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Mutmacher für Dormagen vor dem Derby gegen Gummersbach

2. Handball-Bundesliga : Mutmacher für Dormagen vor dem Derby-Klassiker

Tabellenführer gegen Schlusslicht. Selten war die Ausgangslage vor dem Duell Dormagen gegen Gummersbach so eindeutig. Doch ein Blick in die Geschichte gibt auch Grund zur Hoffnung für den TSV Bayer.

Es klingt wie das berühmte Pfeifen im Walde: „Na klar können wir Gummersbach schlagen,“ sagte Mannschaftskapitän Patrick Hüter am Dienstagabend, kurz nachdem der TSV Bayer Dormagen mit dem 21:23 gegen den ThSV Eisenach bereits die fünfte Heimniederlage in der laufenden Saison der 2. Handball-Bundesliga kassiert hatte, mit Blick auf den Freitagabend, an dem sich ab 19.30 Uhr die beiden Aushängeschilder des Handballverbandes Mittelrhein im Bayer-Sportcenter gegenüberstehen.

Dabei war die Ausgangsposition selten so eindeutig wie vor der 33. Auflage dieses Derby-Klassikers, von denen der VfL Gummersbach 15 und der TSV Bayer immerhin acht gewann. Der einstige Rekordmeister aus dem Oberbergischen, im Vereinsslogan als „Heimat des Handballs“ bezeichnet, kommt als Tabellenführer, nachdem er am Rosenmontag mit einem ungefährdeten 35:27-Sieg über den TV Großwallstadt die Spitzenposition von der HSG Nordhorn-Lingen zurückeroberte. Die Gastgeber hingegen sind Schlusslicht und drohen angesichts einer enttäuschenden Bilanz von 3:9 Punkten aus den sechs Partien seit dem Trainerwechsel Mitte Januar schon frühzeitig den Anschluss an die rettenden Tabellenplätze zu verlieren – und das in einer Liga, in der sich nur wenige Klubs mit spielerischem Ruhm bekleckern, in der Kampf, Krampf und eine Unmenge von Fehlern und Fehlwürfen das Geschehen auf dem Parkett (fast) allerorten bestimmen.

 Christian Fitzek (l.) und Andreas Thiel spielten beide für Gummersbach und Dormagen.
Christian Fitzek (l.) und Andreas Thiel spielten beide für Gummersbach und Dormagen. Foto: Jazyk
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Nicht mal der VfL Gummersbach zieht souverän seine Bahnen. Dass er in Rostock, Hagen, Ludwigshafen, Rimpar und Lübeck verlor, zeigt, dass der Spitzenreiter keineswegs unverwundbar ist. Dem stehen eindrucksvolle Erfolge gegen direkte Konkurrenten (28:22 in Nordhorn, 31:26 in Hamm, 29:23 gegen Essen) gegenüber – und ein paar Kantersiege, von denen das 28:18 im Hinspiel aus Dormagener Sicht nicht gerade erwartungsfroh auf den Freitagabend blicken lässt. Es war, zusammen mit dem 35:25 vom Juni vergangenen Jahres, der höchste Sieg, der den Gummersbachern jemals in einem Mittelrhein-Derby gelang. In das sie freilich meist als Favorit gingen, auch wenn der TSV Bayer in seinen „goldenen Jahren“ gleich drei Mal in Folge den VfL in der Abschlusstabelle der Ersten Liga hinter sich ließ: 1993/94 (TSV 8./VfL 12.), 1994/95 (6./12.), 1995/96 (11./12.).

 André Meuser (l.) und Aron Seesing waren 2020 beim 24:24 gegen Gummersbach dabei.
André Meuser (l.) und Aron Seesing waren 2020 beim 24:24 gegen Gummersbach dabei. Foto: Heinz J. Zaunbrecher

Doch es gibt mit Blick auf den Freitag und die prekäre Ausgangslage der Gastgeber auch ein paar Mutmacher in der langen Derbygeschichte: Vor 15 Monaten, am 30. Dezember 2020, trotzte der TSV den als Tabellenzweiter angereisten Gummersbachern beim 24:24 einen Punkt ab – aus dem damaligen Aufgebot sind am Freitag Patrick und Ian Hüter, André Meuser, Alexander Senden, Joshua Reuland, Jan Reimer, Aron Seesing und Martin Juzbasic noch mit von der Partie. Der Unterschied zu heute: Die Dormagener festigten mit dem Remis ihren vierten (!) Tabellenplatz.

Am 24. März 2001, wenige Wochen, nachdem Kai Wandschneider Gudmundur Gudmundsson auf der Trainerbank abgelöst hatte, gelang ein sensationeller 25:23-Sieg in der altehrwürdigen Eugen-Haas-Halle – der den Abstieg aus der Ersten Liga freilich auch nicht verhindern konnte, dafür aber als letzter doppelter Punktgewinn des TSV in die Derby-Geschichte einging. Und am 28. November 1987 kamen die Oberbergischen ebenfalls als Tabellenführer nach Dormagen, als ungeschlagener noch dazu. Der Aufsteiger hingegen dümpelte mit gerade mal drei Punkten am Tabellenende herum – und landete mit dem 14:14-Unentschieden eine echte Sensation. Der Unterschied: Damals saß in Gestalt von Petre Ivanescu ein „alter Fuchs“ auf der Trainerbank, der zuvor den VfL Gummersbach zu drei Triumphen im Europapokal, zweien im DHB-Pokal und zwei Deutschen Meistertiteln geführt hatte.

Mit dem inzwischen 85-Jährigen begann eine ganze Serie von Personalwechseln zwischen beiden Klubs, die in Andreas Thiel, Christian Fitzek (beide aus Gummersbach nach Dormagen), Karsten Kohlhaas, Adrian Pfahl, Kentin Mahé, Simon Ernst, Moritz Preuss und Julian Köster (alle aus Dormagen nach Gummersbach) ihre prominentesten Vertreter hatte. Nicht zu vergessen Christoph Schindler, der nach sieben Jahren als Spieler inzwischen als Geschäftsführer die Geschicke des einstigen Rekordmeisters aus Gummersbach lenkt.

Wobei der Wechsel des zum (deutschen) „Shootingstar“ der diesjährigen Europameisterschaften aufgestiegenen Julian Köster wahrscheinlich nicht der letzte vom Rheinland ins Oberbergische gewesen sein dürfte. Insofern müssten die Gummersbacher eigentlich ein Interesse daran haben, dass ihr „Talentreservoir“ weiterhin in der Zweiten Liga spielt. Dass sie deshalb den Dormagenern zwei für beide Teams äußerst wertvolle Punkte überlassen, darf allerdings bezweifelt werden.