Korschenbroich: Mühlenturm für alle geöffnet

Korschenbroich: Mühlenturm für alle geöffnet

Nach einer aufwendigen Sanierung ist er nicht nur im Stand sicher, er ist erstmals auch für Besucher geöffnet: der Mühlenturm. Besitzer Hans-Otto Scherer will den Ort Liedberg damit für Touristen noch interessanter machen.

Hans-Otto Scherer (50) hat eine Vorliebe für alte Gemäuer. Und so war es für den Obstbauern aus Liedberg Vergnügen und Verpflichtung zugleich, dem historischen Mühlenturm einen festen Stand und damit ein Überleben zu garantieren. Mehr noch: Nach der abgeschlossenen Sanierung besteht jetzt erstmals für Besucher die Möglichkeit, den Turm zu besteigen und in einer Höhe von 19 Metern eine tolle Aussicht zu genießen.

Seit rund 200 Jahren befindet sich der historische Mühlenturm im Besitz der Familie Scherer. Seit vier Jahren ist Hans-Otto Scherer stolzer Besitzer des Turmes. "Ein Geschenk mit Folgekosten", wie er scherzhaft feststellt. Welche Summe für die Rundumsanierung erforderlich war, behält Scherer für sich. Allerdings hat der rührige Liedberger eines fest im Blick: "Ich möchte den Ort für Besucher noch attraktiver machen." Was er damit bezweckt? Sein Ziel ist klar definiert: "Ich möchte, dass Liedberg ein amtlich anerkanntes Ausflugs-ziel wird."

Zum Hintergrund: Im Jahre 1572 wurde der runde Turm, der letzte Überrest der ersten Liedberger Burg, als Windmühle eingerichtet. Ein eingemauerter Stein mit dem Namen des Kurfürsten Salentin von Isenburg erinnert an frühere Zeiten. Der hölzerne Umgang wurde 1664 zu Befestigungszwecken eingemauert. Das Ende des Mühlenbetriebes besiegelte ein gewaltiger Sturm, der 1836 die Flügel von der Achse riss und das Dach freilegte. "Seither war der Turm der Witterung und dem Verfall preisgegeben", unterstreicht Scherer den aktuellen Handlungsbedarf.

  • Geldern : Graffiti-Kunst soll in den Mühlenturm

Mit Unterstützung des Mönchengladbacher Architekten Helmut Classen wurde dann in Abstimmung mit dem Denkmalschutz ein Nutzungskonzept erarbeitet und in einer gut zwölfmonatigen Bauzeit umgesetzt.

102 Stufen führen den Besucher nun auf die Aussichtsfläche. "Von dort aus hat man einen tollen Blick auf Liedberg und weit darüber hinaus", schwärmt Ralf Frommen, Geschäftsführer des örtlichen Heimatvereins. Wie der Vereinsvorsitzende Karl-Heinz Groß begrüßt Frommen jede Initiative, um den historischen Ort weiter für den Tourismus zu erschließen. "Hier haben wir im Stadtgebiet noch einen gehörigen Nachholbedarf."

Doch bis der Turm für die Besucher freigegeben werden konnte, wurden unter anderem fünf Tonnen Stahl verarbeitet – auf sechs Etagen verteilt. Die unregelmäßig angeordneten Schießstände und die türähnlichen Fensteröffnungen wurden saniert und aus Sicherheitsgründen mit Gittern versehen. Der Turm ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Drehkreuz, dass künftig auf eine 50-Cent-Münze reagiert, soll den Zugang steuern. Scherer: "Das Geld dient der weiteren Pflege des Objekts."

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE