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Dormagen: Mitunter war der Respekt einfach zu groß

Dormagen : Mitunter war der Respekt einfach zu groß

Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen reiht sich ein in die Serie zweistelliger Testspielsiege von Rekordmeister THW Kiel.

Der TSV Bayer Dormagen befindet sich in guter Gesellschaft: Am Sonntagnachmittag musste auch der FC Barcelona der bestechenden Frühform des THW Kiel Tribut zollen und sich dem Deutschen Rekordmeister mit 29:33 geschlagen geben. 24 Stunden zuvor hatten sich die „Zebras“ mit 40:27 (Halbzeit 19:11) beim Handball-Zweitligisten durchgesetzt.

Die Niederlage sei „um drei, vier Tore zu hoch“ ausgefallen, urteilte Bayer-Trainer Dusko Bilanovic hernach. In der Tat hatten es seine Schützlinge durchaus in der Hand, mit einer einstelligen Tordifferenz aus der unterhaltsamen, tempo- und abwechslungsreichen Partie heraus zu kommen. Doch dafür „hatten sie in einigen Phasen zu viel Respekt“, befand Bilanovics Amtskollege Filip Jicha, der mit der ersten Saisonvorbereitung des THW unter seiner Regie als Cheftrainer „ausgesprochen zufrieden“ ist. Und das auch mit dem Auftritt vor 1834 Zuschauern im Bayer-Sportcenter war: „Wir haben viel ausprobiert, die Mannschaft hat das gut umgesetzt.“ Wobei die „Zebras“ sich nicht wie in solchen „Gala-Spielen“ oftmals zu sehen auf irgendwelche Zaubertricks einließen, sondern soliden Bundesliga-Handball spielten – mit dem nötigen Ernst und dem nötigen Respekt vor dem Gegner, der zwar unterlegen war, den sie aber durchaus ernst nahmen.

Den „Handball fürs Auge“ bot dabei streckenweise eher der Underdog: Mit schönen Anspielen an den Kreis, die Carl Löfström zu fünf Toren nutzte, mit sehenswerten Eins-gegen-eins-Aktionen des gerade erst von seinem Einsatz in der US-Nationalmannschaft bei den Panamerikanischen Spielen (Platz fünf) zurückgekehrten Ian Hüter. Auch die „Neuen“ zeigten gute Ansätze: André Meuser überraschte mit einem starken Abwehrpart, im Angriff schonte Bilanvoc den aus Rostock gekommenen 2,07 Meter langen Linkshänder wegen einer leichten Blessur am Wurfarm. Auf der anderen Seite weckte Ante Grbavac Hoffnung, Lukas Stutzke zumindest angriffsmäßig ersetzen zu können, wenn auch etliche seiner Würfe im Kieler Block landeten. Und wie Rückkehrer Pascal Noll nach langem Pass von Sven Bartmann die gesamte Kieler Deckung überspurtete und zum 6:8 (14.) traf, war schon sehenswert.

Das reichte natürlich nicht, um Kiel ernsthaft nervös zu machen, dafür spielten die „Zebras“ allein schon körperlich in einer anderen Liga. Und wer seinen kompletten Kader durchwechseln kann, ohne dass auch nur ansatzweise ein Bruch ins Spiel kommt, sollte ein ernsthafter Titelanwärter sein. Wer den FC Barcelona schlägt, sowieso.