Mondscheinrun im Rhein-Kreis Neuss : Abwechslung durch immer neue Laufstrecken

Schon seit 2014 gibt es die nicht kommerzielle Mondscheinrun-Laufserie. Mit 60 bis 100 Teilnehmern pro Veranstaltung ist die Resonanz groß und ein Ende nicht in Sicht.

Laufen ist als Fitnesstraining so beliebt, weil es so schön unkompliziert ist. Klamotten und Schuhe an, aus der Haustür raus und los. Zwei mittel- oder langfristige Motivationskiller kann es dabei aber doch geben: Es gibt Zeitgenossen, die scheuen auf Dauer die gedanklichen Selbstgespräche bei Sololäufen und/oder haben es alsbald satt, immer nur die zwei bis drei Strecken im eigenen Umfeld zu absolvieren. Abhilfe kann da der sogenannte Mondscheinrun schaffen. Dahinter verbergen sich regelmäßige Abendläufe, zu denen sich auch während der Corona-Pandemie, wenn es die Vorgaben zulassen, Laufbegeisterte aus der Region treffen. Jedes Mal wird eine andere Strecke im Rhein-Kreis Neuss ausgesucht.

Dahinter steckt Gernot Olschowsky aus Glehn, der Inhaber des Lauf-Fachgeschäfts Bunert in Neuss ist. Die Idee dazu hatte er Ende 2013, Anfang 2014 trafen sich dann die ersten zwölf Sportler am Reuschenberger See, um gemeinsam eine Runde zu drehen. „Der Grundgedanke war, mal in der Szene nachzuhören, wo man am besten im Winter laufen kann. Wir haben dann eine entsprechende Frage im Internet gestellt. Weil die Resonanz aber bescheiden war, haben wir uns selbst umgeschaut“, erinnert sich Olschowsky. Daraus entwickelte sich nach und nach die Veranstaltungsreihe Mondscheinrun, zu der regelmäßig zwischen 60 und 100 Menschen kommen, um in Gesellschaft in den schönsten Ecken des Rhein-Kreises ihrem Hobby nachzugehen. Wobei es Olschowsky wichtig ist zu betonen, dass es sich nicht um Laufveranstaltungen im klassischen Sinne handelt. Es wird also kein Startgeld fällig, es gibt keine Startnummern und eine Auswertung erfolgt auch nicht.

 Vor dem jeweiligen Lauf ist bei Facebook auf einem Bild von oben zu sehen, wo die Strecke entlangführt.
Vor dem jeweiligen Lauf ist bei Facebook auf einem Bild von oben zu sehen, wo die Strecke entlangführt. Foto: Gernot Olschowsky
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Aber gerade das scheint besonders attraktiv zu sein. Am 25. November 2021 hätte bereits die 74. Auflage auf der Bezirkssportanlage in Uedesheim starten sollen, doch kurz zuvor erfolgte die Absage, weil Gernot Olschowsky sich eine dicke Erkältung eingefangen hatte. Denn auch wenn es sich um Laufveranstaltungen mit inoffiziellem Charakter handelt, sind Olschowksy und sein Team die organisatorische Triebfeder dahinter. Zu tun gibt es im Vorfeld jedenfalls einiges. Jedes Mal muss eine neue Strecke erdacht werden, die Olschowsky abfährt und an den entscheidenden Abschnitten mit Kreide markiert, damit sich möglichst niemand verläuft. „Von uns läuft aber auch immer jemand ganz zum Schluss, so dass jemand, der unsicher ist, nur warten muss, bis er aufgegabelt wird“, erklärt Olschowsky.

 Gernot Olschowsky denkt sich die Strecken aus und markiert sie.
Gernot Olschowsky denkt sich die Strecken aus und markiert sie. Foto: Gernot Olschowsky

Für alle, die technisch auf dem neuesten Stand sind und über eine entsprechende Laufuhr verfügen, wird die Möglichkeit geboten, sich die jeweilige Strecke herunterzuladen. Jedes Mal gibt es aber auch auf der Mondscheinrun-Facebookseite ein Satellitenbild, auf dem mit Linien der Weg markiert ist. Um möglichst viele Aktive unterschiedlicher Leistungsklassen anzusprechen, werden immer zwei Distanzen von rund sechs und zehn Kilometern ausgearbeitet. Und das Teilnehmerfeld ist in der Tat bunt gemischt. Vom Topsportler bis zum Hobbyläufer mit einer Kilometerzeit von 7:30 Minuten ist alles dabei. Als der Mondscheinrun mal Station in Zons machte, mischte sich sogar die Spitzenmittelstrecklerin Tanja Spill vom TSV Bayer Dormagen unters Volk.

 Mit dem Fahrrad die Strecken abfahren und mit Spühkreide markieren
Mit dem Fahrrad die Strecken abfahren und mit Spühkreide markieren Foto: Gernot Olschowsky

Damit in etwa abgeschätzt werden kann, wie viele Menschen zum Laufen kommen, wird darum gebeten, sich über Facebook vorher anzumelden. „Weil viele über Mund-zu-Mund-Propaganda auch kurzfristig kommen, funktioniert das zwar nicht perfekt, aber die Erfahrung zeigt, dass es meist doppelt so viele sind, wie sich eingetragen haben“, erklärt Olschowsky. Ganz wichtig: Weil es sich nicht um eine nicht kommerzielle Veranstaltung handelt, ist jeder Teilnehmer für sich selbst verantwortlich und muss auch dementsprechend selbst die Verkehrsregeln beachten.

 Beim Mondscheinrun wird nichts dem Zufall überlassen. Bei Facebook wird Anfängern erklärt, wie die Streckenmarkierungen zu verstehen sind.
Beim Mondscheinrun wird nichts dem Zufall überlassen. Bei Facebook wird Anfängern erklärt, wie die Streckenmarkierungen zu verstehen sind. Foto: Gernot Olschowsky

Was die Streckenauswahl anbelangt, gibt es Unterschiede je nach Jahreszeit. Im Winter geht es hauptsächlich nahe oder sogar in Stadtgebieten und Ortskernen zur Sache, um größtenteils auf beleuchteten Wegen laufen zu können. Im Frühjahr oder Sommer, wenn es lange hell ist, stehen eher landschaftliche Aspekte im Mittelpunkt. Vor großen Laufveranstaltungen wie etwa dem Korschenbroicher Citylauf oder dem Zonser Nachtlauf werden auch schon mal Teile der jeweiligen Strecken abgelaufen, um neugierig zu machen.

Angesichts der vielen Absagen wegen Corona war das in vergangenen beiden Jahren eher weniger der Fall. Zumal auch die Mondschein-Läufe nicht in der gewohnten Regelmäßigkeit stattfinden konnten. Vor der Pandemie ging es auf jeden Fall immer an einem Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr auf die Strecke. Dahin wollen die Organisatoren auch gerne wieder kommen. „Es gibt bisher keinen Grund aufzuhören. Die Resonanz ist nach wie vor groß“, sagt Olschowsky. Wann es weitergeht, darüber will er frühestens im Februar entscheiden, wenn klarer ist, was in der aktuellen Corona-Lage möglich ist.