer Stunde gelöscht, dennoch dauerte der Einsatz bis 22.30 Uhr. „Teilweise musste das Gebäude leergeräumt werden, um die restlichen Glutnester zu ersticken“, betonte der Feuerwehrchef.

Der 73-Jährige erlitt leichte Verletzungen an Armen und Beinen, sein Retter Guido Wirtz zog sich einen Rippenbruch zu. Insgesamt wurden fünf Menschen, die sich in der Nähe des brennenden Hauses befanden, mit Rauchvergiftungen in Krankenhäuser gebracht.

„Fahrlässige Brandstiftung“

Wie es zu dem Feuer gekommen ist, stand am Mittwoch noch nicht fest: „Zurzeit gehen wir von fahrlässiger Brandstiftung aus“, so Polizeisprecher Hans Willi Arnold: „Möglicherweise hat der Senior mit einer brennenden Zigarette hantiert.“

„Die komplette Wohnung ist ausgebrannt, auch das Nachbarhaus wurde durch den Brandrauch in Mitleidenschaft gezogen“, betont Mario Heitbrink. Die Höhe des Schadens konnte noch nicht beziffert werden. Die Polizei geht von einem sechsstelligen Betrag aus.

(NGZ)