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Nach 20 Jahren ist für Friedrich W. Korsten bei den Elephants Schluss

Basketball : Auch an der Geige hat der Doc den Bogen raus

Obwohl selbst eher dem Reiten zugetan, stand Friedrich W. Korsten zwei Jahrzehnte an der Spitze der in Grevenbroich fast schon Kultstatus besitzenden Elephants-Basketballer. Auf den Abschied aus dem Amt des Vorsitzenden folgt für den Chefarzt im Ruhestand jedoch kein Rückzug in die Lethargie. Ganz im Gegenteil – Ende Juni geht’s nach China.

Friedrich Wilhelm Korsten ist ein offener und kommunikativer Mensch – nicht, weil er sich gerne reden hört, sondern, weil er etwas zu sagen hat. Dabei ruht der mittlerweile 68-Jährige, der 2015 nach einem Vierteljahrhundert am Kreiskrankenhaus Grevenbroich St. Elisabeth als Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und Onkologie sowie als Ärztlicher Direktor in Rente gegangen war, in sich selbst. Sein Motto: „Stress macht man sich selber.“ Zur inneren Einkehr benötigte er nicht mehr als eine Tasse Kaffee und eine Zigarette.

Dass er 1999 zu den Elephants fand, war einer dieser durchaus seltenen Glücksfälle – und doch auch irgendwie logisch, denn dort spielten schon seine Zwillingssöhne David und Peter. „Die Basketballer suchten eine Aushängeschild. Und da ich ganz gut organisieren und Konflikte lösen kann, habe ich das Amt erstmal für ein Jahr kommissarisch übernommen.“ Der Rest ist Geschichte: Gemeinsam mit Uli Weinz (2. Vorsitzender) und dem am 14. April im Alter von 68 Jahren verstorbenen Hubert Fußangel (Geschäftsführer) formierte er ein kongeniales Triumvirat, unter dessen Regie die Korbjäger aus der Schlossstadt vier Jahre in der 2. Bundesliga Nord spielten (2003 bis 2007), dreimal den WBV-Pokal holten (2003, 2014, 2016) und in Topspielen mehr als 1000 Basketball-Fans in die eigentlich nur für 799 Zuschauer zugelassene Großsporthalle am Torfstecherweg packten. Den Trainern Màthyàs Rànky, Raphael Wilder („Im Handling sicher der schwierigste.“), Heimo Förster, Simon Bennett und Hartmut Oehmen ließ er dabei in sportlichen Dingen absolut freie Hand. „Im Nachhinein ein Fehler“, findet er mittlerweile, betont indes ausdrücklich: „Es war eine schöne Zeit.“

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Doch Korsten neigt nicht zur Gefühlsduselei, hätte dafür auch gar keine Zeit. Den vor drei Jahren übernommenen Vorsitz  im Kreisverband der Reit- und Fahrvereine Mönchengladbach füllt er nämlich ebenso weiterhin aus wie die Position an der Spitze des RV St. Hubertus Herrenshoff-Abtshof, sein Heimatverein. Und weil er in seinem Job ein Ass war („Ich habe die Messlatte für mich und meine Mitarbeiter immer noch ein Stückchen höher gelegt.“), ist der Senior Experten Service (SES) auf ihn aufmerksam geworden. Im Auftrag der Entsendeorganisation für ehrenamtliche Fach- und Führungskräfte im Ruhestand mit Sitz in Bonn reist er am 29. Juni für drei Wochen nach China. Dort leistet er am mit 7000 Betten bestückten Krankenhaus der 1,4 Millionen Einwohner zählenden Stadt Bayin Entwicklungshilfe. „Damit gehöre ich jetzt auch zur Silberrückenfraktion“, witzelt der 68-Jährige vergnügt und denkt dabei schon ans nächste Projekt, das ihn womöglich nach Usbekistan bringt.

Allerdings ist er in seinen Entscheidungen nicht völlig frei, habe er doch eine „Bringschuld meiner Frau gegenüber. Da bin ich im Minus, das ist mir bewusst.“ Gabriele Korsten war es auch, die ihren stets beschäftigen Mann mit typisch weiblicher List davon überzeugte, den Lebensabend nicht wie angedacht in Düsseldorf, sondern in der alten Heimat Mönchengladbach zu verbringen. „Sie hat mich gefragt: Wenn einem von uns beiden was passiert, was soll ich dann in Düsseldorf, wo ich niemanden kenne ..?“ Von der aparten Wohnung im Stadtteil Dahl ist es außerdem nicht weit zur Musikschule Mönchengladbach, wo der Mediziner zurück zu seinen Wurzeln gefunden hat. Die als Elfjähriger daheim in Viersen entfachte Leidenschaft für handgemachte Tonkunst, „in der einen Hand trug ich den Geigenkasten, in der anderen Hand den Tornister für die Schule“, hat er auch auf seine Familie übertragen: Tochter Anne hätte an der Querflöte fast eine professionelle Karriere eingeschlagen, seine der Holzbildhauerei zugetane Frau hat das Altsaxofon für sich entdeckt.